Bewertung
Bernet, Katie

Beth is dead

Foto: "Beth is dead" von Katie Bernet - Copyright: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG 2026
"Beth is dead" von Katie Bernet
© dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG 2026

Inhalt

Beth March ist eine der March-Schwestern, die derzeit ziemlich viel ungewollte Aufmerksamkeit bekommen. In der Silvesternacht wird Beth tot aufgefunden, doch vom Täter fehlt jegliche Spur. Kurz darauf beginnt die Detective-Arbeit und schon bald hat jeder in Beths Umfeld ein mögliches Motiv, vor allem als immer weitere Lügen und Geheimnisse an die Oberfläche kommen, die das Puzzle immer mehr zusammensetzen, wodurch noch etliche erschreckende Dinge zum Vorschein kommen.

Kritik

Neuinterpretationen von Filmen und Serien sind nichts Neues mehr oder, dass beliebte Charaktere einen neuen Anstrich bekommen, indem man ihnen einfach neue Facetten verpasst. Ich muss aber zugeben, dass es mir in Buchform eigentlich noch nicht ins Auge stach. Bei "Beth is dead" war das etwas anders. Ich bin auf Instagram durch eine Rezension auf dieses Buch aufmerksam geworden und das, obwohl ich diesem Account gar nicht folge. Demnach könnte man es fast als glücklichen Zufall bezeichnen. Natürlich stach mir auch das Cover ins Auge und ich wurde das erste Mal stutzig. Ein rosafarbiges Cover mit solch einem Titel ist durchaus widersprüchlich aber umso spannender zu ergründen. Das zweite Mal wurde ich stutzig, als ich mitbekommen habe, dass es um Beth March geht, was mir durchaus ein Begriff ist. Als Kind habe ich wahnsinnig gerne "Eine fröhliche Familie" geschaut und auch sonstige Interpretationen von "Little Women". Den Roman von Louisa May Alcott habe ich hier liegen, allerdings noch nicht gelesen, was ich unbedingt nachholen muss, da "Beth is dead" genau darauf basiert und ja, das hat meine Neugier durchaus geweckt.

Ich finde es durchaus immer clever, wenn man sofort ins Geschehen geschubst wird bzw. man einen Einstieg ins Buch hat, bei dem man sich die Frage stellt: Was ist passiert? Das war ehrlich gesagt meine Frage als ich gelesen habe, dass Beth tot im Park gefunden worden ist und das in der Silvesternacht. Schon mal kein so toller Start ins neue Jahr, dafür aber ein toller Start ins Buch. Wer eine der Interpretationen von "Little Women" kennt, der weiß auch, dass Beth die schüchterne und liebe der vier March-Geschwister ist, was auch in diesem Buch nicht außer Acht gelassen wird und was ich ehrlich gesagt umso spannender finde, denn wer sollte ihr etwas tun?

Dadurch werden natürlich viele Fragen aufgeworfen und der Autorin Katie Bernet gelingt es durch den Perspektivwechsel, den zwei Zeitebenen von heute und früher sowie der Tatsache, dass es sich zwischen Meg, Jo, Amy und Beth immer abwechselt, super, dass immer mehr Charaktere in den Kreis der Verdächtigen aufgenommen werden, die durch die Enthüllungen der verschiedenen Geheimnisse, die die Schwestern trotz allem voreinander haben, alle ein mögliches (und nachvollziehbares) Tatmotiv haben – was in meinen Augen auch allzu gut zum Ton und Umgang der heutigen Gesellschaft passt.

Mit den verschiedenen Zeitebenen, besonders die 'früher' spielen, erfährt man auch, warum der Vater im Heute so einen schlechten Ruf bei seinen Töchtern hat. Als Autor hat er ein Buch über seine Töchter geschrieben und es 'Little Women' genannt. In meinen Augen war das clever gemacht. Immerhin legte das Buch etwas den Grundstein dafür, wie sich letztlich alles zusammensetzt. Wie ich schon angedeutet habe, hat die Autorin im Buch Themen aufgegriffen, die den heutigen Ton und die heutige Gesellschaft spiegeln. Einige Male habe ich mich dann doch dabei erwischt, wie ich etwas die Augen verdreht habe, besonders auch, als Vater March Erfolg mit 'Little Women' hatte und dabei angeprangert wurde, dass er als Mann gar nicht über Frauen schreiben kann. Als Mann vielleicht nicht, ja. Allerdings ist er der Vater der vier Schwestern und ich bin froh gewesen, dass man diese Thematik dann doch noch einmal durch Mutter March aufgegriffen hat und auch erklärt hat, weswegen Beth in seinem Buch gestorben ist. Für mich steckt hier auch eine große Wahrheit drin und jede Person, die irgendwie mit Schreiben zu tun hat, wird sich darin vielleicht wiedererkennen. Man schreibt all seine Gedanken auf, um sie zu ordnen und um Dinge verarbeiten zu können. Vielleicht stand deswegen auch Jo etwas mehr im Fokus, da man bei ihr besonders deutlich wahrnehmen konnte, wie ähnlich sie ihrem Vater ist, weil auch sie alles von mehreren Seiten beleuchtet hat.

Somit erweiterte sich der Kreis der Verdächtigen, auch wenn die Motive mich nicht immer absolut überzeugt haben, fand ich es spannend, wie sich nach und nach die einzelnen Lügen und vor allem Geheimnisse aufgeklärt haben. Mit den verschiedenen Verdächtigen und den Vorlagen der bekannten Charakteren hat es mir sehr gut gefallen, wie man diese hier eingebunden und ihnen Wiedererkennungswert gegeben hat.

Allerdings muss ich zugeben, dass für mich bei den letzten fünf oder vier Kapiteln irgendwie die Spannung, wer Beth getötet hat, verloren gegangen ist und ich dann letztlich nur noch daran interessiert war, wie Katie Bernet das Buch abschließen würde. Das wiederum hat mir sehr gut gefallen, weil es für mich unterstrichen hat, was die Animieserie "Eine fröhliche Familie" so besonders sehenswert macht und für mich hat das letzte Kapitel indirekt auch erklärt, warum ein rosafarbiges Cover gewählt worden ist.

Fazit

Es ist immer ein großes Wagnis, einen Klassiker neu zu interpretieren. Bei "Little Women" handelt es sich um einen Klassiker, den Autorin Katie Barnet zu einem Thriller umfunktioniert hat und damit erfolgreich war. Durch die verschiedenen Perspektivwechsel sowie zwei unterschiedliche Zeitebenen wurde Spannung aufgebaut, die dazu einlädt mitzuraten. Einen Punkt muss ich jedoch abziehen, weil am Ende die Spannung für mich etwas abgeflacht ist.

Film: Little Women (2019)

Daniela S. - myFanbase
28.05.2026

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