Grosse Pointe Garden Society - Review

In der Midseason 2025 ging beim US-Sender NBC die kurzlebige Serie "Grosse Pointe Garden Society" an den Start. Warum es die Serie, die ihr inzwischen bei Joyn in Deutschland streamen könnt, nicht über die ursprünglich in Auftrag gegeben 13 Episoden hinaus geschafft hat, versuchen wir an dieser Stelle zu erörtern. Achtung: Damit gehen auch Spoiler zum Finale der Staffel einher.
Die Serie "Grosse Pointe Garden Society" ansehen:
Wenn man sich einen klassischen Serien-Entwicklungszyklus von der Idee und dem ersten Drehbuch, über den Pilot bis hin zur Bestellung ansieht, dienen diese einzelnen Schritte dafür, möglichst frühzeitig festzustellen, ob eine Serie funktioniert oder nicht. In erster Linie um Kosten zu sparen hat sich das System insbesondere bei den amerikanischen Broadcast Networks in den vergangenen Jahrzehnten so entwickelt. Klassischerweise wurden auch früher schon erstmal nur 13 Episoden für eine erste Staffel in Auftrag gegeben und bei Erfolg dann eine sogenannte Back Nine Order ausgesprochen, um eine erste Staffel auf die vollen 22 Episoden zu bringen. Im Fall von "Grosse Pointe Garden Society" war das vermutlich schon von Beginn an nicht mehr so geplant, da die Serie erst in der Midseason, also im Februar 2025, an den Start ging und man für den Programmplan bis zum Sommer dann keine 22 Episoden mehr benötigt hat. Die Serie hatte also nur 13 Episoden Zeit, ihr Publikum zu finden und das Staffelmysterium befriedigend abzuschließen. Warum ihr das in mehrfacher Hinsicht nicht gelungen ist, hat verschiedene Ursachen.
Die Story

© 2024 NBCUniversal Media, LLC
"Grosse Pointe Garden Society" spielt wie der Titel bereits verbildlicht in einem Gartenverein eines noblen Ortes in Michigan. Im Fokus der Handlung stehen dabei insbesondere vier Mitglieder dieses Vereins: Catherine (Aja Naomi King), Brett (Ben Rappaport), Alice (AnnaSophia Robb) und Neuzugang Birdie (Melissa Fumero). Diese vier verbindet ein gemeinsames, blutiges Geheimnis, das über den Verlauf der Staffel für das Publikum gelüftet wird; eine schicksalhafte Nacht, zu der immer wieder in Flashforwards geschnitten wird, welche uns immer mehr Puzzleteile liefern, was tatsächlich passiert ist. So weit so gut. Aber es ging wahrscheinlich nicht nur mir so, dass man sich durch Hauptdarstellerin Aja Naomi King auch immer wieder an "How to Get Away with Murder" erinnert gefühlt hat. Diese Whodunnit-Dramen gab es in den vergangenen Jahren immer mehr und sie wurden mehr oder weniger erfolgreich - "How to Get Away with Murder" und "Only Murders in the Building" sind positive Beispiele, "Death and other Details" und nun auch "Grosse Pointe Garden Society" finden sich da eher auf der negativen Seite wieder. In diesem Fall ist es nicht nur King, die den Vergleich mit "How to Get Away with Murder" hervorruft. Auch die Stimmung und die düstere Farbgebung der Flashforwards erinnern sehr stark an die ABC-Serie, doch leider kann die NBC-Produktion in diesem Vergleich einfach nicht mithalten.
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An sich fand ich die Idee nicht schlecht, die Ereignisse mit Zeitsprüngen zu erzählen. Um zwischen den beiden Zeitpunkten hin und her zu springen, wurden diese auch ganz amüsant und kreativ schriftlich ins Bild eingebunden. Dennoch hat man es manchmal verkompliziert, beide Ebenen sauber voneinander zu trennen, weil man auch inhaltlich immer wieder Verknüpfungen gesucht hat, indem man die Handlung auf die gleichen Charaktere gelegt hat oder die Erklärung für das Verhalten in der Zukunft durch Ereignisse in der Vergangenheit gesucht wurden. Was raffiniert sein sollte, machte die Trennung manchmal unnötig kompliziert, da die Flashforwards sich nicht alleine auf das blutige Ereignis konzentrierten, sondern auch ein bisschen drumherum erzählten. Das hätte man sich dann vielleicht einfach für die Haupthandlung als Erklärung aufsparen sollen, als in der Zukunft mal hier und mal dorthin zu springen. Es hätte dem Verständnis sicher besser getan, wäre man hier bei einer chronologischen Erzählung geblieben (also durchaus mit Flashforwards, aber nicht so durcheinander).

