Bewertung: 7
Dashner, James

Die Auserwählten 2 – In der Brandwüste

"Angst ist gut."

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Inhalt

Nachdem Thomas, Teresa und die Jungs einen Ausweg aus dem tödlichen Labyrinth gefunden haben, glauben sie, sie seien in Sicherheit. Nach einer Mahlzeit und einer heißen Dusche können sie endlich ruhig schlafen und ihre schrecklichen Erlebnisse verarbeiten. Doch schon in der ersten Nacht geschehen merkwürdige Dinge. Teresa verschwindet spurlos, dafür stößt ein weiterer Junge zu der Gruppe. Es stellt sich heraus, dass es eine zweite Gruppe gibt, die jedoch aus vielen Mädchen und nur einem Jungen besteht. Diese Gruppe konnte ebenfalls aus dem Labyrinth entkommen und es offenbaren sich noch weitere erstaunliche Parallelen.

Wirklich merkwürdig wird es jedoch, als ein Mann auftaucht, der den Jungs eine Aufgabe stellt. Sie müssen in zwei Wochen die Brandwüste durchqueren. Hier warten neben heftigen Unwettern und tödlichen Aufgaben auch eine Horde Infizierter auf sie. Die sogenannten "Cranks" haben sich mit einem unheilbaren Virus, dem Brand, angesteckt. Sie verlieren all ihre Menschlichkeit und schon bald wird die ganze Menschheit mit dem Brand infiziert sein. Thomas und seine Begleiter scheinen die Einzigen zu sein, die bei der Suche nach einem Gegenmittel behilflich sein können.

Kritik

Der zweite Teil der Dystopie "Die Auserwählten" schafft es tatsächlich, den Auftakt in den Schatten zu stellen. Während der erste Teil nur Rätsel aufwarf und nie auch nur eine vernünftige Antwort bereit hielt, können in diesem Band kleine Erinnerungsfetzen und Träume zumindest ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und somit der Geschichte deutlich mehr Logik und somit auch Spannung einhauchen.

Thomas kann sich nach und nach an vergangene Treffen und Gespräche erinnern, die ihm deutlich machen, dass er, Teresa und ein weiteres Pärchen das Projekt "ANGST", in dem sie nun als Protagonisten mitwirken, gegründet haben. Mehr und mehr ergibt es einen Sinn, dass er die Aufgaben, die ihm aufgetragen werden, erfüllt und die Gruppe versucht, ihre Ziele zu erreichen. Dass sie diesmal mehrere Orte durchlaufen und auf ihrer Reise auf verschiedene Charaktere treffen, sorgt für etwas mehr Abwechslung. Außerdem sind die Aufgaben, die sie hier erwarten spannender, und mysteriöser als das ständige Durchrennen des ewig gleichen Labyrinths.

Besonders interessant ist die Entdeckung, dass es eine zweite Gruppe gibt, bei der lediglich die Geschlechter getauscht wurden. Zudem wird klar, dass in jeder Gruppe bestimmte Positionen vertreten werden. Es gibt Anführer, Verräter, Partner und ein Opfer, welches durch die jeweils andere Gruppe getötet werden soll. Natürlich schüren diese Rollen Misstrauen untereinander. Auch dass ein fremder Junge zu ihrer Gruppe gestoßen ist, sorgt für Verwirrung. Und was ist eigentlich mit Teresa passiert? Es stellen sich tausende Fragen, doch immerhin bleiben sie in diesem Buch nicht gänzlich unbeantwortet.

Als Thomas Teresa endlich findet, benimmt diese sich seltsam ihm gegenüber. Auch hier sorgen die Entwicklungen zunächst für Staunen und Entsetzen. Teresa soll ihn töten. Die Frau, die er liebt, scheint diesem Plan auch nachkommen zu wollen. Letztendlich verwirrt all das nicht nur Thomas, sondern auch den Leser. Jedoch auf eine positive Weise, denn es erschwert das Weglegen des Buchs. Letztlich geht es immer wieder darum, einen Mittelweg zu finden zwischen dem, was die Probanden der jeweiligen Gruppen mit ihrem Gewissen vereinbaren können und den Aufgaben, die sie erfüllen sollen. Die richtige Entscheidung zu treffen ist nahezu unmöglich. Doch es scheint, als wäre der Brand nur zu besiegen, indem man in bestimmten Situationen menschlich handelt. Dies wird durch gezielte Forderungen, Bedrohungen und die Verschwörungstheorien zwischen den Jugendlichen mehr als erschwert.

Auch die Logiklücken, die noch im ersten Teil den Lesespaß hemmten, finden sich in diesem Band wesentlich seltener. Die Charaktere kommen menschlichen Bedürfnissen nach, handeln auch mal instinktiv und sind nicht nur durch und durch gut oder böse. Etliche Schwächen aus dem Vorgänger wurden ausgemerzt und die gesamte Geschichte erhält endlich Hintergründe und Sinn. Die Vorfreude auf den dritten Teil ist nun wesentlich größer.

Etwas anstrengend gestalten sich allerdings die Liebesbeziehungen. Teresa verschwindet, dafür lernt Thomas eine infizierte Jugendliche kennen, der er ziemlich nahe kommt und die in ihn verliebt zu sein scheint. Dann fällt ihm wieder ein, dass er Teresa liebt, doch die will ihn töten. Dann auf einmal spricht sie nach Ewigkeiten wieder in Gedanken zu ihm und teilt ihm mit, er müsse ihr Vertrauen. Doch dieses Vertrauen nutzt sie immer wieder aus. Nicht nur Thomas weiß nicht mehr, wie es um seine Gefühle bestellt ist, auch für den Leser ist das wirklich schwer nachzuvollziehen. Dies ist nicht das erste Buch, in dem der Protagonist zwischen den Stühlen steht und nicht sofort weiß, zu wem er gehört, doch hier fehlt die Tendenz. Zu oft werden alle Entwicklungen und Entscheidungen wieder über den Haufen geschmissen und schließlich wird es einem fast gleichgültig.

Ähnlich ist es leider auch bei den einzelnen Charakteren. Viele bleiben einfach zu oberflächlich, als dass man wirklich um sie bangen, trauern oder mit ihnen hoffen könnte. Die Verbindungen zwischen den Jugendlichen scheinen zu schwach. Niemand braucht den anderen wirklich. Was fehlt ist die starke Bindung des Lesers an eine oder mehrere Figuren oder auch an eine Beziehung, um voll und ganz in den Bann der Geschichte gezogen zu werden.

Fazit

Eine Fortsetzung, der es gelingt, die Grundidee deutlich zu verbessern, in der jedoch auch noch Platz nach oben bleibt. Diesmal kämpfen die Jugendlichen nicht nur gegen seltsame Mauern und Maschinenmonster, sondern auch gegen die Zeit, die eigenen Schwächen und die Abgründe der Menschlichkeit.

Zur Rezension von "Die Auserwählten - Kill Order"
Zur Rezension von Band 1 "Die Auserwählten - Im Labyrinth"
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Janina Funk - myFanbase
18.01.2013

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