Bewertung: 7
Bright Eyes

Bright Eyes im Schlachthof in Wiesbaden

Im Juni kamen Bright Eyes im Zuge ihrer Promotion-Tour zum neuen Album "Cassadaga" auch für einige Termine nach Deutschland. Und obwohl mich das neueste Werk der Band um Songwriter-Genie Conor Oberst bei weitem nicht so zu begeistern wusste wie die beiden Vorgängeralben aus dem Jahre 2005, konnte ich mir das Konzert im Wiesbadener Schlachthof natürlich nicht entgehen lassen.

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Angesichts der Tatsache, dass keinerlei Vorband angekündigt worden war, erschien der Großteil des Publikums in weiser Voraussicht außerordentlich pünktlich. Bright Eyes ließen leider dennoch eine ganz Weile auf sich warten. Ob es an der noch tageslichthellen Location lag, sei dahingestellt. Jedenfalls waren sowohl Vorfreude als auch Ungeduld bereits ins Unermessliche gestiegen als die 11-köpfige und ganz in weiß gekleidete Band endlich die Bühne betrat und gleich mit dem großartigen Opener "Clairaudients (Kill Or Be Killed)" der neuen Platte das Konzert eröffnete.

Mit seinen langen dunklen Haaren wirkte Conor Oberst zunächst fast so, als wollte er sich verstecken. Während der ersten Songs schien er sich auch deutlich mehr seiner Band als dem Publikum zuzuwenden. Wie ein Tango-Tänzer bewegte er sich mit seiner Gitarre zwischen seinen Musikerkollegen und schenkte mal seinen beiden Schlagzeugerinnen, mal dem Bassisten und dann wieder seinem sehr versierten Streicher- und Bläserensemble vollste Aufmerksamkeit. Man merkte sofort, dass Bright Eyes tatsächlich nicht mehr das Ein-Mann-Projekt ist, für das es immer gehalten wurde, denn die gesamte Band glänzte. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinn.

Die Lichtshow, die den Zuschauern da auf der Bühne geboten wurde, ließ die in weiß gekleideten Musiker alle in glänzend gelbem, pinken oder auch violetten Licht erscheinen. Meines Erachtens Farben, die nun so gar nicht zur Musik von Bright Eyes passen und bei einigen Liedern regelrecht irritierten. Vor allem bei "Four Winds" sehnte ich mich nach schlichterem Licht. Das offizielle Video war ja schließlich auch nur in schwarz-weiß gehalten. Trotzdem vermochte der Song live um einiges besser zu überzeugen wie auf Platte, wie es bei den meisten Liedern des neuen Albums der Fall war. Denn auf der Bühne schien das stellenweise doch recht monotone und fast schon fade "Cassadaga" so richtig zum Leben zu erwachen.

Die Leidenschaft, mit der die Band die neuen Songs spielte, war nicht nur zu hören, sondern auch ihrer übermäßigen Schweißproduktion anzusehen. "Now I Feel Like a Boxer", scherzte der klatschnasse Oberst als er sich mit einem Handtuch über den Schultern an das mal eben für "If The Brakeman Turns My Way" hereingeschobene E-Piano setzte. Angesichts der zunehmenden Temperaturen schien er im Umgang mit dem Publikum immer mehr aufzutauen und richtete zwischen den Songs immer mal wieder ein paar Worte an seine Hörerschaft. So widmete er "Make A Plan To Love Me" den Verliebten im Saal und sorgte mit der folgenden Performance wie schon bei "No One Would Riot For Less" für reichlich Gänsehaut.

Meine ganz persönlichen Highlights des Konzertes stammten jedoch allesamt von früheren Werken der Band. So begeisterte (und rockte!) "Calendar Hung Itself" vom "Fevers & Mirrors"-Album ebenso wie "I Believe in Symmetry" und auch die als Zugaben gespielten "First Day of my Life" und "At the Bottom of Everything" von ihrem vermeintlichen Meisterwerk "I'm Wide Awake, It's Morning" ernteten tosenden Applaus und hinterließen viele, wenn auch nicht ausschließlich glückliche Gesichter im Publikum.

Trotz des zweifellos gelungenen Konzertes fehlte nämlich doch der gewisse Zauber, die Magie, schlicht das gewisse Etwas, das den Funken endgültig zum Überspringen brachte. Die langen Pausen, die zwischendurch immer mal wieder durch das Stimmen der Instrumente oder das Schweiß-Abwischen entstanden, ließen einfach keinen richtigen Fluss zustande kommen. Auch wenn Conor Oberst musikalisch also schon längst als Ikone einer ganzen meist Ringelpulli und Chucks tragenden Generation gilt, so kann er sich auf der Bühne doch noch ein Scheibchen von so manchem weniger verehrten Songwriter-Kollegen abschneiden.

Setlist
Clairaudients (Kill Or Be Killed) / Hot Knives / Four Winds / I Won't Ever Be Happy Again / Middleman / Cleanse Song / If The Brakeman Turns My Way / No One Would Riot For Less / Make A Plan To Love Me / Calendar Hung Itself / Lime Tree / I Believe In Symmetry / First Day Of My Life / Stray Dog Freedom / At The Bottom Of Everything

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Paulina Banaszek - myFanbase
10.07.2007