Bewertung: 7
Luis Mandoki

24 Stunden Angst

Es war der perfekte Plan... bis sie sich wehrte, das perfekte Opfer zu sein!

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

Inhalt

Es ist ein ganz normaler Morgen bei der Familie Jennings... bis die kleine Tochter von Karen (Charlize Theron), Abigail (Dakota Fanning), entführt wird, während der Vater des Mädchens, William (Stuart Townsend), auf Geschäftsreise ist. Der schrecklichste Tag ihres Lebens beginnt und es stellt sich heraus, dass es um mehr geht, als nur um eine simple Lösegeldforderung.

William wird von Cheryl Hickey (Courtney Love) im Hotelzimmer gefangen gehalten, während Abigail von Marvin (Pruitt Taylor Vince) in eine verlassene Scheune verschleppt wird und Joe Hickey (Kevin Bacon) mit der Angst von Karen spielt und das auch noch in ihrem eigenen Haus. Der Plan ist eigentlich einfach und wurde perfekt durchorganisiert: Alle halbe Stunde rufen die Kidnapper sich untereinander an. Wenn das nicht geschieht, wird Abigail getötet. Einer der beiden erwachsenen Jennings soll das Geld holen und es den Entführern geben, denn sie wissen aus ihrer Erfahrung, dass bei der Lösegeldübergabe das Meiste schief geht. Nur wenn sie das Geld in den Händen halten, wird das Kind freigelassen. Tja, wenn nur wenigstens alles nach Plan liefe...

Bis zum Zeitpunkt der Abi-Entführung haben die Entführer bereits vier Mal ihr Geld bekommen und den Opfern gedroht, ihre Kinder umzubringen, falls sie nach der Beendigung des Kidnappings nach 24 Stunden jemandem etwas verraten. Doch diese Entführung soll ganz mies schief gehen.

Kritik

Eines vorweg: Dieser Film strotzt nur so vor Unlogik! Der Boss der Kidnapper, Joe Hickey, denkt, er sei megaschlau und, dass sein Plan ja schon die letzten vier Male geklappt hat. Aber wie können sie dann übersehen, dass das Kind von Karen und William Asthma hat? Wie kann es geschehen, dass sich Karen einfach mal so ein Skalpell schnappen kann? Wieso schläft Cheryl mitten in der Entführung ein und lässt so zu, dass William die Waffe bekommt?

Was aber die größten Mankos sind: Wie kann ein eigentlich schwer verletzter Joe immer noch froh und munter umherlaufen und muss nicht einmal ins Krankenhaus? Nach einem Schnitt mit einem Skalpell sollte man das doch schon erwarten, oder? Schlimm ist auch die Szene, in der Williams, ausgebildeter Pilot, seinen Heli ausschalten muss und so im freien Fall Richtung Boden rast, damit der Entführer nicht mitbekommt, dass er in der Luft ist. Und wieviele Zufälle in dem Film geschehen, die insgesamt dafür sorgen, dass die Familie natürlich freigelassen wird, ist so unralistisch; immerhin haben die Entführer dieses Szenario schon vier Mal vorher durchexerziert.

Dafür gibt es aber auch sehr viel Gutes über den Film zu erzählen. So ist schon der Start berührend, als die Mutter eines entführten Jungen auf ihren Sohn trifft. Doch sie muss versprechen, niemandem etwas über die Entführer zu sagen, die sie ohne Maske gesehen hat, da sonst nämlich ihr Kleiner umgebracht wird.

Einige Zeit später haben sie dasselbe mit der Jennings-Familie vor, aber sie haben übersehen, dass Abigail starke Asthmatikerin ist und ohne ihre Medizin stirbt. Sie wird von dem eher zurückhaltend wirkenden Marvin beaufsichtigt, der der Cousin von Joe ist. Cheryl, deren Aufgabe es ist, auf William Jennings aufzupassen, ist die Ehefrau von Joe. Man merkt also schon, dass es um diese zwei Familien geht und man sieht deutlich, dass die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder untereinander schon recht verkorkst ist.

