Bewertung: 8
Tomte & Sir Simon Battle

Tomte & Sir Simon Battle, Mannheim 11.10.06

Die Hamburger Band Tomte macht auf ihrer Herbsttour Station in Mannheim und liefert einen Auftritt ab, der einer Märchenstunde gleicht. Ein Abend voller spannender Geschichten über die kinderzarte Haut von "The Hives", Adam Greens Partyhunger und verschollene "The Streets"-CDs, untermalt von Musik, die ebenfalls wundervolle Geschichten zu erzählen weiß.

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In der Regel stellt die Zeit vor Konzertbeginn für die meisten Besucher Momente fast unerträglicher Warterei auf den heiß ersehnten Auftritt dar. Bei Konzerten der Band Tomte scheinen diese Augenblicke jedoch zu den absoluten Highlights des gesamten Abends zu gehören. Dies ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, um was für einen begnadeten Geschichtenerzähler es sich bei Sänger Thees Uhlmann handelt. Denn anstatt mit ungenießbarer Lautsprechermusik oder nervigen Soundchecks gequält zu werden, bekommt das gierig wartende Publikum eine exklusive Diashow geboten. Mit dem obligatorischen Weinglas in der Hand präsentiert der kreative Kopf der sympathischen Hamburger den gespannten Zuschauern Bilder aus den vergangenen Monaten und gewährt ihnen einen sehr persönlichen Einblick in das verrückte Tourleben der Band.

Mit seinem einzigartigen Charme und dem scharfzüngigen Witz eines Berufskabarettisten zieht Thees Uhlmann auf Anhieb das gesamte Publikum auf seine Seite. Seine lustigen Anekdoten über diverse Festivals, unvergessliche Begegnungen mit einem leicht angetrunkenen Adam Green und enttäuschten schwedischen Fußballfans mit beneidenswert glatter Haut, ernten nicht nur unzählige Lacher, sondern lassen die meisten auch fast vergessen, dass sie eigentlich auf ein Tomte-Konzert warten. Doch bis es dazu kommt, erleben die Zuschauer noch eine weitere, sehr angenehme Überraschung.

Die deutsche Newcomer-Band "Sir Simon Battle" (nicht zu verwechseln mit dem Star-Dirigenten Sir Simon Rattle) weiß als Vorgruppe nämlich nicht minder zu überzeugen wie Thees Uhlmann als Geschichtenerzähler. Trotz der spürbaren Nervosität und Aufregung vor ihrem Auftritt spielen sie sich mit ihrem rockigen, aber doch sehr melodischen Indie-Pop unmittelbar in die Herzen des Publikums. Darüber hinaus sammelt Sänger Simon durch seine leicht verpeilte und chaotische Art zusätzlich Sympathiepunkte. Vielleicht lässt sich der große Andrang auf die Merchandising-CDs der Band später auch dadurch erklären, dass bei der eigenhändigen Brennaktion aus Versehen ein "The Streets"-Album in eine der Sir Simon Battle-Hüllen geraten ist. Für wesentlich wahrscheinlicher halte ich jedoch, dass so eingängige Songs wie "Nine to Five" und "Safety First" den Konzertbesuchern schlicht Lust auf mehr gemacht haben.

Nach der äußerst gelungenen Performance der Support Band scheint die Stimmung genau richtig für den Auftritt der wahren Protagonisten des Abends. Lange lassen Tomte dann auch nicht mehr auf sich warten und starten sogleich mit einer wundervollen Version von "Was den Himmel erhellt", die nicht nur die Buchstaben über der Stadt, sondern auch die Augen des Publikums zum Leuchten bringt. Dieses wirkt anfangs noch recht reserviert und man bekommt den Eindruck, dass die Menschen die Musik einfach nur in aller Stille genießen möchten. Zwischen den Songs wird wenig geredet, sondern vielmehr mit Spannung das nächste Lied erwartet oder gebannt Thees’ Worten gelauscht, der es selbstverständlich nicht versäumt auch während dem Konzert die ein oder andere interessante Geschichte zu erzählen. So schwelgt er vor "Walter und Gail" zum Beispiel in Erinnerungen an seinen lieben Onkel Walter aus Detroit, der ihm dort mal das Geburtshaus von Eminem zeigte.

Mit Songs wie "Schreit den Namen meiner Mutter" oder "Norden der Welt" schaffen es Tomte dann schließlich doch noch, jeden Einzelnen mit sich zu reißen, so dass zunehmend gewippt, geklatscht und mitgesungen wird. Bei "Ich sang die ganze Zeit von dir" taut das Publikum dann vollends auf und stimmt lauthals mit ein. Spätestens bei "Die Schönheit der Chance" wird endgültig deutlich, dass Tomte-Fans die ehrlichen, aus dem Leben gegriffenen und doch so poetischen Lyrics sehr gut verinnerlicht haben, da sie es gemeinsam mit Thees spielend a cappella singen können. Zum Leidwesen des hingerissenen Publikums, verklingt irgendwann aber auch die letzte Zugabe. Was bleibt, sind die Geschichten. Und die Erinnerung an ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art!

Paulina Banaszek - myFanbase
28.10.2006