© 2024 NBCUniversal Media, LLC; Sally Montana/NBC
Je näher wir dann der Nacht und dem blutigen Ereignis kommen, desto klarer wird das Bild, was passiert ist und warum sich die vier Hauptfiguren nun in dieser misslichen Lage befinden. Man spart sich die Auflösung nicht einmal bis zum Finale auf, sondern nutzt die letzten Episoden dafür, zu erzählen, wie es nach dieser Nacht weitergeht und warum sie gewisse Entscheidungen so getroffen haben, wie sie sie getroffen haben. Und damit war dann auch die Luft raus. Man hat hier sogar noch versucht, einen Cliffhanger für eine mögliche zweite Staffel aufzubauen, aber nicht einmal der hat wirklich Interesse bei mir hervorgerufen. Stattdessen habe ich es eher bedauert, dass man es nicht einmal geschafft hat, die Geschichte dieser ersten Staffel ordentlich zu Ende zu bringen.
Die Charaktere
Für mich ist eins der größten Mankos, wenn man sich mit den Hauptfiguren einer Serie nicht identifizieren kann. Also wenn es nicht mal eine Person gibt, mit der man mitfiebert, deren Schicksal einem nicht egal ist. Wenn sich auch nach einigen Episoden nicht herauskristallisiert hat, warum es einen überhaupt interessieren sollte, was die Auflösung des Geheimnisses ist... Diese Gleichgültigkeit ist das, was einen an einer Serie nervt und warum man dann auch einfach nicht mehr einschaltet. Man vermisst nichts, was einem egal ist. So erging es mir leider mit "Grosse Pointe Garden Society". Es gab vielleicht hier und da einen Lichtblick, warum ich mir dann tatsächlich alle 13 Episoden angesehen habe, aber meist wurden die spätestens in der darauffolgenden Episode wieder zunichte gemacht. Hatte man mal Mitgefühl für eine Figur, hat sie sich in der nächsten Folge wieder durch irgendein Verhalten ins Abseits manövriert. Und so blieb dann leider der fade Beigeschmack hier seine Zeit damit verschwendet zu haben, darauf zu hoffen, dass der Funken zu einer der Hauptfiguren doch noch überspringt.

© 2024 NBCUniversal Media, LLC; Daniel Delgado/NBC
Bei Catherine wurde bspw. die Nebengeschichte mit der Affäre aufgespannt, die viel zu schnell in sich zusammenbrach und deren Folgen für die Familie minimal waren, da es ihrem Mann egal zu sein schien. Hier hätte mich mir viel mehr Aufarbeitung gewünscht, denn möchte man wirklich in einer Ehe bleiben, wo einem so etwas mehr oder weniger kommentarlos verziehen wird? Das ist doch genau die Gleichgültigkeit, die sie in erster Linie in diese Affäre getrieben hat. Stattdessen versuchte man gleich die nächste Storyline für sie anzuschließen, dass sie als Maklerin nun auf eigenen Füßen stehen möchte, dann aber auch noch das komplizierte Verhältnis zu ihren Eltern in den Fokus rutschte. Das wirkte die ganze Zeit so, als wüsste man nicht wohin mit ihr, weil man sich nicht die Zeit nahm, tiefer einzusteigen. Und das setzte sich bei den anderen Hauptfiguren leider so fort. Alice möchte als Autorin mit ihrem Künstler-Ehemann nach New York ziehen und finanziert sich das Leben so lange als Lehrerin in einer Privatschule. Die Ermordung ihres Hundes wirft sie verständlicherweise aus der Bahn und man kann es mehr oder weniger rational finden, wie sie daraufhin beginnt, jeden zu verdächtigen, dahinter zu stecken. Das geht soweit, dass es sie ihren Job kostet, doch dann verschwindet diese Geschichte plötzlich bis zum Finale, da es dann darum geht, dass ihre böse Schwiegermutter ein Enkelkind verlangt und damit die Beziehung zu ihrem Ehemann ins Wanken gerät. Die Ideen werden nicht durchgezogen oder teilweise Entscheidungen im Off getroffen, so dass sie für das Publikum nicht nachvollziehbar sind und dann vielleicht erst in einem zukünftigen Flashforward eine Auflösung finden. Dadurch ist es mir unglaublich schwer gefallen, mich mit den Problemen der Figuren zu identifizieren oder irgendwas wie Mitgefühl zu empfinden. Jedes für sich hätte sicherlich funktioniert, aber die Aneinanderreihung der vielen Themen fühlte sich oft so an, als müsse man jetzt noch schnell einen Haken schlagen, um eine zukünftige Entscheidung zu begründen.

