Bewertung: 3
Ulrike Kofler

Was wir wollten

Foto: Elyas M'Barek & Lavinia Wilson, Was wir wollten - Copyright: Courtesy of Netflix
Elyas M'Barek & Lavinia Wilson, Was wir wollten
© Courtesy of Netflix

Inhalt

Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M'Barek) sind glücklich verheiratet, doch eines fehlt ihnen zum absoluten Glück: ein Kind. Nach mehreren gescheiterten In-vitro-Behandlungen suchen sie etwas Abstand vom Alltag auf Sardinien im Urlaub. Doch sie reden nicht über das, was sie beschäftigt und dann zieht eine Familie aus Tirol neben ihnen ins Ferienhaus, die ihnen all das vor Augen führt, was ihnen fehlt. Doch ein tragisches Ereignis verändert alles.

Kritik

Elyas M'Barek ist ohne eine Frage einer der großen deutschen Kinostars des letzten Jahrzehnts gewesen. Ich kenne ihn schon seit der deutschen Serien "Türkisch für Anfänger" und da ich ihn seitdem auch nur in Komödien gesehen haben, ist natürlich eine gewisse Genrebindung bei ihm entstanden. Dennoch ist es für den Schauspieler nicht der erste Ausflug ins Genre Drama, da er beispielsweise in "Der Fall Collini" zu sehen war und dafür auch gute Kritiken eingefahren hat. Diesen Film habe ich bislang noch nicht gesehen, so dass das Drama "Was wir wollten" nun tatsächlich mein erster Versuch mit M'Barek in diesem Genre ist. Nach den 90 Minuten finde ich es aber schwer, ein endgültiges Urteil zu fällen. Während ich M'Barek die Eignung für das Genre Drama nicht absprechen möchte, so finde ich ihn für den konkreten Film, aber vor allem als Gegenüber von Lavinia Wilson fehlbesetzt.

Wilson als Hauptfigur Alice ist sicherlich der Mittelpunkt dieses Films, da ihre Perspektive deutlich eindringlicher gestaltet worden ist. Ihr steht "Was wir wollten" auch wirklich gut, weil dieser unbedingte Kinderwunsch, der sie die Nachbarsfamilie im Urlaub hassen und lieben gleichermaßen lässt, ist wirklich überzeugend für den Zuschauer transportiert worden. Jedoch fand ich ihre Chemie mit M'Barek schlichtweg nicht vorhanden. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich habe ich nicht nachvollziehen können, warum Alice und Niklas ein Paar sind. Natürlich erleben wir das Paar nur zu einem Zeitpunkt, als ihre Beziehung zueinander bereits belastet ist, aber selbst am Knackpunkt einer Ehe kann man oft noch nachvollziehen, was die beiden einst zusammengeführt hat, aber das war hier zu keinem Zeitpunkt gegeben. Zudem hat Wilson M'Barek regelrecht an die Wand gespielt, was diesem in den letzten Jahren wohl nicht mehr passiert ist. Daher ist für mich vollkommen klar, dass großer Name nicht immer alles ist, hier ist er für mich falsch besetzt worden.

Abgesehen von den Schauspielern möchte ich noch einen Blick auf den Inhalt werfen. Ich persönlich fand das erzählte Zeitfenster viel zu kurz gegriffen. Sicherlich gab es mit dem gemeinsamen Urlaub, mit dem Abstand vom Alltag gewonnen werden soll, eine gute Vorlage, aber dennoch fand ich, dass sich der Film so selbst etwas an Explosivität und vor allem an intensiver inhaltlicher Beleuchtung verwehrt hat. Zunächst redet das Paar nicht über den Elefanten im Raum, nur um dann nach und nach sich alle hässlichen Gedanken an den Kopf zu hauen. Ein einziger dramatischer Moment sorgt dann wieder für die Umkehr. Das ist für so ein sensibles Thema eindeutig zu knapp kalkuliert, um wirklich nachzuhallen. Dennoch lassen sich wichtige inhaltliche Ansätze zu dem Thema durchaus finden, wie beispielsweise die sexuelle Hemmung, da Sex nur noch zur Fortpflanzung gedacht ist oder aber die Liebe, die immer mehr verschwindet, weil man sich nicht gegenseitig das schenken kann, was man am meisten ersehnt. Jedoch bleibt die Auseinandersetzung damit einfach nicht hängen.

Fazit

"Was wir wollten" wird leider aus gleich mehreren Gründen kein Film sein, der lange nachhallen wird. Zum einen ist M'Barek meiner Meinung nach fehlbesetzt, weil Wilson den Film beherrscht und er dagegen nicht ankommt, zum anderen sind die einzelnen Komponenten allesamt zu oberflächlich geraten, so dass auch die Gesamtkomposition nicht stimmen kann. Was der Film letztlich eigentlich erreichen wollte, kommt nicht heraus.

Lena Donth - myFanbase
16.11.2020

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