Fjodor Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 11. November 1821 als Sohn des Militärarztes und Sozialmediziners Michail Andrejewitsch Dostojewski in einem Armenkrankenhaus von Moskau geboren. Er ist das zweite von sieben Kindern, sein älterer Bruder Michail Michailowitsch Dostojewski kam nur ein Jahr vorher zur Welt. 15 Jahre lebte er in Moskau, bis zu dem Zeitpunkt, als seine Mutter Maria 1837 starb. Sein Bruder und er zogen danach in die damalige Hauptstadt St. Petersburg, wo sie an der Universität ein Bauingenieurstudium begannen. In diesem Zeitraum befreundeten sie sich mit den Literaten Dimitri Grigorowitsch und Iwan Schidlowski. Dies kam daher, da man dort Lektüren von vielen Berühmtheiten lesen musste, von Cervantes bis Hugo.

Seine Zeit an der Universität war für ihn eine sehr erfolgreiche, und gute zugleich, nicht nur weil er das Studium erfolgreich im Rang eines Offiziers beendete, und schließlich auch einen Beruf als technischer Zeichner im Militärministerium erhielt, sondern auch daher, weil er so später zu seinem wahren Beruf kam, dem Schreiben. Seine Zeit an der Universität wurde lediglich durch die Ermordung seines Vaters durch einen Leibeigenen überschattet.

1844, genau ein Jahr nach seiner Einstellung im Militärministerium verließ er es auch schon wieder, um als Schriftsteller sein Geld zu verdienen. Er begann damit, seinen Roman "Arme Leute" zu verfassen, und übersetzte George Sands' "La dernière Aldini" ins Russische. Seine Karriere als Schriftsteller begann schlagartig, vor allem lag es an den guten Beziehungen, und auf Grund des einschlagenden Erfolgs seines ersten Buches. Ob seine Bekanntschaft zu dem damaligen Literaturkritiker Wissarion Belinski etwas zu dem Erfolg beigetragen hat, ist nicht gewiss. Was man aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass er in kürzester Zeit viele heute bekannte Schriftsteller persönlich kannte. Sei es Iwan Turgenjew oder Nikolai Nekrassow. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, veröffentlichte er schon 1846 sein zweites Buch "Der Doppelgänger".

Da er neben den Bekanntschaften zu Autoren auch die Gesellschaft von Sozialisten oder Anarchisten genoss, wurde er 1847 Mitglied des Petraschewski-Kreises, einem Geheimbund von Sozialisten und Revolutionären. Zu dieser Zeit las er Bücher von Theoretikern und Philosophen wie Fourier, Cabet oder Helvètius, was ihn zu seinem Buch "Die Wirtin" inspirierte. Im Jahre 1849 sollte ihm diese Mitgliedschaft zum Verhängnis werden. Aufgrund einer Denunziation, einem Verrat welcher von Belinski ausging, wurde er zum Tode verurteilt, doch wurde dieses Urteil kurz vorher vom Zaren Nikolaus I zurückgenommen. Stattdessen kam er für vier Jahre in die Verbannung, und anschließend musste er als gemeiner Soldat einen Militärdienst leisten. Am 24. Dezember, genau zur Weihnachtszeit, kam es zur Deportation nach Tobolsk, Sibirien. Die wahre Haftstrafe folgte erst einen Monat später. Vom 23. Januar 1850 bis Februar 1954 saß er in Festungshaft in Omsk. Während seiner Haft wurde seine epileptische Erkrankung diagnostiziert.

Nach seiner Verbannung wurde er zum 7. Grenzbataillon im Semipalatinsk abkommandiert, was nicht wirklich besser war als seine Haft, da diese Gegend eine Savannenregion ist. Hundert Jahre später wurde es zum Atomwaffentestgebiet der Sowjetunion. Aber seine Verbannung hatte auch etwas Gutes. Durch sie kam die Inspiration eines seiner erfolgreichsten Bücher zu verfassen: Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, welches erst 1860 publiziert werden würde.

Am 6. Februar 1957 heiratete er Maria Dimitrijewna Issajewa und beantragte wegen schwerer epileptischer Anfälle seine Entlassung aus der Armee, und eine Aufenthaltsgenehmigung für Moskau. Doch seine Entlassung erfolgte erst 1859, wo er aber auch gleich nach St. Petersburg konnte. Sein Leben wurde trotz allem beschattet, um weiteren revolutionären Gedanken seinerseits schnell Einheit gebieten zu können. Das störte ihn jedoch wenig, er schuf in der Zeit mehrere Romane von ihm.

