Bewertung: 9
John Mangold

Identität

Identität ist geheimnisvoll. Identität ist gefährlich. Identität ist mörderisch.

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Inhalt

Malcolm Rivers' Tage scheinen gezählt. Der sechsfache Mörder soll noch in der gleichen Nacht hingerichtet werden, doch in letzter Sekunde macht sein Psychiater (Alfred Molina) eine verblüffende Entdeckung, die die Hinrichtung doch noch aufheben könnte. Um auszusagen muss Rivers jedoch zum Gouverneur gebracht werden.

In der gleichen stürmischen Nacht führt eine Verkettung merkwürdiger Zufälle zehn unterschiedliche Menschen in ein entlegenes Motel mitten im Nirgendwo. Callgirl Paris (Amanda Peet) ist auf der Flucht vor einem Freier, den sie um sein Vermögen gebracht hat. Sie verursacht versehentlich, dass das Auto von Familienvater George York (John C. McGinley) mit einem Reifenschaden liegen bleibt. Als dieser die Panne zu beheben versucht, steigt seine Frau Alice just in dem Moment aus, als eine Limousine vorbeifährt. Alice wird erfasst und lebensgefährlich verletzt. Limousinencheuffeur Ed (John Cusack) eilt sofort zur Hilfe und bringt sie und ihre Familie in das Motel des zwielichtigen Larry (John Hawkes). Durch den sintflutartigen Regen sind sämtliche Telefonleitungen zerstört, so dass Ed schließlich selbst zu Nadel und Faden greifen muss und Alice notdürftig zusammen flickt.

Unterdessen sucht auch das Junge Paar Ginny (Clea DuVall) und Lou (William Lee Scott) Zuflucht in dem Motel, während die genervte Schauspielerin Caroline Suzanne (Rebecca DeMornay) allen mit ihren Nörgeleien auf die Nerven geht. Auch Paris erreicht schließlich das Motel, gefolgt von dem Cop Rhodes (Ray Liotta), der den gefährliche Mörder Maine im Schlepptau hat, den er eigentlich in ein Gefängnis überführen sollte.

Nach der ersten Aufregung finden sich die Gäste mit den Umständen ab und beziehen erst einmal ihre Zimmer im Motel. Hotelmanager Larry versteckt unterdessen einige Dinge, die niemand sehen soll, während Paris ihr Geld in Sicherheit bringen will. Suzanne greift zur Flasche und versucht verzweifelt, eine Funkverbindung mit ihrem Handy herzustellen. Auf dem Weg über das Grundstück wird sie plötzlich angegriffen – nur kurze Zeit später findet Ed ihren Kopf in einer Waschtrommel und bei ihm den Schlüssel zu ihrem Zimmer. Als Ed, selbst ehemaliger Polizist, Hilfe bei Rhodes sucht, müssen die beiden feststellen, dass Maine geflohen ist.

Kritik

Dies ist nur der Auftakt zu einer Serie mysteriöser Vorfälle, die die Gruppe im Motel nach und nach dezimiert. Dabei verzichtet Regisseur James Mangold weitestgehend auf allzu blutige und gewalttätige Szenen und lässt vielmehr die großartig-düstere Atmosphäre für ungeheure Spannung sorgen.

Dabei läuft der Zuschauer zunächst in Gefahr, den Film als klassischen Schlitzerfilm einordnen zu wollen, was nach dem ersten Drittel des Films sich jedoch als gigantischer Fehler herausstellen soll. Während also unsere Charaktere, die alle irgendetwas voreinander zu verbergen versuchen, einer nach dem anderen nieder gemetzelt werden, tauchen erste interessante Details auf. Der Killer scheint sich an den Zimmernummern der Charaktere zu orientieren und auch ein erster Verdächtiger scheint schnell ausgemacht: der geflohene Mörder Maine, der natürlich nur kurz darauf selbst zum Opfer wird und somit als Täter wohl nicht mehr in Frage kommt. Doch wer trachtet dann nach dem Leben der Motelgäste? Die Charaktere beginnen schnell, sich gegenseitig zu verdächtigen und bemerken schließlich, dass sie eine interessante Gemeinsamkeit besitzen. Sie haben alle am gleichen Tag Geburtstag. Ist das Zusammentreffen mitten im Nirgendwo wirklich nur ein skurriler Zufall? Der Zuschauer ist verwirrt – der vermeintlich einfache Schlitzerfilm wandelt sich plötzlich zu einem übernatürlich angehauchten Thriller.

Ganz klar, Regisseur Mangold spielt mit dem Zuschauer. Er legt immer wieder falsche Fährten, die stets in einer Sackgasse enden. Mitdenken ist also angesagt, wenn John Cusack sich gemeinsam mit Ray Liotta aufmacht, den Killer dingfest zu machen. Und das ist leichter gesagt als getan, denn Drehbuchautor Cooney lässt in die eigentliche Handlung immer wieder eine zweite Storyline einfließen, in der der Zuschauer Bekanntschaft mit dem sechsfachen Psychokiller Rivers macht. Die Sprünge zwischen den beiden eigenständigen Handlungen sind so abrupt, dass man es sich als Zuschauer nicht leisten kann, auch nur eine Sekunde unaufmerksam zu sein.

Ein jeder guter Thriller wartet heutzutage mit einem großartigen Finale auf, das dann eingeleitet wird, als unsere Protagonisten erfahren, dass sie alle am gleichen Tag Geburtstag haben. Von da an überschlagen sich die Ereignisse und keiner ist mehr vor dem unfreiwilligen Ableben sicher. Und dann, als nur noch wenige Charakter übrig geblieben sind, sind plötzlich alle Leichen wie vom Erdboden verschluckt und dem Zuschauer wird klar, was er eigentlich schon lange wusste – etwas ist faul an der ganzen Sache.

Das Ende des Films trägt den Titel "großes Finale" zurecht, denn was anschließend folgt, lässt die Kinnlade herunterklappen. Beim genauen Nachdenken hätte man vielleicht sogar auf die Lösung des Rätsels kommen können, denn so abwegig ist die Frage nach dem Schuldigen eigentlich gar nicht. Doch man wurde zwischenzeitlich von all den falschen Fährten derartig geblendet, dass man den Blick fürs Wesentliche schnell verliert. Und darin liegt die Stärke des Films, denn er bietet auch nach dem Abspann noch viel Grund zum diskutieren.

Fazit

Mangold und Cooney liefern einen spannenden, brillanten Horrorfilm mit einem großartigen und überraschenden, aber vollkommen schlüssigen Ende, das man durchaus hätte vorausahnen können. Oder eben auch nicht.

Melanie Brandt - myFanbase
25.08.2007

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