Bewertung: 8
Olli Schulz

Scheiß Leben, gut erzählt

Erneut mit Produzent Moses Schneider aufgenommen, sind bei Olli Schulz und "Scheiß Leben, gut erzählt" auch alte Bekannte mit dabei: Gisbert zu Knyphausen zum Bespiel, "Dittsche!" Olli Dittrich oder "der Hund Marie" himself, Max Schröder.

Foto: Olli Schulz - "Scheiß Leben, gut erzählt" - Copyright: Trocadero Records
Olli Schulz - "Scheiß Leben, gut erzählt"
© Trocadero Records

"Feelings aus der Asche" begann 2015 mit einer Hymne auf Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. "Scheiß Leben, gut erzählt", nun fast drei Jahre später, ist abgeklärt. "Du schockst nicht mehr" ist das enttäuschende Fazit. Über einen Freund? Über Olli Schulz selbst? Mal weiterhören. Auch der zweite Song, "Ganz große Freiheit", mit Sprechgesang arbeitend, erzählt vom "ganz großen Schein". Zum Schluss durchbricht eine starke E-Gitarre den Drumcomputer. Am Ende weinen die Sägen.

In "Ambivalent" nutzt Olli Schulz zwar nicht zum ersten Mal Hip-Hop-Elemente, doch dafür greift der ausgewiesene Fan erstmals auf Autotune und Synths zurück. Kumpel Ali As wird gefeatured. Den überraschendsten Auftritt hat aber Nachrichtensprecherin Linda Zervakis. Eine lockere Atmosphäre schafft "Wölfe" dank seines Drumbeats – und der entspannten Bläsersektionen. Die Stadt verstummt endlich. Die Bläser werden mit rübergenommen in "Wachsen (im Speisesaal des Lebens)", ein vielschichtiger Song mit tragender Akustikgitarre.

"Skatspielen mit den Jungs" findet in der Manier von "Die Frau mag die Clique nicht" statt, ein häufiger Einspieler aus "Fest & Flauschig", Schulz' erfolgreichen Podcast mit Jan Böhmermann. In diesem Fall ist es wirklich vorbei mit dem Baby, das nie etwas mit den Skatkarten anfangen konnte ("Dein neuer Freund mag Poker und macht irgendetwas mit Kunst, macht dich auch nicht glücklich, ich bin Skatspielen mit den Jungs").

In "Schmeiß‘ alles rein" wird abgerechnet – weg mit dem goldenen Schlüssel der Stadt, ab ins Auto und einfach wegfahren, so Olli Schulz' geliebtes, wiederkehrendes Motiv. Der starke Rhythmus lädt dazu ein, das Indietanzbein zu schwingen. Umso kontrastreicher ist da der letzte Song der Platte: In "Schmeckt wie..." geht es gegen die Erbsensuppe der Oma und eine Frau mit zweifelhafter Hygiene und dass man dennoch Oma und Frau liebe. Hier ist die akustische Musik ein bisschen toller als der Songtext.

Fazit

Das sechste Album hört sich zunächst wie ein Konzeptalbum an, um dann ... nun ja, vermutlich "Scheiß Leben, gut erzählt". Das kann ja vieles bedeuten: egal, ob "Sportboot" (ein witziges Stück Elektrogefrickel) oder "Junge Frau sucht..." (eine gutgelaunte Akustiknummer, inklusive Sprechrolle für "Tatortreiniger" Bjarne Mädel). Es bleibt also nicht bei den dunklen Tönen, doch so richtig ist der Spannungsbogen, wie etwa beim Vorgängeralbum, nicht gebaut. Um beim Opener zu bleiben: Nichtsdestotrotz, Olli Schulz schockt noch.

Anspieltipps
Wachsen (im Speisesaal des Lebens)
Junge Frau sucht...
Skat spielen mit den Jungs
Schmeiß’ alles rein

Artistpage
OlliSchulz.com

Tracks

1.Schockst nicht mehr
2.Ganz große Freiheit
3.Ambivalent
4.Wölfe
5.Wachsen (im Speisesaal des Lebens)
6.Junge Frau sucht...
7.Skat spielen mit den Jungs
8.Sportboot
9.Schmeiß’ alles rein
10.Schmeckt wie...

Simone Bauer - myFanbase
14.02.2018

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