Bewertung

Review: #1.04 Alles Berechnung

In Form eines Hockeyspiels wird die Auseinandersetzung zwischen Cappie und Evan fortgeführt, Calvin hat eine wenig überraschende Neuigkeit parat, und Rusty durchlebt wieder die Stadien Lachnummer und Held.

Sportwissenschaftler

Was gibt es im Sport Peinlicheres, als mit voller Überzeugung ein Tor zu schießen, während alle Zuschauer und Mitspieler merken, dass man der gegnerischen Mannschaft einen Bärendienst erwiesen hat? Es gibt nichts Schlimmeres, und natürlich ist diese Erniedrigung Rusty vorbehalten, der einem mal wieder nur Leid tun kann. In diesem Fall ist er aber wirklich selbst schuld, und man will fast behaupten, er hätte es nicht anders verdient. Immerhin tut dieses Erlebnis seinem Engagement keinen Abbruch, und er zieht selbst den Kopf wieder aus der Schlinge, indem er sich als Teamplayer erweist.

Mit Dale übt er fleißig an seiner Schussgenauigkeit. Dabei wird gleich auch deutlich gemacht, dass Sport inzwischen mehr mit Mathematik und Physik zu tun hat als mit Kraft oder Ausdauer. Das ist zwar gerade an diesem Beispiel ein bisschen vermessen, weil Rusty alles andere als die Technik besitzt, um bewusst irgendwelche Winkel in seiner Schlagtechnik einzustellen, aber das ist nicht der einzige Fakt, den man bei dieser sportlichen Auseinandersetzung einfach so hinnehmen muss. Immerhin ist der gesamte Spielverlauf des Finales eigenartig. Die KTΓs sind derart hoffnungslos unterlegen, dass es fast ein Witz ist, dass es nur 3:0 steht. Viel haarsträubender ist dann aber die Tatsache, dass sich das Spiel noch mal dreht, und Rusty die Gunst der Stunde nutzt, während eine Horde anderer Spieler apathisch mit den Schlägern rumstochern, weil sie das Spielgerät ganz woanders vermuten. Das sind dann aber die Stoffe, aus denen die Heldengeschichten gemacht sind, oder so. Sagen wir mal, dass auf den Unterhaltungseffekt und die übergreifende Funktion des Spiels deutlich mehr Wert gelegt wurde als auf gewisse Regeln der Logik, die es auch im Sport gibt.

Duelle

Das Finale, das schon nur durch ein unverständliches Verhalten des Halbfinalgegners der KTΓs möglich war, sollte in erster Linie der Auseinandersetzung von Evan und Cappie dienen, die Präsidenten der jeweiligen Bruderschaften und Buhler um die Gunst von Casey. Diese ist derzeit klar auf Seiten von Evan und mischt sich mit einer geschickten Idee in die Auseinandersetzung ein. Wer die KTΓs kennt, der weiß, dass sie eins besonders gut können und vor allem gerne machen: Feiern. Am liebsten natürlich mit Frauen, die mehr Haut zeigen als bedecken. Das kann man fast schon als Negativdoping bezeichnen, wenn man Konkurrenten derart bewusst außer Gefecht setzt. Man könnte sagen, es habe sie ja niemand gezwungen, aber man muss schon einen stark ausgeprägten Siegeswillen haben, um den aufreizenden ZBZs einfach so zu widerstehen.

Durch diesen Vorschlag kann Casey auch wieder einen kleinen Schlag gegen die weiterhin rotzfreche Rebecca Logan ausüben, die sich nicht geschlagen geben will und alle möglichen Register zieht. Dieses Biest ist mir derart unsympathisch, dass es schon wieder Freude bereitet, ihre Aktionen zu verfolgen. Dieses Duell auf der eher psychischen Ebene grenzt sich auch schön von dem nicht ganz so interessanten Männerduell ab, das auf einer viel animalischeren Eben abläuft. Beide versprechen aber noch viel Unterhaltung. In Zukunft vielleicht auch nicht wieder so aufgesetzt und vorhersehbar wie in dieser sportlichen Episode.

Den Menschen sehen

Die stärksten Phasen hatte diese Episode, als sie sich mit Calvin auseinander gesetzt hat. Dass dieser homosexuell ist, war im Prinzip klar. Überraschend war dann schon eher, dass es nicht wie so häufig die Scham ist, die ihn am Outing hindert, sondern das Schubladendenken der anderen, die nach dieser eigentlich völlig unwichtigen Information alles andere vergessen, was Calvin als Menschen ausmacht. Diese Herangehensweise wusste sehr zu gefallen. Auch der Vater war sehr sympathisch, der einfach nur das Beste für seinen Sohn will und volles Verständnis für all die Entscheidungen seines Sohnes aufbringt. Einen wichtigen Impuls hat er dann aber doch gegeben, weil Calvin das Hockeyspielen sichtlich Spaß macht, und es ein herber Verlust wäre, wenn er aus Prinzip nicht mitspielen würde.

Highlight der Episode war dann das Gespräch von Rusty und Calvin, der sich ihm gegenüber öffnet und somit dem ersten Menschen in seinem Lebensabschnitt erzählt, dass er homosexuell ist. Rusty reagiert erst überfordert und dann so was von sympathisch, dass man ihn nur in den Arm nehmen will. Er hat den gesamten Menschen im Blick und denkt gar nicht daran, etwas anderes zu sehen. Calvin kann wirklich froh sein, Rusty als Freund zu haben, und es ist wohl davon auszugehen, dass er ihn auch noch brauchen wird, wenn er den nächsten Schritt wagt.

Fazit

Die Geschichte um Calvin kann vollkommen überzeugen und auch die Fortführung der Konflikte weiß zu gefallen. Allerdings sind die Grundpfeiler dafür zu sehr aus dem Boden gestampft, um einen wohligen Bogen über die Episode zu ziehen.

Emil Groth – myFanbase

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