Olli Schulz

Olli Schulz in München

Die Tour läuft unter dem Namen "Ein Abend Mit Olli Schulz" und damit ist schon alles gesagt – keine Roadies, nur ein Techniker, Olli und seine vierköpfige Band machen alles selbst, sei es, Merch zu verkaufen oder das Publikum bei technischen Schwierigkeiten mit Witzen bei Laune zu halten. Und das funktioniert verdammt gut.

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Trotz Schneechaos und zahlreichen Gegenveranstaltungen (u. a. Element Of Crime in der Tonhalle) ist das Münchner Ampere schnell voll gefüllt. Alles wartet auf den Abend mit Olli Schulz, der oft und gerne in München spielt (zuletzt in der weitaus größeren Backstage Halle und dem Sonnenrot Festival). Doch es ist ein Abend durchzogen mit Pannen, Schuld an einer ist schon mal der Schnee: Durch eine siebenstündige Autofahrt, die Olli in seinem kleinen Sprinter absolviert hat, ist der Liedermacher aus Hamburg zu Recht etwas fahrig. Ständig müssen ihn die Mitglieder seiner Backup-Band (u. a. Felix Gebhardt, besser bekannt als Home Of The Lame) darauf hinweisen, was mit seiner Gitarre schief läuft. Zu allem Unglück noch dazu haben sie die CD mit dem Film, der als Vorprogramm laufen soll (eine 2006er Dokumentation der Spaßband Bibi McBenson, mit Olli Schulz als Bibi und u. a. Dennis Becker und Max Schröder von Tomte), am Vorabend in Bremen vergessen.

Andere Musiker würden sich von so vielen Missgeschicken und Unannehmlichkeiten die Laune verderben lassen, nicht so Olli Schulz. Er ist trotz allem voll in seinem Moment, freestylt wie ein Irrer und erzählt eine Anekdote nach der anderen. Dazu gehört, von Ratschlägen zu berichten, die ihm Bernd Begemann gegeben hat, oder von einer Konzertreise mit einer mittlerweile unbekannten Hardcoreband und Markus Wiebusch von Kettcar. Und während man denkt, man müsse vor lauter Lachen ersticken, haut er einem dann melancholische Songs um die Ohren – "Isabell" und "Man ist so lange einsam, bis man lernt, allein zu sein", zum Beispiel vom aktuellen Album "Es brennt so schön" oder vom ersten Album das zeitlos schöne "Weil die Zeit sich so beeilt".

Doch es sind vor allem die alten Hits, die Stimmung aufkommen lassen im vorerst so verhaltenen Münchner Publikum, das erst wenig damit anfangen kann, dass Olli Schulz für mehrere Songs alleine, nur mit Akustikgitarre, auf der Bühne steht. Es braucht ein "Wenn die Music nicht so laut wär..." und ein "Die Ankunft der Marsianer" für Begeisterungsausbrüche. Und das ist schade, denn da vorne steht nicht nur ein Witzbold, sondern ein begnadeter Musiker, der sich Fake-Tocotronic-Texte aus den Fingern saugen kann und wie nichts U2 und Tokio Hotel covert. Dennoch gibt er zu, manchmal zu sehr über die Stränge zu schlagen – und schon ist man mitten in der nächsten Anekdote, über verbale Ausrutscher in Halle oder Leipzig.

Gespielt wird über zwei Stunden – solange, bis die Besitzer des Amperes auf ein Ende der Veranstaltung plädieren, weil sie zumachen wollen. Aber es gibt so viele Songs zu spielen, dass es ewig dauert, bis Olli Schulz mit "Rückspiegel" das Konzert beendet. Seine Band ist mit Leidenschaft dabei, spielt sich durch "Geheimdienst", "Die Ankunft der Marsianer", "All You Can Eat" und "Dann schlägt dein Herz", als würde ihr Leben davon abhängen – und damit gewinnen sie mehr und mehr die Herzen derjenigen Konzertbesucher, die mit skeptischer Miene gekommen sind.

Fazit

Alle, die er bis dahin noch nicht überzeugen konnte, mit seiner Mischung aus Ulk und ernsthafter Musik, die packt er mit seinen weltberühmten Spagat bei "Was macht man nur mit diesem Jungen?". Und ganz München freut sich darauf, wenn er mal wieder dort spielt, der Olli.

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OlliSchulz.com

Simone B. - myFanbase
20.02.2010