Bewertung: 6
Nolan Lebovitz

Tortured

Vom amerikanischen Helden zum Folterknecht.

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Inhalt

Der mächtige Gangsterboss Ziggy ist ein großes Mysterium, niemand weiß, wie er aussieht oder wo er sich befindet. Um ihm endlich auf die Spur zu kommen, wird Kevin Cole (Cole Hauser), ein aufstrebender FBI-Agent, Kriegsveteran und Sohn des FBI-Direktors (James Cromwell), in Ziggys Organisation eingeschleust. Nachdem sich Kevin dort mit kleineren Tätigkeiten einen Namen gemacht hat, erhält er seinen ersten großen Auftrag: Er soll Ziggys Steuerberater Archie Green (Laurence Fishburne), der angeblich zehn Millionen Dollar veruntreut hat, foltern, um das Geld wiederzubeschaffen. Kevin muss über seine Grenzen hinausgehen, um Archie, der seine Unschuld beteuert, grausam zu quälen und Ziggy aus seinem Versteck zu locken.

Kritik

Bei einem Filmtitel wie "Tortured", zu Deutsch "Gefoltert" oder "Gequält", weiß man vorher nicht so recht, was zu erwarten ist. Ein weiterer "Saw"-Abklatsch, ein aufrüttelndes Drama über Guantanamo Bay oder doch ein SM-Softporno? Der Blick auf die Besetzungsliste lässt schon einmal erahnen, dass man es nicht mit einem Film zu tun hat, der in der Videothek hinter einem dicken Vorhang aufbewahrt wird. Überaschenderweise treffen jedoch auch die anderen beiden Theorien nicht zu, denn "Tortured" ist vielmehr ein Gangsterthriller über einen Undercover-Einsatz, der zur moralischen Prüfung wird.

Im Zentrum steht die Suche nach dem Gangsterboss Ziggy, dessen Identität völlig unbekannt ist, so dass auch der Zuschauer nicht weiß, ob er Ziggy schon erblickt hat, ohne es realisiert zu haben, oder ob Ziggy überhaupt in der Form existiert, wie es behauptet wird. Auf die Lösung kann man jedoch schon einige Zeit vor dem Ende kommen, mir zumindest ist das gelungen, so dass der ganz große Aha-Effekt ausbleibt.

Kevin Cole, der als Agent, Kriegsveteran und Sohn des FBI-Direktors durchaus dem Bild eines amerikanischen Helden entspricht, muss zum Folterknecht werden, um sich Ziggys Vertrauen zu sichern und an den mysteriösen Drahtzieher heranzukommen. Dementsprechend gibt es einige Folterszenen, die jedoch nicht expliziter sind, als das, was man aus "Saw" und Co. kennt, und in die Handlung eingebettet werden, statt den Großteil dieser auszumachen. Wir sehen, wie sich Kevins Job auf sein Privatleben auswirkt, wie er Hilfe bei einem Therapeuten sucht und wie er mit seinen Kollegen und seinem Vater einen Plan ausarbeitet, um an Ziggy heranzukommen. In Rückblenden wird uns zudem enthüllt, wie es Kevin gelungen ist, sich in Ziggys Organisation einzuschleichen.

"Tortured" ist ein geradliniger Thriller, der kein so geschicktes Verwirrspiel aufzuziehen vermag, wie die ganz großen Vertreter des Genres, aber solide Spannung aufbaut und nicht von seiner Linie abweicht, weder durch besondere Highlights noch durch ersichtliche Tiefpunkte. Die Schauspieler setzen keine Glanzlichter, machen jedoch einen guten Job.

Fazit

Mit "Tortured" legt Drehbuchautor und Regisseur Nolan Lebovitz einen soliden Thriller ohne Ausreißer nach unten oder nach oben vor.

Maret Hosemann - myFanbase
22.05.2009

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