Nach langen Überlegungen beschlossen sein Bruder und er eine Zeitschrift herauszugeben. Die erste Ausgabe von "Die Zeit" erschien 1861. Somit wurde eine gute Plattform für seine Romane geschaffen. Seine erste Publikation war "Die Erniedrigten und Beleidigten". In Folge dessen kam er wieder in den Genuss der Petersburger Gesellschaft, wo er unter anderem die damalige Vertreterin der Frauenemanzipation, Apollinaria Suslowa, kennen lernte. Diese lernte er kennen, da sie eine Mitarbeiterin von der "Zeit" war. Das Geschäft mit der "Zeit" verlief gut, und er hatte die Möglichkeit Auslandsreisen zu machen. Seine Hauptziele lagen im deutschsprachigen Raum, wie Berlin, Dresden, Köln, Wien oder Genf. Er besuchte zudem noch Paris und die Weltausstellung in London.

Das war für Dostojewski sein zweiter steiler Aufstieg, aber wer schnell nach oben kommt, fällt auch schnell tief. Zwar erschienen noch Artikel von ihm in der "Zeit", doch wird diese 1863 von den russischen Behörden verboten, da diese anscheinend einen antipatriotischen Artikel abdruckte. Doch dieser Rückfall brachte ihn nicht davon ab ein weiteres Mal ins Ausland zu fahren. Wieder die gleichen Länder. In Deutschland verfiel er der Spielsucht.

Statt sich intensiver mit dem Verfassen von Büchern zu beschäftigen, gründeten er und sein Bruder eine neue Zeitschrift. Dieses Mal hieß sie "Die Epoche". Doch sein Bruder konnte den Erfolg dieser Zeitschrift nicht lange genießen. Noch im selben Jahr, also 1864, starb sein Bruder am 10. Juli. Keine zwei Wochen später stirbt auch sein Freund Apollon Grigorjew, welcher schon als Mitarbeiter bei der Zeit tätig war. Vielleicht hätte er den Tod der beiden besser verkraftet, wenn nicht auch seine Frau drei Monate zuvor, am 14. April verstorben wäre. Somit ist das Jahr 1864 das dunkelste für ihn.

Ohne seinen Bruder, also ohne die besonderen Kenntnisse über die Führung eines Verlages, schrieb "Die Epoche" rote Zahlen, und machte 1865 schließlich Bankrott. Dostojewski begann an seinem Buch "Schuld und Sühne" zu arbeiten, welches erst ein Jahr später veröffentlicht wurde, und kommerziell erfolgreich war. Dieser kommerzielle Erfolg war für ihn überlebenswichtig, da er sich bei seiner dritten Auslandsreise in Wiesbaden ruinierte. Aber auch psychisch ging es ihm nicht mehr sehr gut. Aus Frust oder Verzweiflung machte er in einem Jahr zwei Frauen einen Antrag, eine war Apollinaria Suslowa, jedoch wurde er von beiden abgewiesen.

Obwohl er sich anstrengte schnellstmöglich Geld anzuschaffen - unter anderem ließ er einen Kurzroman innerhalb von 24 Tagen von einer Stenographin verfassen - konnte er seine Schulden nicht abbauen, und musste schließlich das Land verlassen. Endlich wurde auch ein Heiratsantrag nicht abgelehnt. Seine zweite Frau Anna Snitkina heiratete er 1867. Seine Schulden brachten ihn auch zu seinem alten Freund Turgenjew, welcher sein Leben erfolgreicher meisterte. Er hätte diesen Besuch wohl lieber sein lassen sollen, da die beiden durch diesen im Zwist auseinander gingen. Turgenjew gab Dostojewski lediglich 50 von den gewünschten 100 Rubel.

Trotz Schulden reiste er weiter in Europa und besuchte Basel, wo er ein Gemälde von Hans Holbein besichtigte. "Der tote Christus" hinterlässt einen tiefen Eindruck bei ihm und es erscheint auch in seinem nächsten Werk "Der Idiot". Dieser Roman erscheint vorerst in der konservativen Zeitschrift "Der russische Bote", und er vollendete dieses erst später, 1869.

Seine Frau Anna Snitkina gebärt zur Freude von Dostojewski sein erstes Kind, es war ein Mädchen, und sie nannten es Sofija. Diese Freude währte jedoch nicht lange. Im selben Jahr verstarb sie, und Dostojewski verfiel in Depression, was ihn auch dazu leitete, wieder in ein Spielcasino zu gehen, wo er auch noch seine letzten Ersparnisse verspielte. Er musste Frankreich verlassen, und reiste nach Italien aus. Dort gebar ihm seine Frau erneut ein Mädchen. 1869 kam seine zweite Tochter Ljubow auf die Welt. Wie aus Zauberhand begann er wieder mit dem Verfassen von eindrucksvollen Romanen. Innerhalb kürzester Zeit entstanden "Der ewige Gatte", "Die Dämonen" und "Das Leben eines großen Sünders". "Die Dämonen" werden nach und nach im "Russischen Boten" veröffentlicht, und 1871 bekommt er einen Sohn, Fjodor, geschenkt.

