Bewertung: 9
Joss Stone

Joss Stone am 17.08.2005 im Stadtpark Hamburg

Ungewöhnlich kalt war es an diesem Augustabend im Hamburger Stadtpark. Nicht zu kalt für das 18jährige Stimmwunder aus England, barfuss und nur in einem kurzen Hängekleidchen die Bühne zu stürmen...

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Perfekt war das Kleine-Mädchen-Image, das Joss Stone trotz ihrer gigantischen Stimme durch ihre zierliche Erscheinung verkörpert. Begleitet von einem circa zehnminütigen Intro ihrer Band und Backgroundmusiker, von denen sie sich lautstark ankündigen ließ, legte Joss Stone mit ihrem ersten Hit "Super Duper Love" gleich los. Wer zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel am Ausnahmetalent dieser Künstlerin hatte, dem durften sie spätestens jetzt vergangen sein. Auf der Bühne bewegt Joss Stone sich wie nach zwanzig Jahren Bühnenerfahrung, selbstbewusst und voller Kraft und Lust an der Musik verschafft sie dem Publikum Gänsehautfeeling.

Begleitet wurde sie dabei von einer neunköpfigen Band inklusive zwei Backgroundsängerinnen und einem Sänger, die den perfekten musikalischen Rahmen für das Konzert bildeten.

Nach dem kraftvollen Auftakt durch "Super Duper Love" schlägt Joss mit "Jet Jag", einem Song vom zweiten Album, ruhigere Töne an und klammert sich vollkommen in ihrem Gesang vertieft an ihrem Mikrophonständer fest. Es folgen die aktuelle Single "Don’t Cha’ Wanna Ride", das White Stripes-Cover "Fell in Love With a Boy" sowie das ruhige und gefühlvolle "The Chokin’ Kind". Nach einer Interpretation von dem David Bowie und Queen-Klassiker "Under Pressure" geht Joss zum ersten Mal von der Bühne und überlässt ihren Backgroundmusikern das Feld. Jeder der drei SängerInnen gibt ein Solostück zum Besten und lässt sich vom Publikum feiern. Nach 20 Minuten kommt die eigentliche Hauptakteurin im neuen Outfit zurück, diesmal engelsgleich ganz in weiß im bodenlangen Rock und passendem Top.

Nach ihrem Hit "Right to be Wrong" verabschiedet sich die Künstlerin – zum Erstaunen des Publikums. Das soll es bereits gewesen sein? Nach einer Spielzeit von knapp einer Stunde inklusive einer 20minütigen Darbietung ihrer Hintergrundmusiker sollte das Konzert beendet sein? Nach kurzer Zeit kommt sie für ihren großen Hit "You Had Me" zurück, den sie unglaublich kraftvoll und voller Leidenschaft zum Besten gibt. Nach einer weiteren Zugabe, einer extra langen Version von "Some Kind of Wonderful", das sie beinahe im Dialog mit ihren Musikern singt, ist dann endgültig Schluss. Nachdem Joss nur knapp eine Stunde auf der Bühne stand, ist das Konzert beendet – unverständlicherweise, sollten zwei Alben doch genügend Material bieten, um mindestens 1 ½ bis 2 Stunden zu füllen. Das Publikum war also zu Recht mehr als enttäuscht und verließ verbittert das Gelände.

Dennoch ein musikalische Erlebnis der Extraklasse: Immer wieder sucht Joss den Kontakt zum Publikum, stürmt von der Bühne auf dem Rasen hin und her, spielt mit den Fotografen und fordert lautstark zum Mitsingen auf. Nur in den Pausen zwischen den Songs merkt man ihr das junge Alter an. Ihre Ansagen vom regelmäßigen Kichern begleitet, scheint ihr die Begeisterung der Publikums beinahe ein wenig unangenehm zu sein. Das alles macht sie aber umso sympathischer. Denn auch wenn ihre Stimme die Realität schnell vergessen lässt, ist Joss eben gerade mal 18 Jahre alt…

Setlist
Super Duper Love / Jet Lag / Don't Cha' Wanna' Ride / Fell In Love With A Boy / The Chokin' Kind / Under Pressure / Band Intro / Vocal Intro / Right To Be Wrong / You Had Me / Some Kind Of Wonderful

Sandra G. - myFanbase
30.09.2005