Japandroids

Japandroids in der Postgarage, Graz

"It's friday night", stellt Brian King fest, als er nach den beiden Vorbands ans Mikro tritt – nach den Tiny Terrorists, ebenfalls eine Gitarre-Schlagzeug-Kombo, die aber eher auf die Black Keys als Vorbilder zurückgreift, und nach Be Forest, einer italienischen Shoegaze-Band, die soundbedingt ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen konnte.

Foto: Japandroids - Copyright: Maoya Bassiouni/Polyvinyl Record Co.
Japandroids
© Maoya Bassiouni/Polyvinyl Record Co.

"It's friday night", brüllt er noch mal zur Bekräftigung und diesmal schwenken alle Hipster, die ich so gerne fragen möchte, ob ihre Brillen echt sind, ihre Bierflaschen und grölen euphorisch zurück. Ja, es ist Freitagabend, und ja, kaum eine Band hat verrückte Nächte und das Sich-im-Rausch-gemeinsam-unbesiegbar-Fühlen so gut auf den Punkt gebracht wie die Kanadier auf ihrem aktuellen Album "Celebration Rock".

"We yell like hell to the heavens" – für die nächsten anderthalb Stunden verwandelt sich der kleine, wirklich kleine Saal in ein Tollhaus. Obwohl sie nur zu zweit am Werkeln sind, setzen Brian King und David Prowse mehr Energie frei als so manche mehrköpfige Kollegenband. Die Sorgen, dass sich ihr euphorischer Noiserock live überschlagen und in ein lärmendes Etwas verwandeln würde, waren völlig unbegründet – wenn sich hier jemand in ein lärmendes Etwas verwandelt, dann das Publikum. Meist abwechselnd spielen sie Songs ihrer ersten EPs und vom Debüt "Post-Nothing” sowie Stücke vom aktuellen Album – um alle zufrieden zu stellen und damit sich niemand langweilt, wie King zu Beginn betont. Ja klar, als ob!

Viel zu beschäftigt ist man, sich dem Gefühl der Unbesiegbarkeit hinzugeben, wie belämmert zu Prowses hämmerndem Schlagzeug im Takt zu grinsen (ist möglich!) und verblüffend textsicher all die wunderbaren Phrasen mitzubrüllen: "Turn some restless nights to restless years" und "we're still drinking" und "we're still smoking" und natürlich: "We yell like hell to the heavens”.

Funktioniert ihr Wir-reißen-alles-in-Schutt-und-Asche-weil-nur-das-Heute-zählt-Sound auf Platte schon super, so wird er live auf engstem Raum (zusammengepfercht flippt es sich doch am besten aus!) noch mal auf ein neues Niveau gehoben: King und Prowse werfen sich unermüdlich ihre Textzeilen an den Kopf und klingen bei den obligatorischen "oh yeahs" und "allrights" nicht wie ein Duo, sondern wie das gesamte Prager Drinking-Team. Dass auch sonst so einiges auf der Bühne herumturnt, was nicht dorthin gehört, wird offenbar gern gesehen – solange der betrunkene Tölpel nur mit seinen Armen wedelt und nach einiger Zeit wieder ins Publikum hüpft.

Die mitreißenden Melodien von Stücken wie "The Nights of Wine and Roses" oder "Fire's Highway", die Poesie von "Continuous Thunder", die Kraft von "Younger Us" oder dem Gun-Club-Cover "For The Love of Ivy", die einen fast um- und in die Arme des Hintermannes bläst: Die Trophäe für das Konzert des Jahres ist leider schon vergeben, hiermit geht die Medaille für das Konzert, auf dem am meisten Unbesiegbarkeit, Energie und Überschwang in der Luft lagen, an die Japandroids.

Stephanie Stummer - myFanbase
23.09.2012