Bewertung
Bony King of Nowhere, The

Eleonore

Pünktlich zum Einbruch der tristesten Jahreszeit beschert uns der belgische Singer/Songwriter Bram Vanparys alias The Bony King of Nowhere mit seinem zweiten Album "Eleonore" eine derart schöne Sammlung sanft schunkelnder Folk-Songs, dass einem selbst ohne eine heiße Tasse Tee am Kamin ganz schnell warm ums Herz wird.

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Manchmal beschleicht einen bereits beim ersten Auflegen einer Platte nach nur wenigen Takten ein so merkwürdig tiefes Gefühl von Vertrautheit, dass man mit der Musik sogleich Unmengen an Erinnerungen verbindet. "Eleonore" ist ein solches, scheinbar unmögliches Album, das einen trotz des recht exotisch, ja geradezu orientalisch anklingenden Intros des Openers "Sleeping Miners" bereits von Anbeginn an völlig einzunehmen weiß. Denn schon bei der ersten Zeile, die Bram Vanparys mit versonnener Stimme vorträgt, nämlich der Frage "Can you hear the wind, how slow it blows?", lauscht man so gebannt, als würde einem gerade ein ganz besonderer Mensch etwas unheimlich Romantisches ins Ohr flüstern. Beim gemeinsamen Sterne-Beobachten am Strand. Oder so.

Klar klingt das kitschig, aber die neun Si/So-Folk-Perlen auf "Eleonore" versprühen nun mal so viel Nostalgie, dass man gar nicht anders kann, als beim Hören der Platte selbst ein klein wenig sentimental zu werden. Dabei rührt das nostalgische Flair hauptsächlich von dem angenehm urigen Sound, der einen gedanklich unweigerlich in die späten Sechziger zurückversetzt. Denn das fast ausschließlich live eingespielte Album huldigt mit seinen simplen Arrangements, anheimelnden Melodien und schwelgerischen Harmonien hörbar den Helden der vor gut 40 Jahren florierenden US-amerikanischen Folkszene. Und mutet dabei auch selbst regelrecht heroisch an.

Denn im digitalen Zeitalter der multimedialen Reizüberflutung, in dem mittlerweile sogar zu musikalischen Werken spezielle Apps konzipiert werden, um auf den sozialen Plattformen der Internetwelt für gebührend Aufmerksamkeit zu sorgen, gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, sich einfach bloß auf ganz klassisches Songwriting und die eigene Stimme zu besinnen. Insbesondere wenn man sich dadurch auch noch zwingend dem Vorwurf unterziehen muss, lediglich auf den Zug momentan recht erfolgreicher Retro-Folk-Bands wie den Fleet Foxes aufspringen zu wollen. Bram Vanparys schert sich glücklicherweise jedoch weder um den technischen Fortschritt noch um die Meinung von Kritikern. Denn so sind Songs wie das bezaubernde Titelstück "Eleonore" derart authentisch geraten, dass man sich als Zeuge ihrer betörenden Schwermut in einer entrückten, gänzlich ungekünstelten Welt wiederfindet, die man am liebsten gar nicht mehr verlassen würde.

Fazit

Auf seinem zweiten Album "Eleonore" nimmt der Belgier Bram Vanparys seine Hörer selbstbewusst an die Hand und lockt sie mit seiner mollig warmen Stimme auf eine imaginäre Reise in die Vergangenheit, nach der man höchst beeindruckt feststellen muss: Schöner und zeitloser kann man Sehnsucht kaum vertonen.

Anspieltipps

Sleeping Miners

The Garden

Eleonore

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The Bony King of Nowhere bei bandcamp

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Tracks

1.Sleeping Miners
2.Girl from the Play
3.The Garden
4.Going Home
5.Hear Them Calling
6.The Poet
7.Eleonore
8.Some Are Fearful
9.Mother

Paulina Banaszek - myFanbase
24.10.2011

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