Bewertung
Chevelle

Vena Sera

Es gibt viele Bands da draußen. Auch viele gute. Die Kunst ist es aber, den Markt genau so zu treffen, dass man mit der Musik berühmt wird.

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Nunja, auch Chevelle beherrschen diese Kunst nicht wirklich. Sie fallen leider eher in die Kategorie der vielen guten Bands, die den ganz großen Wurf einfach niemals schaffen werden. Zwar erfreuten sich die drei Mannen aus Chicago mit ihrem Album "Wonder What's Next" in den USA eine Zeit lang an überdurchschnittlicher Berühmtheit (und es ist auch sehr wahrscheinlich, dass ihr in einem gut sortierten Plattenladen nur dieses Album hier in Deutschland finden werdet), doch sie ritten damals auf der langsam gegen den Strand laufenden Nu-Rock Welle.

Seit "Wonder What's Next" sind einige Jahre verstrichen (Sieben, um genau zu sein) und der Nachfolger "This Type of Thinking (Could Do Us In)" ging ebenso unter wie das Album, dass ich euch hier vorstelle doch eines muss man an Chevelle bewundern: ihre Konstanz. Obwohl sich der Musikmarkt in Richtung Indie verschoben hat, hat sich die Band nicht von ihrem Musikstil entfernt (ganz anders als andere Enttäuschungen die damals gleichzeitig mit Chevelle aufkamen). Und auch wenn man immer wieder davon schwärmt, wie sich Bands weiterentwickeln, manchmal möchte man doch einfach noch ein paar Songs haben, die einfach genauso sind – nur eben neu.

Und genau das bietet "Vena Sera". Wer Chevelle bisher nicht kennt (und trotzdem dieses Review liest!), dem sei der Stil einmal kurz beschrieben: Einfache, eingängige, harte Gitarrenriffs – nichts allzu kompliziertes – einfach rundum solide. Wie schon auf den vergangenen Scheiben kennt vor allem Frontmann Pete Loeffler sein Handwerk genau. Und das ist es, was diese CD bietet: Handwerk, von äußerst feiner Qualität zwar, aber keine höhere Kunst.

Die Platte ist im Wesentlichen nach dem Standardrezept aufgezogen: Mit "Antisaint" ist der Opener voller Kraft, Energie und einfach voll auf die Zwölf. Dann gleich noch rasante Energie hinterher (sie trägt den Namen "Brainiac") bevor es mit "Saferwaters" ein wenig andächtiger wird. Hier sollte man aber keinen Stilbruch erwarten: es bleibt kräftig, es wird nicht ruhig (niemals auf dieser Scheibe) aber es wird doch ein wenig gesetzter; und wie auch später "I Get It" musikalisch ein wenig komplizierter: Gitarrengezupfe löst Powerchord-Bretter ab. Wie gesagt: keine Kunst aber solides Handwerk. Warum ausgerechnet "The Fad" die Auskopplung gegönnt wurde, ist zunächst ein Rätsel, macht aber später doch Sinn: der Song verkörpert diese CD. Kräftige Gitarrenriffs, der typische fast schon ein wenig weinerlich (ohne aber ins Emo-ige abzugleiten!) Gesang der manchmal in ein mittellautes, aber nicht unangenehmes Schreien übergeht. Der Rest des Tonträgers (es ist gar nicht so einfach immer und immer wieder Synonyme für CD zu finden...) bewegt sich dann ziemlich konstant auf dem Level dieses Songs.

Fazit

Also: wer große Kunst sucht, ist hier falsch. Wer solides Hard-Rock Handwerk sucht, ist hier genau richtig. Eine CD für jede Situation in der es nicht zu weich werden darf.

Anspieltipps

Antisaint

Saferwaters

I Get It

Artistpage

ChevelleInc.com

Tracks

1.Antisaint
2.Brainiac
3.Saferwaters
4.Well Enough Alone
5.Strait Jacket Fashion
6.The Fad
7.Humanoid
8.Paint the Seconds
9.Midnight to Midnight
10.I Get It
11.Saturdays

Martin Schultze - myFanbase
03.06.2008

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