Seine zwei Kinder führten wohl bei ihm zum Umdenken, da er nach der Geburt von Fjodor das Spielen aufgab. 1873 nahm er dann einen Posten als Redakteur bei der Zeitschrift "Die Bürger" an, gab diesen Posten aber nach nur einem Jahr wieder auf. Nach einem kurzen Besuch in Genf am Grab seiner Tochter Sofija, erscheinen die Bücher "Der Jüngling", "Das Tagebuch eines Schriftstellers" sowie "Die Sanfte". 1875 wird sein zweiter Sohn Aljoscha geboren. Dieser starb jedoch am 16. Mai 1878. Im selben Jahr machte er einen Entwurf zu seinem wohl erfolgreichsten Roman "Die Brüder Karamasow".

Für die Ausarbeitung dieses Romans besuchte er mit dem Philosophen Wladimir Solowjow das Kloster Optina Pustyn, wo er ihm seine Vorlage zeigte. Ein Mönch namens Amwrossi inspiriert ihn zu der Figur Starez Sossima. Zunächst wurden Teile von den "Brüder Karamasow" im "Russischen Boten" veröffentlicht, doch nach einer Vorlesung des Poems vom "Der Großinquisitor kam der große Erfolg. Durch dieses Buch erlangte er den Höhepunkt seiner Karriere.

Am 28. Januar 1881 starb er in Folge eines Blutsturzes wegen eines Lungenemphysems zwei Tage zuvor. An seiner Trauerfeier nahmen über 60000 Menschen teil.

Ignat Kress - myFanbase

Bibliographie

1881Tagebuch eines Schriftstellers 1873-1881r
Originaltitel: Дневник писателя
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1881Die Brüder Karamasow
Originaltitel: Братья Карамазовы
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1877Traum eines lächerlichen Menschens
Originaltitel: Сон смешного человека
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1876Ein grüner Junge (auch: Der Jüngling)
Originaltitel: Подросток
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1873Böse Geister (auch: Die Dämonen)
Originaltitel: Бесы
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1873Bobok
Originaltitel: Бобок
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1870Der ewige Gatte
Originaltitel: Вечный муж
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1868Der Idiot
Originaltitel: Идиот
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1867Der Sanfte
Originaltitel: Кроткая
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1866Verbrechen und Strafe (auch: Schuld und Sühne)
Originaltitel: Преступление и наказание
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1866Der Spieler
Originaltitel: Игрок
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1865Das Krokodil - Ein ungewöhnliches Ereignis
Originaltitel: Крокодил
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1864Aufzeichnungen aus dem Kellerloch
Originaltitel: Записки из подполья
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1863Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke
Originaltitel: Зимние заметки о летних впечатлениях
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1862Eine dumme Geschichte
Originaltitel: Скверный анекдот
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1861Erniedrigte und Beleidigte
Originaltitel: Униженные и оскорбленные
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1860Aufzeichnungen aus einem Totenhaus
Originaltitel: Записки из мертвого дома
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1859Onkelchens Traum
Originaltitel: Дядюшкин сон
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1859Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner
Originaltitel: Село Степанчиково и его обитатели
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1857Ein kleiner Held
Originaltitel: Маленький герой
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1849Das schwache Herz
Originaltitel: Слабое сердце
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1849Nettchen Neswanowa
Originaltitel: Неточка Незванова
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1848Weiße Nächte
Originaltitel: Белые ночи
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1848Polsunkov
Originaltitel: Ползунков
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1848Weihnachtsbaum und Hochzeit
Originaltitel: Мальчик у Христа на ёлке
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1848Der ehrliche Dieb
Originaltitel: Честный вор
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1848Der eifersüchtige Gatte
Originaltitel: Чужая жена и муж под кроватью
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1848Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett
Originaltitel: Чужая жена и муж под кроватью
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1847Eine Novelle in neun Briefen
Originaltitel: Роман в девяти письмах
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1847Die Wirtin
Originaltitel: Хозяйка
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1846Der Doppelgänger: Ein Petersburger Poem
Originaltitel: Двойник. Петербургская поэма
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1846Herr Prochartschin
Originaltitel: Господин Прохарчин
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1845Arme Leute
Originaltitel: Бедные люди
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