Bewertung: 7
Morgan, Kass

Die 100

"'Einhundert Kriminelle wie du bekommen die Chance, Geschichte zu schreiben.' Lahiris Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. 'Ihr fliegt zur Erde.'"

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Inhalt

Vor 300 Jahren flüchteten während eines zerstörerischen Atomkrieges drei Raumschiffe von der Erde. Im All überlebten die Nachkommen dieser Menschen unter schwierigen Bedingungen, doch nun neigen sich die Ressourcen dem Ende zu. Deshalb werden einhundert straffällige Jugendliche ausgewählt und zur Erde geschickt. Darunter sind die idealistische Clarke und ihr Exfreund Wells, mit dem sie eine komplizierte Vergangenheit verbindet. Die Jugendlichen stellen schnell fest, dass die Erde zwar bewohnbar ist, dort aber Gefahren lauern und sie einander ebenfalls nicht vertrauen können.

Kritik

Im ersten Absatz dieser Rezension möchte ich kurz auf die Fernsehserie "The 100" eingehen, die nur lose auf der Romanreihe "Die 100" von Kass Morgan basiert. Auch wenn dies von Anfang an vonseiten des Serienmachers Jason Rothenberg und der Autorin betont wurde, sorgt das Cover trotzdem dafür, dass der erste Band wie das Buch zur Serie wirkt. Wer nach Parallelen sucht, wird schnell feststellen, dass kaum welche vorhanden sind, was daran liegt, dass die Produktion der TV-Serie begann, bevor der erste Band überhaupt erschien. Der Plot ist derselbe und auch ein paar der Charaktere - Clarke, Bellamy, Wells und Octavia - wurden mit Änderungen übernommen. Jedoch entwickelt sich die Geschichte vollkommen anders, allein schon durch die für die Serie zusätzlich kreierten Charaktere wie beispielsweise Finn, Jasper und Monty. Wer also mit dem Wunsch an das Buch herangeht, weitere Hintergründe über seine Lieblinge aus der TV-Serie zu erfahren, wird enttäuscht.

"Die 100" lässt sich also problemlos ohne jeglichen Kenntnisse der Fernsehserie lesen und wartet wie viele der in letzter Zeit erschienenen Jugendbücher mit einer Dystopie auf, wobei jene nicht im Vordergrund steht. Das Prinzip einer Klassengesellschaft ist nichts Neues und genau so eine hat sich auf den Raumschiffen gebildet. Das Leben ist dort geprägt von vielen Regeln, die das Überleben der Menschheit sichern sollen, aber gleichzeitig nicht davor zurückschrecken, einige wenige über andere zu erheben. Dies beginnt allein damit, dass die Einwohner der Phoenix über mehr Luxus verfügen, während die Kinder auf der Walden den gleichen Beruf wie ihre Eltern ergreifen müssen. Durch Glass, eine der insgesamt vier Protagonisten, aus deren Sicht die Kapitel abwechselnd geschrieben sind, lernen die Leser diese Gesellschaft besser kennen.

Viel interessanter geschildert sind Ereignisse auf der Erde, nachdem die Jugendlichen dort angekommen sind. Während einige die neue Freiheit nur auskosten wollen, stehen für Clarke, Bellamy und Wells andere Dinge im Vordergrund. Nicht nur wechselt die Erzählperspektive in jedem Kapitel, teilweise sind auch Rückblicke eingebaut, die dem Leser immer wieder neue Informationen liefern und damit den Blickwinkel auf bestimmte Taten ändern. Die Protagonisten entsprechen gewissen Stereotypen. Da ist Clarke, die ihre beste Freundin retten will, Bellamy, der nur seine Schwester beschützen möchte und Wells, der versucht, sein begangenes Unrecht wieder gutzumachen. Glücklicherweise erhalten die Figuren mehr Ecken und Kanten, je weiter die Story voranschreitet.

Zwischendurch baut Kass Morgan immer wieder Anspielungen auf Geschichten wie beispielsweise Rapunzel oder Robin Hood ein, die sich durch die vergangenen Jahrhunderte verändert haben. Für ein wenig Humor ist also gesorgt, während die Geschehnisse an sich eher düster sind. Es entstehen keine Längen beim Lesen, ich war vielmehr überrascht, als ich schnell bei den letzten Seiten angelangte. Dort passiert noch einmal sehr viel, sodass sich der erste Band eher wie lange, aber lesenswerte Einleitung liest.

Fazit

"Die 100" bildet einen gelungenen Auftakt der Romanreihe und führt den Leser in beide Schauplätze gründlich ein. Auch die Figuren, mit all ihren Fehlern, Stärken und Wünschen werden gut vorbereitet. Viel zu schnell ist man bei den letzten Seiten angelangt, auf denen es gerade richtig spannend wird. Der Cliffhanger am Ende schürt definitiv die Erwartung auf den nächsten Band.

Zur Rezension von Band 2 "Tag 21"

Charleen Winter - myFanbase
13.09.2015

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