Bewertung: 7
Rihanna

Rated R

Wie Rihanna es selbst in "Wait Your Turn" besingt: "The wait is over" und somit meldet sie sich mit "Rated R", ihrem nunmehr vierten Studioalbum, das sich von der Grundstimmung her von seinen Vorgängern absetzt, zurück. Deutsche Fans der Sängerin kommen dabei nicht nur in den Genuss eines enormen Presserummels, sondern haben auch die Ehre als erstes das Album in den Händen zu halten, da es hierzulande zuerst auf den Markt gebracht wurde.

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© Def Jam

Vor der Veröffentlichung von "Rated R", konnte Rihanna vor allem wegen ihrer Auseinandersetzung mit Partner Chris Brown auf sich aufmerksam machen. Und genau diese Zeit ihres Lebens lässt sich auch deutlich auf ihrem neuen Album wieder finden. Wer nach beliebten Partysongs wie SOS oder Umbrella sucht, ist mit "Rated R" nicht auf dem richtigen Weg. Rihanna ist ernster den je, das Album ist deutlich düsterer als seine Vorgänger und sie scheint sich noch ein deutliches Stück weiter entwickelt zu haben.

Dennoch lässt sich natürlich die typische Note, die Rihanna jedem ihrer Songs bisher verpasst hat, auch auf dem neuen Album finden. Nur ist sie diesmal noch risikofreudiger bei ihrer musikalischen Auswahl geworden, beweist damit aber gleichzeitig, dass es keinesfalls ein Fehler ist, sich (teilweise) selbst für die Texte und die Sounds verantwortlich zu zeigen, denn "Rated R" mag zwar anders sein, aber keineswegs schlechter.

Wie bei so vielen Alben wächst man natürlich in die Songs erst nach mehrmaligen Hören hinein, aber genau dann kommt man nicht nur in den Genuss von vielen grandiosen Stücken, sondern hat auch das Gefühl die Persönlichkeit der Sängerin besser zu verstehen, die viele ihrer Erfahrungen in ihrer Musik verarbeitet. Vor allem bei "Fire Bomb" und ihrer ersten Singleauskopplung "Russian Roulette" hat man das Gefühl, dass Rihanna vor dem Zuhörer eine emotionalen Striptease hinlegt, ohne dabei kitschig zu wirken oder sich selbst in eine Opferrolle zu drängen.

Genau da liegt aber wahrscheinlich auch der größte Schwachpunkt des Albums. Denn es ist schwer sich allein auf die Musik zu konzentrieren und ihre Texte nicht mit den letzten Ereignissen in ihrem Leben in Verbindung zu bringen. Man wartet teilweise darauf, dass Rihanna mit Chris Brown und dem ganzen Skandal um die beiden abrechnet. Die zahlreichen Anspielungen, wie beispielsweise in "Stupid in Love" oder "The Last Song" lassen jedoch auch die Vermutung zu, dass genau dies auch von Rihanna so gewollt ist.

Musikalische Schwachpunkte lassen sich im Intro "Mad House" finden, das für den Hörer vollkommen überflüssig ist, da es zwar andeutet, dass das Album weitaus düsterer gestaltet ist, aber ansonsten keinen Mehrwert hat. Im Vergleich zu ihren sonstigen Texten wirkt "Rockstar 101" mit den immer wiederholenden Textpassagen "Big City. Bright Lights. Baby, I'm a Rock Star." vollkommen deplatziert auf dem Album und bricht die ansonsten relativ düstere und nachvollziehbar aufgebaute Stimmung beim Hören vollkommen auf. Das wäre an sich kein Problem, aber selbst musikalisch macht der Song, trotz Slash an der Gitarre, nicht viel her und kann somit getrost immer geskippt werden, wenn man sich das Album anhört.

Im Gegensatz dazu ist "Hard" definitiv ein Highlight des Albums. Rihanna nutzt hierbei ihre einzigartige Stimme in einer geradezu trotzigen und eisigen Art, die einem das Gefühl gibt, als würde sie mit Leichtigkeit in diesem Song eine offene Rechnung begleichen. Dahingegen fragt man sich bei "G4L" – Gangster For Life – was uns die Künstlerin damit eigentlich sagen wollte. Musikalisch kann der Titel mit der elektronischen Untermalung zwar überzeugen, textlich kann man jedoch nur hoffen, dass Rihanna hier nicht den Versuch unternehmen wollte, dem Zuhörer ihr Innerstes näher zu bringen.

Von einer mehr als gelungenen Zusammenarbeit kann man bei "Photographs" mit will.i.am sprechen, sowie bei "Cold Case Love", das den deutlichen Stempel von Justin Timberlake trägt. Beide Songs werden mit Sicherheit bei der breiten Masse voll und ganz bestehen können.

Fazit

Die Frage, die unweigerlich im Raum steht, ist, ob "Rated R" auch ohne den Vorfall mit Chris Brown so funktionieren würde. Deutlich hört man diesen Skandal im Album unweigerlich mit und kann die einzelnen Songs kaum ohne dieses Hintergrundwissen wirklich betrachten. Außer Frage steht jedoch, dass die gerade einmal 21-jährige Künstlerin mit ihrem vierten Album einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere erreicht hat und zeigt, dass es erst einmal nur noch bergauf mit ihr gehen kann.

Anspieltipps
Hard
Russian Roulette
Photographs
The Last Song

Artistpage
Rihanna.de

Tracks

1.Mad House
2.Wait Your Turn
3.Hardfeaturing Jeezy
4.Stupid In Love
5.Rockstar 101featuring Slash
6.Russian Roulette
7.Fire Bomb
8.Rude Boy
9.Photographsfeaturing will.i.am
10.G4L
11.Te Amo
12.Cold Case Love
13.The Last Song

Annika Leichner - myFanbase
22.11.2009

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