Bewertung: 9
Deep Purple & Orchestra

Live At Montreux 2011

"We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline to make records with a mobile - we didn't have much time" - so eine der berühmtesten Songzeilen der Welt. Deep Purple schrieben sie 1972 für ihr Album "Machine Head" und den Song "Smoke on the Water". 2011 ging es zurück zu dem Festival und diesmal bannten sie es auf Film.

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Das Orchesterkonzept ist Deep Purple nicht fremd: 1969 wagten sie sich das erste Mal daran, klassische Musik mit rockender zu vermischen. Seitdem haben sie wohl die meisten Musikerwechsel der Geschichte durchzogen, zuletzt hinzugekommen ist Don Airey, der John Lord an der Orgel ersetzte, als dieser gesundheitliche Probleme bekam. Für das Montreux Festival 2011 packten sie wieder ein Orchester ein, das Neue Philharmonieorchester aus Frankfurt – ohne haben sie schon 2007 ein Montreux-Livealbum veröffentlicht.

Der diesjährige Auftritt in Montreux beginnt mit dem Orchester, das eine Overtüre spielt, die langsam in "Highway Star" übergeht. Die Mitglieder von Deep Purple betreten die Bühne, wie sie es schon immer getan haben: Steve Morse zollt seinen indianischen Wurzeln Tribute mit einem gebatikten Shirt und passendem Schmuck, Ian Gillian trägt ein weißes Hemd und ausnahmsweise Schuhe, Roger Glover trägt Kopftuch. Natürlich hat der Zahn der Zeit an ihnen genagt – aber Ian Gillian ist wahrscheinlich ohnehin der coolste Großvater, den man sich vorstellen kann.

Und singen kann er! Das Intro von "Hard Lovin' Man", das daraufhin folgt, beweist es. Die Fünf kommen ohne viel Schnickschnack aus. Die Liveshow ist kräftig, die Musiker bewegen sich eklektisch umher und reißen dabei trotzdem mit. Denn die Songs machen ihnen Spaß, auch, wenn es mal bluesiger wird, so wie bei "Maybe I'm a Leo" und "Woman From Tokio".

Die Sonnenbrillen setzen Schlagzeuger und Gitarrist trotz der Dunkelheit nicht ab. Einzig Ian Gillan setzt sie auf und ab für "Maybe I'm a Leo". Mit dem Anfang des Sets zusammengebaut aus Evergreens der Band, folgt mit "Repture of the Deep" der neueste Song – Titeltrack des gleichnamigen letzten Albums.

"Contact Lost" ist hingegen der traurige Höhepunkt des Vorgängeralbums "Bananas". Hierbei verarbeiteten Deep Purple den Verlust dreier Freunde, die in dem Flugzeug saßen, dass in das World Trade Center am 9. September flog. Das Stück besteht lediglich aus Steve Morse an der Gitarre und ist stets der ergreifendste Moment eines Konzerts – auch, wenn viele Zuhörer die Geschichte nicht kennen und ihn oft verschmähen. Von den Zuschauern sieht man über die gesamte DVD aber ohnehin nicht besonders viel, deswegen lenkt nichts ab von Morses Gitarrenspiel.

Das Konzert zum 25. Jubiläum des Festivals den Klassiker "Black Night", das beinahe seit jeher jedes Deep-Purple-Konzert beendet. Natürlich ist die Show nicht vorbei, ohne vorher "Smoke on the Water" gespielt zu haben. Und diesmal ist kein Feuer am Himmel.

Fazit

Das Orchester verleiht den altbekannten Songs eine neue Ebene. Pompös, treibend, auf die Minute genau. Wie ein Schweizer Uhrwerk sitzen auch die Hits – Deep Purple hatten auch genug Zeit, sie zu perfektionieren. Mit Erschrecken stellt man allerdings fest, dass das letzte Studioalbum "Rapture of the Deep" schon wieder sechs Jahre alt ist. Vielleicht wäre es mal Zeit für etwas Neues – mit oder ohne Orchester.

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Technische Details

Band: Ian Gillan (Gesang), Ian Paige (Drums), Roger Glover (Bass), Steve Morse (Gitarre), Don Airey (Orgel)
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Tonformat: Englisch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (DTS 5.1)
Laufzeit: 155 Minuten

Inhalt/Tracks

1.Deep Purple Overture / Highway Star
2.Hard Lovin' Man
3.Maybe I'm a Leo
4.Strange Kind of Woman
5.Rapture of the Deep
6.Woman From Tokyo
7.Contact Lost
8.When a Blind Man Cries
9.The Well Dressed Guitar
10.Knocking at Your Back Door
11.Lazy
12.No One Came
13.Don Airey Solo
14.Perfect Strangers
15.Space Truckin'
16.Smoke on the Water
17.Hush
18.Black Night

Simone Bauer - myFanbase
14.11.2011

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