© 2024 NBCUniversal Media, LLC; Mark Hill/NBC
Ich meine, was erwartet man auch, wenn die Geschichte in einem von Oberflächlichkeiten geprägten Gartenverein spielt? Die Serie strotzt nur so von Stereotypen und überzeichneten Figuren. Warum müssen die Frauen Blümchenkleider tragen, perfekte Frisuren und Maniküren haben und dann auch noch Tagesdecken quilten? Fast alle fahren einen schwarzen Cadillac und leben in den typischen Villen mit ihren weißen Lattenzäunen. Mehr reiche Vorstadt-Klischees ließen sich hier nicht mehr finden. Und dabei hat man versucht, das aufzubrechen, indem man mit Brett einen finanziell weniger gut gestellten, alleinerziehenden Vater und passionierten Gärtner in die Geschichte eingebunden hat oder durch Birdie eine wohlhabende Frau nach einem Autounfall ihren Sozialdienst dort ableistet. Während Brett sich in eine Fehde mit dem neuen Ehemann ihrer Ex begibt, will Birdie Sünden aus der Vergangenheit begleichen, indem sie mit ihrem Sohn Kontakt aufnimmt, den sie als Baby zur Adoption freigab. Doch dabei bleibt es nicht, sie beginnt auch noch eine Affäre mit dessen Vater, die über weite Teile nur zum Kopfschütteln einlädt. Auch das liegt vor allem daran, dass man sich hier keine Zeit nimmt, zu erklären, wie es soweit kommt. Es wird einfach an möglichst vielen Strippen gezogen, um alle möglichen vermeintlich spannenden Storylines zu präsentieren, aber keine wird richtig durchgezogen. Damit bleibt man bei vielem so oberflächlich wie die Charaktere auf den ersten Blick wirken. Wir sehen zwar panische Gesichter, Wut und Trauer, aber das verpufft immer wieder und wir sehen nicht, wie sich die Figuren daraus weiter entwickeln. Es hätte so viel Potential gegeben, aber in vielem sabotieren sich die Charaktere immer wieder selbst, was dann auch wieder zu dem Unverständnis für ihre Situation und dem mangelnden Mitgefühl meinerseits führt.
Die Umsetzung
Man konnte nicht erkennen, was die Serie eigentlich sein wollte. Ein geheimnisvolles Drama, wie es die Flashforwards, die Panik und das Blut suggerieren sollten, eine kitschige Soap, wie es die überzeichneten (Neben-)Charaktere und ihre Interaktionen andeuteten, oder eine düstere Komödie, da vieles so überspitzt dargestellt wurde, das man sich manches Mal fragte, ob das tatsächlich ihr Ernst ist oder man jetzt lachen sollte. Mit den Flashforwards hätte man viel mehr Spannung aufbauen können und in den ersten Episoden machte es auch den Eindruck, dass man das vorhatte, aber wie bereits beschrieben, wollte man da vielleicht zuviel. Statt Puzzleteilen kamen hier ganze Erklärungsversuche und dann ist es meist so, wie es immer ist: Wenn man Mist gebaut hat, ist es auch schon zu spät, noch eine Begründung dafür nachliefern zu wollen. Das macht es dann auch nicht mehr besser...

