The Good Doctor - Review des Piloten

Foto:
Foto: Freddie Highmore, The Good Doctor - Copyright: Sky Deutschland
Freddie Highmore, The Good Doctor
© Sky Deutschland

Die einen lieben Arztserien, die anderen hassen sie und ich würde mich irgendwo dazwischen einordnen. Ich schaue gerne Arztserien, wenn aber eine Neue in meinem TV-Plan aufgenommen werden will, dann muss sie schon etwas Besonderes zu bieten haben. "The Good Doctor" hat mich angesprochen, weil ich interessant fand, dass ein autistischer Arzt im Mittelpunkt des Geschehens stehen soll. Wer kennt sie nicht alle, die Götter in Weiß, die nicht nach links und nach rechts schauen und ihrem Heldenstatus frönen? Da wünscht man sich doch oft, dass mehr Ärzte mit Herz die Krankenhäuser und Praxen dieser Welt bevölkern würde! Was ist also mit einem Arzt, der weder das eine noch das andere ist: einer, der keine Empathie hat weder für sich noch für andere?

Mit Freddie Highmore wurde meiner Meinung nach der perfekte Darsteller für die Rolle des autistischen Dr. Shaun Murphy verpflichtet. Vor allem mit seinem Blick, der sehr wachsam ist, aber stets auch das Bedürfnis nach Distanz ausdrückt, konnte er mich schnell in den Bann ziehen. Nur in den Momenten, wo er vor seinem geistigen Auge sein Fachwissen durchgeht, wirkte es dann zu starrend und apathisch. Ich hoffe, dass das in den restlichen Folgen besser gelöst werden kann. Da auch schon mit Rückblenden in die Kindheit von Shaun Murphy gearbeitet wird, lernt man die Hauptfigur schon sehr gut kennen. Auch sein jüngeres Ich wird sehr intensiv dargestellt, so dass man insgesamt eine sehr enge Beziehung zur Figur des jungen Arztes aufbauen kann. Die Rückblenden bieten aber auch sehr viel Erzählstoff und lohnen sich sicherlich auch für weitere Folgen und auch für andere Lebensjahre von Shaun. Die Frage ist eben, wie die Serie verfahren wird: ob sie sich in Zukunft mehr auf den Krankenhausalltag mit Fällen der Woche konzentriert oder ob wirklich Shaun Murphy der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist und er daher in all seinen Facetten ausgearbeitet werden kann.

Die Einführung der anderen Figuren – gar nicht mal so wenige – lassen eher vermuten, dass vor allem der Krankenhausalltag im Fokus steht. Da der Zuschauer von einigen weiteren Figuren – seinem Mentor und seinen zukünftigen Kollegen – einen Eindruck erhalten soll, bekommen alle etwas Screentime und dadurch wirken sie alle schrecklich stereotyp und oberflächlich. Da sind die zwei jungen Ärzte, die miteinander schlafen, aber der eine will eine Beziehung, die andere nicht. Dann der sehr ehrgeizige und dadurch unsympathisch überheblich wirkende Oberarzt, der die Studenten in ihrer Facharztausbildung anleitet. Was mich aber richtig kritisch macht, sind die zahlreichen Figuren, wie die Anwältin und Mitglieder des Aufsichtsrates, die das Geschehen sehr bürokratisch und politisch wirken lassen.

Da das Figurenrepertoire so groß ist, weiß ich noch nicht so recht, wie sich die Charakterentwicklung in dieser Serie gestalten soll. Da ich in "The Good Doctor" vor allem wegen des autistischen Protagonisten hineingeschaut habe, muss er für mich klar im Fokus stehen. Aber was passiert mit den anderen Figuren? So nichtssagend wie sie bisher wirken, muss da definitiv noch mehr kommen! Aber in welcher Form das geschehen könnte, ohne das alles überhastet und weiterhin oberflächlich erzählt wirkt, steht für mich noch in den Sternen.

Fazit

Der autistische Arzt Dr. Shaun Murphy bildet definitiv das Zentrum dieser Auftaktepisode und seine Geschichte ist es definitiv, die zu überzeugen und zu berühren weiß und wo man am Ende sagt: ja, den möchte ich näher kennen lernen! Freddie Highmore spielt die Rolle bereits jetzt schon großartig und ich habe große Hoffnung, dass das noch besser wird, je mehr er seine Figur darstellen darf. Aber der Rest des Piloten ist leider relativ nichtssagend und sehr oberflächlich gestaltet. Es werden zu viele Figuren eingeführt, über die einem Schnipsel hingeworfen werden und die dadurch sehr stereotyp wirken. Hier muss man ganz stark darauf achten, dass eine Balance gefunden wird, denn sonst spielt Highmore ruckzuck alle an die Wand und "The Good Doctor" könnte so zu einer x-beliebigen Arztserie verkommen, bei der wirklich nur noch die Hardcore-Fans einschalten.

Lena Donth - myFanbase

Zur "The Good Doctor"-Reviewübersicht

Kommentare