Karen und William Jennings' Beziehung scheint nicht mehr richtig zu funktionieren, sodass es der Frau ein leichtes Spiel ist, ihre Nachbarin davon zu überzeugen, dass sie nun mit Joe zusammen ist. Natürlich ist das nicht der Fall, denn Karen muss ja mitspielen, um das Leben ihrer Tochter nicht zu gefährden. Joe ist ein total durchgedrehter Mann, von ihm wird aber auch eine weiche Seite gezeigt, sodass man nicht sofort das Gefühl hat, dass er das pure Böse verkörpert. Auf der anderen Seite ist er aber wirklich böse und durchgeknallt und die Mischung ist es, die diesen Mann so gefährlich werden lässt. Ein Teil der Entführungen ist für ihn, einfach Spaß zu haben. Was bietet sich da besser an, als dass er mit ihr ins Bett gehen will?

Aber auch die Beziehung zwischen Cheryl und Joe ist nicht berauschend. In einer Szene (und wirklich nicht mehr!) wird gezeigt, dass Cheryl blaue Flecken am Körper hat. Leider wird darauf nicht mehr eingegangen, was ich mir gewünscht hätte. Aber schließlich ist dieser Fakt wohl auch mit Grund dafür, dass sie am Ende sehr gegen ihren eigenen Mann arbeitet. Ein anderer ist der, dass William, ein Top-Arzt, sie gefoltert hat, indem er ihr etwas injiziert, was sie vollständig lähmen lässt.

Erst einmal dahin zu kommen, hat aber wirklich lang gedauert. Bis dahin gibt es natürlich einige Fluchtversuche, die allesamt schief gehen. Was auf jeden Fall zu erwähnen ist, ist die Tatsache, dass Marvin selbst ein Familienmitglied verloren hat und deshalb sehr behutsam mit Abigail umgeht. Er ist der Böse und überhaupt der Charakter, den man am liebsten ins Herz schließt, was sich aber zu seinem Nachteil auswirken soll. Denn wie der Regisseur im Audiokommentar sagt, Marvin ist selbst Opfer. Stellt sich nur die Frage, warum er dann die ganzen Entführungen mitmacht. Ist er einfach zu schwach, um sich gegen den "genialen" Joe durchzusetzen? Selbst er hätte wahrscheinlich die Kraft aufbringen können, diesen Schritt zu tun. Aber da gibt es ja noch den wahren Grund, weshalb die Familien entführt werden und das hat viel mit Missverständnis und Rache zu tun.

Trotz oder gerade wegen der ganzen Fluchtversuche kann man sich ja schonmal überlegen, wie es die Jennings letztendlich doch schaffen. Ich habe mir gleich gedacht, dass man das über die Frau (Cheryl) versuchen muss, wie es ja auch in den meisten Filmen so ist. Auch Marvin ist ein leichtes Opfer, da er charaktermäßig der schwächste der Kidnapper zu sein scheint. Aber auch er zeigt in zwei Szenen für eine Sekunde, dass er sehr schnell reizbar ist, was sehr gefährlich für das kleine Mädchen ist.

Hervorzuheben sind die tollen Schauspieler des Films. Top gespielt hat Charlize Theron, die auch mal über die Grenzen hinausgeht und auch die kleinste und jüngste der Schauspieler, Dakota, hat einen wunderbaren Job getan. Sie musste es schaffen, Asthmaanfälle so authentisch wie möglich darzustellen, was ihr auch super gelungen ist. Großes Lob an die beiden. Und was ist ein Film ohne die passende Musik? In diesem Film musste das sehr gut funktionieren, da es einige Szenen gibt, in denen nicht geredet wird und die Musik dort genau auf die Charaktere eingehen musste und konnte. Allerdings ist es schwer, etwas über die Geschichte des Films herauszufinden, wenn man nur den Soundtrack von John Ottman gehört hat.

Fazit

Ein schöner und emotionaler, aber nicht perfekter und vor Logikfehlern strotzender Film, der zeigt, wie eine recht kaputte Familie wieder zueinander finden kann. Eindrucksvoll wird gezeigt, dass auch die Bösen manchmal eine gute Seele haben können.

Elsa Claus - myFanbase
09.07.2007

Diskussion zu diesem Film