Bewertung: 5
Editors

In This Light And On This Evening

Wer hätte das gedacht? Die oftmals als kleiner Bruder von Interpol abgestempelten Editors haben es offensichtlich satt, stets mit besagten Kollegen in eine Schublade gesteckt zu werden, und schlagen auf ihrem dritten Album eine ganz neue Richtung ein. Weg mit den Gitarren, her mit den Keyboards und Synthesizern – so lautet die Devise auf "In This Light And On This Evening". Ob die Band ihren Fans und sich selbst damit einen großen Gefallen getan hat?

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Mit der musikalischen Weiterentwicklung ist das ja immer so eine Sache. Auf der einen Seite gibt es Fans, die zu jammern beginnen, wenn eine Band auf dem dritten Album immer noch so klingt wie zu Beginn und jede neue Veröffentlichung im Grunde nur eine aufgewärmte Version der Vorgänger darstellt. Dem gegenüber steht jener Teil der Anhängerschaft, der zutiefst enttäuscht ist, wenn die einstige Lieblingsband plötzlich nicht mehr die Art von Musik macht, anhand welcher man sie kennen und lieben gelernt hat. Die Editors haben sich für zweitere, zugegebenermaßen gewagtere Alternative entschieden und ihren gewohnten Stil fürs Erste über Bord geworfen. Anstatt sich also weiterhin mit nicht abklingen wollenden Interpol-Vergleichen herumzuschlagen, riskieren die vier Jungs lieber, alteingesessene Fans mit ihrem neuen Sound vor den Kopf zu stoßen.

Wie die Editors Version 2.0 auf Albumlänge klingen, lässt sich bereits anhand der Vorabsingle "Papillon" erahnen. Gewohnt unterkühlt, aber doch deutlich elektronischer und düsterer präsentiert sich das britische Quartett auf dem mehr denn je nach den 80er-Jahren klingenden Stück. Dass einem dieser Sound nicht wirklich neu erscheint, liegt vermutlich daran, dass der als "Flood" bekannte Produzent Mark Ellis hier seine Finger im Spiel hat. Dessen Zusammenarbeit mit Bands wie Depeche Mode hat auch auf dem neuen Editors-Album deutliche Spuren hinterlassen – zum Leidwesen aller, deren Bedarf an 80er-Revival-Klängen aufgrund der vielen ähnlichen Unterfangen in der jüngsten Vergangenheit bereits gedeckt ist.

Wer sich davon jedoch nicht abschrecken lässt, findet auf "In This Light And On This Evening" bestimmt das ein oder andere Highlight. So gelingt es beispielsweise im Rahmen des gleich zu Beginn erklingenden Titelliedes, die von den Editors angestrebte Endzeitstimmung gekonnt einzufangen und umzusetzen. Ähnlich überzeugend vermittelt Sänger Tom Smith dem Hörer bei "You Don't Know Love" seine sich wie ein roter Faden durch das Album ziehende Verzweiflung, bevor dann auf dem wohl eindrucksvollsten Stück, "The Boxer", eine schier grenzenlose Traurigkeit regiert.

Abseits dieser gelungenen Momente geht das Bemühen der Band jedoch oft nach hinten los, und so manches Lied – allen voran "Bricks And Mortar" – driftet in einen heutzutage fast schon peinlich anmutenden Eurodance-Stil ab. Unweigerlich drängen sich einem dabei Gedanken an weiße Anzüge mit monströsen Schulterpolstern und einen leicht schmuddeligen Vokuhila-Oliba-Look auf, welche das Hörvergnügen deutlich eintrüben. Auch die Versuche von Tom Smith, seine sonore Baritonstimme bei "The Big Exit" und "Walk The Fleet Road" in ungeahnte Höhen voranzutreiben ("Take On Me" von a-ha lässt grüßen), können leider nicht wirklich überzeugen.

Das größte Manko der Editors ist und bleibt jedoch die unsägliche Banalität ihrer Texte. Grundsätzlich ließe sich gerade in diesem Genre gut und gerne darüber hinwegsehen, da bei solch atmosphärischer Musik der Gesang oftmals in den Hintergrund tritt. Wer jedoch im Vorfeld mit großen Ankündigungen prahlt ("Es ist ein Album, das von dem Fehlen Gottes singt, von zerbrochener Liebe, [...] ein Album, das all das Vertrauen in die Leute, die unsere Welt regieren, verloren hat.") und das Resultat mit derart viel Pathos vorträgt, darf sich nicht wundern, wenn sich der Hörer bei infantil-holprigen Zeilen wie "I'll give a dog a bone / He'll eat for the day / But teach him how to kill then" oder "Girl, I think it's time to leave / Like a thief on Christmas Eve" ein klein wenig fremdschämt. Und ob es bei nur neun Songs tatsächlich notwendig ist, gezählte 40 Ahhhhh- bzw. Ohhhhh-Passagen einzubauen, sei ebenfalls dahingestellt.

Trotz dieser unüberhörbaren Defizite muss man den Editors eines lassen: Sie haben Mut zur Veränderung bewiesen und gezeigt, dass sie wandlungsfähiger sind, als die meisten Kritiker es ihnen zugetraut hätten. Gelingt es einem, sich auf die Musik einzulassen und den Text auszublenden, weiß das Album an vielen Stellen durchaus zu gefallen. Zumindest in einschlägigen Clubs werden "Papillon" und Co. dem tanzwütigen Publikum bestimmt noch längere Zeit ausgezeichnete Dienste erweisen.

Fazit

Mit ihrem dritten Album ist es den Editors endgültig gelungen, die leidigen Interpol-Vergleiche abzuschütteln und zu neuen Ufern aufzubrechen. Schade bloß, dass man dort aufgrund offenkundiger Parallelen schon mit ähnlich hartnäckigen Anspielungen in Richtung Depeche Mode auf sie warten wird. Somit kann die Hörerschaft weiterhin nur hoffen, dass es beim nächsten Versuch endlich mit dem qualitativen Quantensprung und der Eigenständigkeit klappt. Bis es soweit ist, muss man allerdings mit der Mittelmäßigkeit von "In This Light And On This Evening" vorlieb nehmen. Böse Zungen würden angesichts dieser Erkenntnis behaupten, dass unterm Strich also doch alles beim Alten geblieben ist.

Anspieltipps
In This Light And On This Evening
You Don't Know Love
The Boxer

Artistpage
EditorsOfficial.com

Tracks

1.In This Light And On This Evening
2.Bricks And Mortar
3.Papillon
4.You Don't Know Love
5.The Big Exit
6.The Boxer
7.Like Treasure
8.Eat Raw Meat = Blood Drool
9.Walk The Fleet Road

Willi S. - myFanbase
12.10.2009

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