Bewertung: 8
Alejandro González Iñárritu

21 Gramm

Wie viel wiegt Schuld, Rache, Liebe?

Foto: Copyright: Constantin Film
© Constantin Film

Inhalt

Das Drama handelt von drei Personen, die durch einen Unfall zueinanderfinden, ob nun gewollt oder nicht: Cristina Peck (Naomi Watts) ist glücklich verheiratet und hat zwei Töchter. Ihre Drogensucht hat sie mit der Unterstützung ihres Mannes überwunden. Jack Jordan (Benicio Del Toro) saß bereits mehrmals im Gefängnis und wohnt jetzt mit seiner Familie unter schweren Bedingungen. Sein Glaube an Gott hilft ihm, doch gerade dieser Glaube führt oft zu Spannungen in der Familie. Paul Rivers (Sean Penn) ist herzkrank und wartet seit langer Zeit auf ein Spenderherz. Seine Frau Mary (Charlotte Gainsbourg) steht ihm zwar in dieser schweren Zeit bei, hat aber andere, ziemliche egoistische Pläne, von denen Paul anfangs nichts weiß.

Eines Tages verursacht Jack einen Verkehrsunfall und überfährt Cristinas Familie. Die Kinder sind auf der Stelle tot und ihr Mann (Danny Huston) stirbt im Krankenhaus. Jack begeht Fahrerflucht, kann aber mit der Schuld nicht leben und stellt sich der Polizei. Paul wird das Herz von Cristinas Mann transplantiert und für ihn beginnt ein neues Leben. Allerdings möchte er wissen, wem er die zweite Chance zu verdanken hat. Er heuert einen Privatdetektiv an und erfährt nach zwei Jahren von der unfassbaren Geschichte...

Kritik

Anfangs ist es für den Zuschauer schwer, der Handlung zu folgen, bis sie immer klarer wird. Das hat mich fast umgehauen, denn ich mag eigentlich solche kontroversen Filme, in denen ständig Zeitsprünge gemacht werden, nicht. Bei "21 Gramm" wurde das jedoch von Regisseur Alejandro González Iñárritu auf eine einzigartige Weise wunderbar und sachlich, vor allem nachvollziehbar, umgesetzt. Im ständigen Wechsel gab es Szenen aus der Gegenwart, dann wieder aus der Vergangenheit, schließlich der Zukunft und Teile, die dazwischen passierten. Es waren Puzzleteile, die im Endeffekt zu einem Ganzen zusammengefügt wurden. Was ich schade fand, war, dass man vorhersehen konnte, was passieren würde, deshalb auch nicht die volle Punktzahl.

Es gab Cristinas Story, die ihre Familie durch einen schrecklichen Unfall verlor. Dann Pauls, der seit einer Ewigkeit auf ein Spenderherz wartete und dieses nun von Cristinas Mann bekam. Schließlich war da noch Jack, der Verursacher des Unfalles. Diese drei Menschen wurden durch diesen Unfall auf eine schmerzliche Weise verbunden, ob sie es nun wollten oder nicht. Der Film spricht ganz klar die Schuldgefühle, die vor allem Jack erdrücken, an. Doch mit seinem Charakter konnte ich am wenigsten anfangen, weil mir sein Glauben an Gott ziemlich auf die Nerven ging und er seine Familie fast drillte, an etwas zu glauben, woran sie aber nicht glauben wollte. Den größten Eindruck hinterließen bei mir Cristina und Paul, weil ich ihr Schicksal und Leid im Vergleich zu Jacks einfach größer empfand. Er hatte noch alles - seine Familie, während die anderen beiden erneut auf eine harte Probe gestellt wurden. Jack dagegen verlor den Glauben an Gott und machte Gott noch dafür verantwortlich, was ihn mir immer unsympathischer machte, als ob er keine eigene Verantwortung übernehmen konnte.

Der Film handelt nicht nur über Schuldgefühle, sondern genauso über eine neue Liebe und Rachegelüste. Er zeigt aber deutlich, dass Rache nicht das richtige Mittel ist, damit man sich besser fühlt und das Geschehene eventuell besser verarbeitet. Sie verschlimmert eher alles. Der Schluss war sehr bedrückend, ohne ihn zu verraten, doch man erfährt mehr über den Filmtitel "21 Gramm", mit dem ich anfangs gar nichts anfangen konnte. Paul erklärt ihn in der Endszene für alle auf eine sehr poetische Art und Weise. Das ging mir ziemlich unter die Haut. Es gibt Filme, die schaut man sich an und kann man sofort wieder abhaken, auch wenn sie einen Eindruck bei einem hinterließen. Nach "21 Gramm" blieb ich noch eine ganze Weile sitzen, habe über den Film und das Leben nachgedacht.

Fazit

Ein sehr beklemmendes, aber geniales Meisterwerk von Alejandro González Iñárritu, das dank einer bemerkenswerten Erzählweise überzeugt, an die man sich sehr schnell gewöhnt und die man außerdem versteht. Und nicht zu vergessen: die drei Hauptdarsteller, die das Drama erst zu diesem Meisterwerk machten, allen voran Naomi Watts und Sean Penn.

Dana Greve - myFanbase
07.12.2008

Diskussion zu diesem Film