Bewertung: 7
Barry W. Blaustein

Voll verarscht - Dabei sein ist alles

Darf man Witze über Behinderte machen?
Wir hatten den zweiten Weltkrieg, das durfte nicht sein. Wir haben George Bush, das darf nicht sein. Das sind die wahren Tabuthemen.

Gut, dass es jetzt "The Ringer – Dabei sein ist alles" gibt. Man darf endlich Witze über Behinderte machen. Punkt. Aus. Basta. Ende.

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Inhalt

Eines Tages, so will es das Schicksal, muss der überaus erfolgreiche Bürohengst Steve Barker (Johnny Knoxville) den kleinen ausländischen Toilettenmann Stavi (Luis Avalos), der von sich immer in der dritten Person redet, feuern.

Die beiden kennen sich schon Zeit des Arbeitens und Stavi hat doch so viele Erinnerungen an seinen Arbeitsplatz… Steve fällt das wahrlich nicht einfach, also bietet er ihm an, er könne doch für ihn arbeiten - den Rasen vor seinem Apartment mähen. Allerdings, vorerst ohne Krankenversicherung. Soviel Geld hat Steve nun auch wieder nicht...

Zicke Zacke Hühnerkacke, Stavi metzelt doch tatsächlich seine Finger mit dem Rasenmäher ab und er ist nicht krankenversichert. Eine Operation kostet 10.000 Dollar. Spätestens hier hat jeder gemerkt, dass die Farrelly Brüder (Verrückt nach Mary, Schwer verleibt, Me, Myself & Irene) ihre Finger als ausführende Produzenten mit im Spiel haben.

Der operierende Arzt sagt, tiefgekühlt halten die Finger etwa zwei Wochen.
Steve braucht also schnellstmöglich die 10.000 Dollar. Was tun?

Steve ruft seinen Onkel Gary (Brain Cox) an und versucht ihm die alte Nummer aufzutischen: "Ähm, du schuldest mir noch Geld"... Bringt natürlich nichts, aber Steve und Gary haben eine grandiose Idee! Steve schmuggelt sich bei den Special-Olympics ein. Mit seiner athletischen Figur und früheren Schauspielkurs an der High School dürfte das kein Problem sein…

Kritik

Wer nach dem Film gerne von dem Film erzählen möchte, seine Kritik äußern möchte, seinen Frust los werden will, wird wahrscheinlich hören "Special-Olympics? Gibt es nicht! Es heißt Paralympics!" Der kann jetzt direkt mit fundierten Expertenwissen zurück kontern: Paralympics = für die körperlich Behinderten / Special Olympics = für die geistig Behinderten.

The Ringer ist ein Film, der wirklich überrascht. Man traut Grobmotoriker Johnny Knoxville (MTV Jackass) niemals im Leben zu, glaubhaft einen Behinderten verkörpern zu können.

Obwohl, vielleicht kann der Jackass Star das gerade wegen seinen grobmotorischen Fähigkeiten ganz besonders gut... Und eigentlich spielt Knoxville ja auch nur einen Charakter, der einen Behinderten spielt. Eine Szene fast zu Beginn des Films, da studiert Knoxville Forrest Gump ein und versucht Tom Hanks Rolle nach zu spielen. Herrlich!

Solche Gags ziehen sich auch weiter durch den Film. Wichtig ist auch, dass der Film sehr viel Respekt vor Behinderten und ihrer Sportart zeigt. Selbst die Behindertengruppe im Kinosaal (toller Schachzug des Verleihs diese einzuladen) haben den Film äußerst positiv aufgenommen und während der Vorstellung selbstironische Kommentare reingerufen…

Das war sehr interessant zu beobachten, da Selbstironie vielen Ottonormalverbrauchern sehr sehr schwer fällt…

Fazit

Wer den derben Humor der Farrelly Brüder mag, ist hier sehr gut aufgehoben. Aber wie gesagt, The Ringer zeigt viel Respekt den Behinderten und ihrer Sportart gegenüber. Er wird mit Sicherheit kein Kassenschlager werden wie der Da Vinci Code *hust*, aber The Ringer ist ein Film, der den Zuschauer wirklich überrascht. Ein Film, den man sich gerne angesehen hat.

René von Bork - myFanbase
24.05.2006

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