Bewertung: 8
Paolo Nutini

Paolo Nutini live in Heidelberg

Mit seiner charismatischen Stimme und dem eingängigen Debüt-Album „These Streets“ hat Paolo Nutini nicht nur reichlich Fan-Herzen im Sturm erobert, er wird von vielen Radiosendern sogar als „Shooting Star“ des Jahres gehandelt. Und diesem Titel wird der schottische Jungspund auch im wahrsten Sinne des Wortes gerecht, denn sein Auftritt im Heidelberger Karlstorbahnhof lässt wirklich keine Wünsche offen.

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Dicht gedrängt wartet das bunt gemischte, aber erwartungsgemäß überwiegend weibliche Publikum auf den momentan wohl begehrtesten 19-Jährigen der Musikbranche. Die Stimmung ist freudig gespannt, wenn auch ein klein wenig getrübt durch die schlechte Belüftung der Location, die bereits vor Konzertbeginn das erste Ohnmachtsopfer fordert. Als sich hinter der Bühne dann endlich etwas zu regen scheint, ist die Entzückung in den vorderen Reihen dementsprechend groß, doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Denn bevor Frauenschwarm Paolo Nutini die Gelegenheit bekommt, die Herzen des Publikums zum Hüpfen zu bringen, darf zunächst noch der "Special Guest" des Abends die Aufmerksamkeit für sich beanspruchen.

Dieser trägt den Namen Declan O’Rourke und gibt in der nächsten halben Stunde mit Gitarre in der Hand und Mundharmonika in Reichweite ein schönes Akkustik-Set zum Besten. Dem Publikum scheinen solche herrlich unaufgeregten Singer/Songwriter-Stücke wie "Sarah" oder "Galileo" sehr gut zu gefallen, was den hierzulande noch recht unbekannten irischen Folkbarden offensichtlich sehr erfreut, da er zwischen den Songs stets fleißig Komplimente an die Zuhörerschaft verteilt. Nachdem dieser schließlich unter tosendem Applaus wieder die Bühne verlassen hat, macht sich allmählich eine gewisse Ungeduld breit.

Doch nach einer an Nerven und Kreislauf zehrenden Soundcheck-Pause bekommt das Publikum endlich auch den Haupt-Act des Abends geboten. Paolo Nutini wirkt mit seinem Wuschelkopf auf den ersten Blick so, als wäre er soeben aus dem Bett gestiegen. Auch sein unverständliches Gemurmel ins Mikro erweckt diesen Eindruck, der jedoch sogleich durch die mitreißende Performance von "Alloway Grove" revidiert wird. Was den Zuschauern sofort auffällt, ist dass der junge Mann auf der Bühne jeglichen Blickkontakt mit dem Publikum zu meiden scheint. Stattdessen verliert er sich vollkommen in der Musik. Während das Gesicht meist dem Boden zugewandt und die Augen geschlossen bleiben, scheint der Rest seines Körpers jeden einzelnen Ton und jeden Beat förmlich zu leben.

Die Ballade "Rewind" trägt er mit zerbrechlicher Stimme so wundervoll emotional vor, dass einem fast Tränen in die Augen schießen. Spätestens bei seiner elektrisierenden Performance von "New Shoes" erinnert er an den meist leidenschaftlich zappelnden und zuckenden Altmeister Joe Cocker. Doch die beiden Herren haben nicht nur ein recht ungewöhnliches Bühnengebaren und eine unverwechselbare Stimme gemeinsam, sondern auch ihre Vorliebe für gewagte, aber schlicht großartige Cover-Versionen. So traut sich Paolo Nutini an den Klassiker "Daydream" von The Lovin’ Spoonful sowie Moby’s "Natural Blues" und flößt ihnen seinen ganz besonderen schottischen Charme ein.

Auch das ganz große Highlight des Abends stellt nicht etwa einer der herausragenden Album-Tracks "These Streets", "Jenny Don’t Be Hasty" oder "Last Request" dar, sondern die famose Interpretation des internationalen Chart-Hits "Crazy" von Gnarls Barkley. Diese setzt gleichzeitig auch den Schlusspunkt unter eine Show, die zeigt, dass ein junger Mann, dem der Rummel um seine Person fast unangenehm scheint, auch ohne die Entertainer-Qualitäten eines Robbie Williams den Weg in die Herzen des Publikums finden kann. Und diesen wird Paolo Nutini mit Sicherheit auch weitergehen, denn mit einer derartigen Stimme und solch wundervollen Songs sollte ihm die Musik-Welt eigentlich schon längst zu Füßen liegen.

Paulina Banaszek - myFanbase
09.11.2006