© 2025 NBCUniversal Media, LLC; Mark Hill/NBC
Und so ist es letztendlich dann auch mit der Auflösung des Falls: Was als großer Aha-Effekt geplant war, verpuffte innerhalb weniger Minuten. Der vermeintliche Mord war ein Unfall und wäre in meinen Augen sicherlich auch von den Ermittlungsbehörden so bewertet worden. Aber gerade, weil man sich danach so abstrus verhalten hat, wurde man erst verdächtig. Das spiegelt für mich wider, was man auch schon bei der Charakterentwicklung gesehen hat, dass man nie so recht festlegen wollte, wohin man eigentlich mit der Figur oder eben diesem Mysterium der Staffel hin wollte. Ob man hier schon zu sehr an eine vermeintliche zweite Staffel gedacht hat? Man wollte sich vielleicht noch zu viele Optionen offen halten. Und das war in meinen Augen inkonsequent und wurde bestraft.

© 2025 NBCUniversal Media, LLC; Matt Miller/NBC
Es ist für mich also kein Wunder, dass die Serie beim Publikum nach einem guten Start schnell die Einschaltquote verloren hat. Dann wurde in den USA auch noch der Ausstrahlungszeitpunkt vom starken Sonntagabend auf den deutlich schwächeren Freitag gewechselt und damit war das Schicksal dann eigentlich auch schon besiegelt. Die Konkurrenz ist für die TV-Sender heutzutage auch durch den wachsenden Streamingmarkt einfach zu groß, um sich mittelmäßige Produktionen zu leisten. Um das Publikum wöchentlich an den Bildschirm zu fesseln, muss man entweder mit Qualität überzeugen oder es nicht zu kompliziert machen, der Handlung zu folgen, auch wenn man mal eine Episode verpasst hat. Beides hat man mit "Grosse Pointe Garden Society" leider nicht geschafft.
Das Potential

© 2025 NBCUniversal Media, LLC; Mark Hill/NBC
Die Prämisse war eigentlich so gut: Gartenclub + "Mord". Das schreit für mich nach einem guten (englischen) Krimi, bei dem man bis zur letzten Seite wie gebannt miträtselt, wie das passieren konnte oder wer hinter einem Mord steckt. Auch die Besetzung von "Grosse Pointe Garden Society" war mit Fumero, King, Robb und Rappaport hervorragend - ergänzt durch bekannte Gesichter unter den Nebenfiguren. Meines Erachtens nach, waren sie mit ihren stereotypen Figuren und den inkonsequenten Storylines nur komplett unterfordert und vielleicht wirkte die schwache Charakterentwicklung deswegen auch so überzeichnet, weil sie in das bisschen, was da war, alles reinstecken wollten, was sie anzubieten haben. Letztendlich hat mich auch die Ästhetik der Serie überzeugt, man fühlte sich wirklich wie in einer noblen Kleinstadt und an Kulisse und auch technischer Umsetzung wie dem düsteren Color Grading für die Flashforwards wurden nicht gespart. Schade, dass man aus diesen guten Grundlagen nicht mehr herausholen konnte.
Fazit
Leider kann ich absolut nachvollziehen, warum "Grosse Pointe Garden Society" beim Publikum und damit auch beim Sender NBC durchgefallen ist. Die inkonsequente Charakter- und Storyentwicklung gepaart mit dem Wunsch, die Handlung ganz besonders raffiniert zu präsentieren, sind leider voll nach hinten losgegangen. Man wusste zu keinem Zeitpunkt so richtig, wo die Serie eigentlich hin will oder was sie sein soll, dabei hatte man durch die in den Flashforwards angeteaserte blutige Nacht ja einen fixen Punkt vor Augen. Schade, dass man nach den 13 Folgen nicht das Gefühl hat, hier wenigstens eine in sich runde Sache präsentiert bekommen zu haben, denn so offen hätte es nicht enden müssen.
Die Serie "Grosse Pointe Garden Society" ansehen:
Catherine Bühnsack - myFanbase
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Kommentare
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Aktuelle Kommentare
01.03.2026 14:49 von Daniela
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Ja, wird es. Kann allerdings noch ein bisschen dauern. :) mehr

04.03.2026 18:28 von Catherine
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Also dieser Hau-Drauf-Humor mit dem Durchfall oder zu... mehr