Florence + The Machine

Florence + The Machine in der Stadthalle, Wien

Falls es Waldfeen gibt, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass Florence Welch in direkter Linie von ihnen abstammt. Nicht anders ist es zu erklären, wie jemand mit solch zauberhafter Eleganz einen Abend lang ununterbrochen über die Bühne wirbeln kann, dabei jeden einzelnen Ton hält und darüber hinaus auch noch wie die liebenswerteste Person auf dem ganzen Planeten wirkt.

Foto: Florence + The Machine, 2015 - Copyright: Universal Music
Florence + The Machine, 2015
© Universal Music

Die Wiener Stadthalle ist seit Monaten restlos ausverkauft, der Tonfall der Fans, die im Internet nach Karten suchen, wird in den letzten Tagen vor dem Konzert immer verzweifelter – man kann es ihnen nicht verübeln: Der Ruf, der Florence vorauseilt, ist der einer unglaublichen, alles und jeden einnehmenden Bühnenpräsenz. Als Indie-Act angefangen, gehört sie, die sich vom Ruhm keinen Zentimeter hat verbiegen lassen, mittlerweile zu den ganz großen Damen des britischen Pop, sie ist sozusagen eine "Queen of Peace", wie ihr mehrere gebastelte Schilder mit Bezug auf den gleichnamigen Song bescheinigen.

Und wie eine Königin wird sie auch empfangen, als sie pünktlich um 20:30 Uhr die Bühne betritt – barfuß und in ein riesiges, rosarotes Rüschenkleid gewandet, das man normalerweise in einschlägigen Zeitschriften in der Rubrik "No-Gos" finden würde. Das ist nur eine der vielen erstaunlichen, skurrilen Tatsachen an diesem Abend: An Florence Welch sieht es nicht komisch oder altmodisch aus – genauso wie die vielen pathetischen Gesten, das In-der-Luft-Herumgefuchtel-zur-Musik und die Tanzeinlagen, die bei jedem anderen übertrieben, aufgesetzt und too much wirken würden, bei ihr völlig natürlich rüberkommen. Man nimmt ihr alles ab, als Teil und Ausdruck ihrer außergewöhnlichen, exzentrischen Persönlichkeit.

"What the Water Gave Me" fungiert als perfekt gewählter Opener, der sich langsam steigert, vom ersten Moment an für Gänsehaut und mystische Stimmung sorgt – während Florence bereits hier und im Verlauf des nächsten Songs, dem großartigen "Ship to Wreck" vom aktuellen Album "How Big, How Blue, How Beautiful", ihre Ausdauer und Präsenz unter Beweis stellt: Unermüdlich fegt sie letztendlich den ganzen Abend lang von einem Bühnenende zum anderen, dreht sich, tänzelt und schwebt zugleich – ohne einen einzigen Ton auszulassen, geschweige denn ihn falsch zu singen. Nur wenn sie zum Publikum spricht, ist sie zuweilen außer Atem – beim Pirouetten-Drehen-und-gleichzeitig-Singen ist ihr nicht die geringste Anstrengung anzumerken.

Zwar ist der Sound dank der perfekt ausgestatteten Begleitband und vor allem den bestens aufgelegten Background-Sängerinnen wirklich atemberaubend und imposant – letztlich sind es jedoch die intimen Momente, die Florence mit ihren Fans teilt, die den Abend so besonders machen: Bei "Rabbit Heart (Raise It Up)" zeigt sie, dass sie wahrlich ein Star zum Anfassen ist – die Hälfte des Songs singt sie weit über die Absperrung gelehnt, während ihr all die "beautiful girls" wieder und wieder Blumenkränze reichen oder gar Blumenkränze aufsetzen, sodass sie am Ende gar nicht mehr weiß, wohin damit.

Vor "Third Eye" bittet sie das Publikum, endlich mal alle Handys wegzustecken, bevor sie sich wie ein kleines Mädchen über ein kunstvoll gemaltes Plakat mit der Aufschrift "We can see you through our third eyes" freut – ganz ähnlich ist ihre Reaktion später, als man ihr eines der oben erwähnten "Queen of Peace"-Schilder überreicht. Als "Shake It Out" schließlich Wort für Wort lautstark mitgesungen wird, fällt es ihr schon schwer, ihre Rührung in Worte zu fassen. Auch dafür, dass sie dies alles nicht für selbstverständlich nimmt, muss man sie einfach gern haben – genauso wie für die Tatsache, dass sie mehrmals verschmitzt lächelnd erzählt, dass der folgende Song mit einem "hangover" entstanden sei; zumal es erstaunlich ist, wie die Frau in solch einem Zustand solch hymnische Songs schreiben kann.

Und hymnisch wirken sie allemal an diesem Abend – die Songs vom aktuellen Album (Highlights: "How Big, How Blue, How Beautiful", "Delilah") genauso wie die der ersten beiden Alben. Nach dem Hit "You've Got the Love" wird es Zeit, zu "Dog Days Are Over" richtig hippie-mäßig auszurasten – Florence fordert das Publikum erst auf, den Stehnachbarn zu umarmen, dann, ein Kleidungsstück auszuziehen und über dem Kopf zu wirbeln. Viele kommen nur zu gern ihrer Bitte nach, der Rest hüpft zumindest wie ein Gummiball auf und ab – und für einen kurzen Moment liegt tatsächlich ein Hauch von Woodstock in der Luft. Dass sich die Band danach das erste Mal von der Bühne verabschiedet und man somit nun mehr den Zugabenteil vor sich hat (das herrlich nach vorne rockende, mit Trompeten verzierte "What Kind of Man" und den "Drumming Song"), kommt für die meisten - eh klar – viel zu früh. Als das Licht wieder angeht, stehen an die 16000 Leute wie verdattert und aus einem schönen Traum erwacht da – und erkennen: Es lag nicht ein von Hauch von Woodstock in der Luft, sondern Feenstaub.

Setlist
What the Water Gave Me / Ship to Wreck / Bird Song Intro / Rabbit Heart (Raise It Up) / Third Eye / Sweet Nothing (Calvin Harris Cover) / Delilah / Shake It Out / How Big, How Blue, How Beautiful / Cosmic Love / Long & Lost / Mother / Queen of Peace / Spectrum / You've Got the Love / Dog Days Are Over
Zugabe: What Kind of Man / Drumming Song

Artistpage
FlorenceAndTheMachine.net

Stephanie Stummer - myFanbase
03.05.2016