The Raveonettes

The Raveonettes im Rockhouse, Salzburg

"Das nächste Mal bitte weniger laut", ruft der Typ, der trotzdem die ganze Zeit abgegangen ist, als wäre er auf einem Rave. Zwei von drei Mal liegt er falsch: Wer ja zu Retro-Pop sagt, muss nicht nein zu zittrigen Noise-Wänden und flirrenden Feedbacks sagen. Und: Wir sind hier nicht auf einem Rave, sondern bei den Raveonettes, deren Musik uns nicht das Loveparade-Gefühl einflößt, sondern in Zeiten zurückversetzt, in denen es um das richtige Motorrad, die richtige Lederjacke und die perfekt sitzende Frisur ging. Aber: Abgehen kann man dazu natürlich genauso.

Foto: The Raveonettes - Copyright: Beat Dies Records/Alive
The Raveonettes
© Beat Dies Records/Alive

Die Raveonettes selbst geben ja ohnehin ein tolles, zeitloses Bild ab: Sharin Foo ist das Retro-Barbiepüppchen, deren Wangen sich im Verlauf des Abends immer mehr röten; Sune Rose Wagner scheint der Thurston Moore des Pop zu sein, mit den strategisch hochgekrempelten T-Shirt-Ärmeln und der Baseballkappe auf dem Kopf sieht er kaum älter aus als Nachbars Junge, der soeben den Führerschein gemacht hat – kaum zu glauben, dass beide heuer vierzig werden, Wagner zudem gerade eine Entziehungskur hinter sich hat.

Zumindest auf der Bühne scheinen alle Zahnrädchen ineinander zu greifen: Es ist das Zusammenwirken von ihrem überraschend warmen Zwiegesang, Wagners dynamischem Gitarrenspiel und dem Mut zu den bereits erwähnten Noise-Elementen, das ihre Songs live letztendlich zu mehr macht als zu Musik, die bloß "cool" und "Vintage" sein will.

So wie die Vocals im Grunde zurückhaltend sind, sind es die Dänen auch bei ihren Ansagen: Selten wenden sie sich direkt an das Publikum, wenn, dann ist es Sharin, die beinahe schüchtern, aber umso reizender mit einem Lächeln darauf hinweist, dass es gleich "oldschool" zugehen werde. Dann folgt eine derbe krachende Version von "Attack of the Ghost Riders", die bereits die ersten aufjuchzen lässt.

Richtig warm gespielt haben sich die beiden und ihr Tour-Drummer schließlich bei "Love In a Trashcan" – noch immer einer ihrer besten Songs, herrlich dreckig gespielt und viel zu schnell wieder vorbei. Zwischen dem älteren Material stechen die Songs des aktuellen Albums "Observator" etwas hervor: "Young and Cold", "Curse the Night" und "The Enemy" beinhalten weniger Surf- und Garagenrock-Elemente, sind zwar genauso düster-melancholisch, speisen ihre Energie aber mehr aus Hall, Shoegaze und sonstigem verzerrten Zeugs – ohne jeglichen Pop-Appeal einzubüßen. Mit Fortschreiten des Konzerts stapeln Foo und Wagner einander zulächelnd sowieso mehr und mehr Soundschichten übereinander und quälen die Besucher-Ohren mit Feedbacks – Vorbilder wie The Jesus And Mary Chain lassen herzlich grüßen.

Nach exakt eineinviertel Stunden inklusive Zugabe, also viel zu früh, räumen sie das Feld – und lassen uns verknallt zurück. Verknallt in ihre hinreißende Art, ihre verträumt-düsteren Melodien, ihr Vermögen, einen in einen Rock'n'Roll-Rebellen aus den 50ern zu verwandeln.

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TheRaveonettes.com

Stephanie Stummer - myFanbase
25.02.2013