Bewertung
George R. R. Martin

Feuer und Blut

Foto: Copyright: Verlagsgruppe Random House GmbH
© Verlagsgruppe Random House GmbH

Inhalt

Nachdem man in "Das Lied von Eis und Feuer" und seinen Nachfolgern die Geschichte des Kampfes um den eisernen Thron kennengelernt hat, reisen wir in "Feuer und Blut" nun 300 Jahre in die Vergangenheit. Zu diesem Zeitpunkt waren die Königreiche in Westeros noch nicht unter einer Hand vereint, doch durch die Ankunft von Aegon I., der auch als Aegon der Eroberer bekannt wurde, sollte sich das ändern. Mit ihm kam im Jahr 1 nach Aegons Eroberung (n. A. E.) eine neue Zeitrechnung, es entstanden ein geeintes großes Reich, das fortan von den Targaryens regiert wurde. Aegon I. (herrschte von 1 - 37 n. A. E.) kam gemeinsam mit seinen Schwesterngemahlinnen Visenya und Rhaenys Targaryen auf den Rücken von Drachen nach Westeros und konnte den Kontinent so unterwerfen. Gleichzeitig setzte er zwei Söhne in die Welt, die ihm nach seinem Tod auf den Thron folgten, erst Aerys I. (37 - 42 n. A. E.), dann Maegor I. (42 - 48 n. A. E.). Anschließend bestiegt Jaehaerys I. (48 - 103 n. A. E.) den Thron und herrschte für viele Jahrzehnte. Im Land kehrte Frieden und Wohlstand ein und Jaehaerys I. zeugte mit seinen Schwesterngemahlin 13 Kinder. Als sich Jaehaerys' Herrschaft dem Ende neigte, entbrannte unter den vielen Nachkommen die Frage nach dem Erbe und schlussendlich ging der Thron nicht an Rhaenys, die Tochter von Jaehaerys' drittem Sohn, sondern an Viserys (103 - 129 n. A. E.) , den Sohn von Jaehaerys viertem Sohn. Auch nach dem Tod von Viserys I. wurde wieder über den Thronanspruch gestritten, denn seine älteste Tochter Rhaenyra und ihre Erben wollten den Thron nicht an die Kinder aus Viserys' zweiter Ehe mit Alicent Hohenturm abtreten. Es kam zu einem erbitterten Kampf zwischen den gegnerischen Lagern, in dem viele Targaryens und ihre Drachen das Leben ließen. Erst bestiegt Alicent Hohenturms ältester Sohn Aegon II. (129 - 131 n. A. E.) den Thron, ihm folgte schließlich Rhaenyra Targaryens Sohn Aegon III. (131 - 157 n. A. E.).

Kritik

Seit vielen Jahrzehnten üben die Geschichten von George R. R. Martin eine große Faszination aus, sei es in der geschriebenen oder in der verfilmten Version. Für mich war es nach "Das Lied von Eis und Feuer" daher keine Frage, auch Martins Werk über das Haus Targaryen zu lesen. Bereits in "Das Lied von Eis und Feuer" konnte man die Magie spüren, die von dieser Familie ausging, denn mit ihren Drachen und der beeindruckenden Geschichte der Eroberung von Westeros hatten sie immer etwas geheimnisvolles und fesselndes an sich. Als ich "Feuer und Blut" dann in den Händen hielt und zu lesen begann, war ich gleichermaßen überrascht und begeistert. Die Überraschung rührte daher, dass der Schreibstil so gar nicht dem entsprach, den man aus Martins anderen Büchern kannte. "Feuer und Blut" ist kein typischer Fantasy-Roman, es ist eher eine ausgeschmückte Enzyklopädie. Martin hangelt sich an der erdachten Geschichte der Targaryens entlang und bringt dem Leser somit deren Dynastie näher, doch alles ist viel distanzierter und trockener, als in seinen bisherigen Werken. Dennoch war ich wieder einmal beeindruckt, denn auch wenn die Erzählung nicht annähernd so eindrücklich ist, wie es der Kampf um den eisernen Thron war, so erkennt man doch sehr deutlich Martins Handschrift wieder. Seine Liebe zum Detail und die Komplexität des Stammbaums der Targaryens sind einfach wunderbar. Er hat sich über einen Zeitraum von 300 Jahren, in denen die Targaryens herrschten, stark vernetzte Familienkonstruktionen überlegt und das Buch enthält einen äußerst genauen Stammbaum zum Haus der Targaryens, in dem man häufig nachschauen muss, wie genau hier denn der Zusammenhang war.

