Bewertung
Harris, Charlaine

Vor Vampiren wird gewarnt

Sookie Stackhouse zum zehnten.

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Inhalt

Nach dem Elfenkrieg sind die Tore zu der Welt dieser Geschöpfe geschlossen und Sookie erholt sich nur langsam von den Verletzungen der Schlacht. Es scheint aber endlich Ruhe in Bon Temps eingekehrt zu sein und so kann sich die Kellnerin endlich Gedanken über ihre Gefühle für Eric machen, mit dem sie nach Vampirrecht verheiratet ist. Sie ist sich noch immer unsicher darüber, ob ihre Liebe nicht vielleicht von der Blutsbande herrührt. Schon bald wird ihr beschauliches Leben gestört, denn ihr Elfencousin Claude beschließt bei ihr einzuziehen, angeblich, weil er Sehnsucht nach Elfen hat. Denn der Großteil der Elfen hat sich in ihre eigene Welt zurückgezogen hat und so ist Sookie für ihn das, was einer Elfe als nächstes kommt. Die junge Frau zweifelt an der Aufrichtigkeit von Claudes Worten, aber sie lässt ihn dennoch bei sich einziehen. Kurz darauf wittern Werwölfe den Geruch von fremden Elfen auf ihrem Grundstück und wenig später taucht eine unbekannte Leiche in ihrem Wald auf. Als wäre das alles nicht genug, bekommt Eric auch noch Besuch von seinem Schöpfer und dessen neuen Gefährten, der für allerhand Unruhe und Unmut nicht nur bei Sookie, sondern auch bei den Vampiren sorgt.

Kritik

Charlaine Harris hat ein ganz großes Problem bei ihren Büchern und das ist die riesige Anzahl an Charakteren, die nach zehn Bänden existiert. Leider werden es von Band zu Band auch nicht weniger - gut, im letzten Roman sind durch den Elfenkrieg einige Charaktere gestorben und auch Amelia zieht zu Beginn der Geschichte wieder zurück nach New Orleans, aber viel weniger Personen werden es deshalb auch nicht. Dadurch hat der Leser zu Anfang immer noch alle Hände damit zu tun, sich an die einzelnen Personen und ihre Wichtigkeit in der Geschichte zu erinnern. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, sich im Internet ausgiebig über die verschiedenen Charaktere zu informieren, allerdings bin ich so ein Leser, der gerne auch schon mal ein Buch in einem Rutsch liest, ohne nach jedem Kapitel aufzuspringen und die Entwicklung der erwähnten Charaktere im Internet nachzulesen. Der Vorteil als Zuschauer der Fernsehserie ist, dass man gewisse Figuren, z.B. Alcide, Sam oder Tara, besser in Erinnerung hat, der Nachteil ist natürlich, dass manche Personen in der Serie eine andere Geschichte bekommen als im Buch, was zwischenzeitlich zu kleineren Verwirrungen führt, aber dafür kann die Autorin ja nichts.

Harris ist aber dafür verantwortlich, dass sie sämtliche Charaktere – auch vollkommen unwichtige und uninteressant gewordene - in ihre Geschichte integrieren möchte. Es ist ja ganz nett, durch Sam über die schlechte Entwicklung des Wergeschöpf-Outings zu erfahren, was allerdings in diesem Buch absolut keine Rolle für die Geschichte spielt. Für manch einen ist es vielleicht auch schön zu lesen, dass die Bellefleurs endlich erfahren, wer ihr geheimer Geldgeber ist, und dass Taras Schwangerschaft scheinbar gut verläuft. Genauso wie es mich freut, dass Bill schon bald vermutlich über Sookie hinwegkommt (und er dann hoffentlich im nächsten Band wie Amelia wegzieht), oder dass Sookie ein wenig Zeit mit Hadleys Sohn verbringt. ABER: eine, vielleicht auch zwei, dieser Geschichten würden als kleine Randhandlung reichen, den Rest der Seiten hätte die Autorin dem Haupthandlungsbogen widmen sollen.

So wird der Anfang für den Leser ziemlich zäh und langwierig. Schließlich hat der Leser zum einen, wie oben schon erwähnt, die nahezu unmögliche Aufgabe, sich an die ganzen Charaktere zu erinnern, und zum anderen wird es langweilig, weil Sookie die ersten 200 Seiten fast nichts anderes tut als andere Charaktere zu besuchen. Die eigentliche Handlung kommt erst danach wirklich in Gang. Und das dafüriemlich rasant, denn die zwei Hauptgeschichten müssen auf den verbliebenen 150 Seiten noch zusammengeführt werden. Zwar ist Harris das diesmal besser gelungen als in den letzten Büchern, aber zum Schluss geht es dann schon fast zu schnell und das Buch endet recht abrupt, so dass ich mir nach dem großen Showdown noch weitere zehn Seiten gewünscht hätte, die das ganze langsamer ausklingen lassen.

Es gibt aber auch vier besonders gute Aspekte in diesem Buch und die nennen sich Sookie, Eric, Pam und Claude. Die Interaktionen dieser vier Charaktere machen schon fast wieder alles Negative gut. In diesem Buch erlebt der Leser endlich mal mehr von Sooke und Eric, was zu einigen sehr romantischen, aber auch ernsten Momenten führt. Es macht sehr viel Spaß, endlich mehr über die Beziehung der beiden zu lesen, die in all den anderen Büchern bislang viel zu kurz kam. Während Sookie und Eric für romantische und gefühlvolle Augenblicke sorgen, sind Pam und Claude für den Humor verantwortlich. Fast jeder Dialog von Sookie und Pam ließ mich grinsen, wenn nicht sogar laut auflachen. Die beiden interagieren im Buch so herrlich miteinander, dass ich mir wünsche, dass dies auch zukünftig noch mehr in der Fernsehserie zur Geltung käme. Auch Claude mit seinem unglaublichen Drang, Eric zu sehen, so dass er den Vampir beim Schlafen in seiner Kammer beobachten möchte, oder sein totales Unverständnis für menschliches Verhalten, retten die Situationen, in denen Eric oder Pam nicht zugegen sind. Ohne diese Figuren wäre das Buch, wie schon einige seiner Vorgänger, ein ziemlich kleines Lesevergnügen.

Fazit

Noch immer hat die Geschichte zu viele Charaktere, die die Autorin auch immer mal wieder erwähnen möchte, aber im Vergleich zu den letzten Büchern der Reihe können Pam, Eric, Sookie und Claude die teilweise vorhandene Längen ausgleichen.

Zur Rezension von Band 1 "Vorübergehend tot"
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Ceren K. - myFanbase
22.10.2011

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