Bereits bevor ich die erste Seite gelesen hatte, habe ich einen Blick auf die Übersicht zu den Targaryens geworfen, auf der zu sehen ist, wer mit dem Kinder zeugt und welche Ehen die Targaryens eingehen. Das führte dazu, dass sofort ein paar brennende Fragen in meinem Kopf entstanden, da ich unbedingt wissen wollte, warum Maegor so viele Frauen hatte, weshalb Aerys' dritter Sohn den Thron bestieg und nicht der erste, was aus den vielen Kindern von Jaehaerys wurde und was es mit der verwirrenden Thronfolge bei Aegon II. und Aegon III. auf sich hat. Durch den etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil kommt man in der Geschichte nur langsam voran, manchmal gibt es auch kleinere Ausflüge zu anderen Geschichten, die man nur überfliegt, wenn man den Stammbaum vor sich sieht und unbedingt zur nächsten spannenden Konstellation vordringen will.

Das Buch beinhaltet eine wahre Flut von Namen, weshalb es manchmal schwierig ist, den roten Faden zu behalten, dennoch ist er Martin gut gelungen, wichtige Meilensteine in der Geschichte der Targaryens zu betrachten. Man beruft sich in der Geschichte selbst darauf, dass sich die Überlieferungen zu den Targaryens auf Briefe und weitere Dokumente beziehen, die Zeitzeugen schriftlich festgehalten haben. Gelegentlich hätte man bei der Beschreibung etwas anschaulicher vorgehen können, um beim Leser mehr Faszination zu wecken, denn durch den einheitlichen Fluss an Informationen verliert man durchaus hier und da das Interesse. Das liegt vor allem daran, dass einer Intrige sofort die nächste folgt. Wäre man hier wie in "Das Lied von Eis und Feuer" einmal in die Köpfe der beteiligten Personen abgetaucht und hätte ihre Motive genauer betrachten können, hätte man eine ganz andere Verbindung zu den Figuren aufbauen können. Doch durch die distanzierte Betrachtung, bleibt dieses Gefühl der Verbundenheit leider aus.

Die Geschichte der Targaryens war wohl zu umfassend, weshalb Martin sie nicht wie geplant in einem Band abhandelt, sondern während der Regentschaft von Aegon III. pausiert. Es ist also ein zweiter Band geplant, der die weiteren Jahrzehnte bis dem Ende der Herrschaft der Targaryens behandeln soll. Auch wenn es mit dem Blick auf den Stammbaum schade ist, dass man hier mitten drin unterbricht, ist es ganz gut, nach den vielen Fakten eine Verschnaufpause einlegen zu können. Schön ist jedoch, dass es "Feuer und Blut" ab 2022 als Serie zu sehen gibt, da HBO den zweiten Teil der Geschichte unter dem Titel "House of the Dragon" herausbringt.

Fazit

Einerseits ist "Feuer und Blut" ganz eindeutig als Werk von George R. R. Martin zu erkennen, da es so detailliert ist, wie man es aus seinen früheren Werken kennt, andererseits hat man das Gefühl, eine vollkommen fremde Person habe das Buch geschrieben, da man sich nicht so in die Figuren hineinversetzen und mit den Geschichten mitfiebern kann, wie man es nach den anderen Romanen des Autors erwartet hat. Interessant ist die Geschichte der Targaryens allemal, doch sie ist ganz anders verpackt, als man es gedacht hat.

Marie Müller - myFanbase
09.08.2022

Diskussion zu diesem Buch