Bewertung: 5
Jeff Tremaine

Jackass: Bad Grandpa

Mit 86 wieder Single und der Genuss von Freiheit.

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Billy (Jackson Nicoll) hat es als Junge ganz schön schwer. Seine Mutter muss ins Gefängnis und sein Vater, der sehr asozial vor sich hinlebt, soll von nun an für ihn sorgen. Sein 86-jähriger Opa Iriving Zisman (Johnny Knoxville) erhält die Aufgabe, Billy zu dessen Vater zu bringen. Während der Reise erleben sie sämtliche Pannen und schräge Momente, wie beispielsweise einen Ladendiebstahl oder Billys Mitmischung in einem Schönheitswettbewerb, die Opa und Enkel enger zusammenschweißen. Zu Beginn ist Irving zwar nicht begeistert, nach der erlangten Freiheit durch den Tod seiner Frau seinen Enkel an der Backe zu haben, doch im weiteren Verlauf lernt er Billy als Enkel wertzuschätzen.

Kritik

Als ich eingeladen wurde, mir diesen Film anzugucken, war mir ganz unwohl in der Bauchgegend, war doch "Jackass" eine Show, um die ich bislang sehr gerne einen Bogen machte. Mit den Albernheiten und dem Humor, der zumeist auf Ekel basiert, konnte ich mich einfach nie anfreunden. So überraschte mich "Jackass Presents: Bad Grandpa" positiv, da ich auf die Leinwand sehen konnte, ohne von Übelkeit geplagt zu werden.

Die Idee, fremde Leute heimlich zu filmen und ins Geschehen einzuschleusen, ist generell ungemein witzig, da die Reaktionen nachvollziehbarerweise sehr oft von Stirnrunzeln, Schockstarre und Verdutztheit geprägt sind. Doch das alleine macht einen guten, lustigen Streifen noch nicht aus. Der größte Triumph im Film ist das Opa-Enkel-Gespann an sich, das reihenweise nur Dummheiten anstellt und sehr viele Lacher auf seiner Seite hat. Manche Gags sieht man schon meilenweit kommen, während einzelne Einfälle herrlichst überraschen und dann noch viel witziger zur Geltung kommen. Mein Lieblingsmoment ist, als Billy verkleidet als Göre beim Schönheitswettbewerb mitmischt. Plötzlich rockt er auf der Bühne ab, legt eine sehr gewagte Show hin und sieht dabei aus wie die Kinderausgabe von Christina Aguilera, zugegeben jedoch um einiges rundlicher als die genannte hübsche Blondine. Sehr banal hingegen ist die Furzszene im Restaurant, in der nochmals das alte "Jackass"-Muster durchblitzt und man sich einfach nur schrecklich angewidert fühlt. Dennoch hat der gesamte Kinosaal schallend gelacht. 

Storytechnisch ist der Film jedoch weit weniger überzeugend. Die Situation zwischen dem Opa und Billy wird zwar schon vertieft und bereitet sogar etwas Herzerwärmen. Doch die Story bezüglich Irvings verstorbener Frau ist einfach nur blödsinnig inszeniert. Keine Person würde nach dem Verlust eines geliebten Menschen derartig reagieren, wobei hier die berechtigte Frage ist, wie tief die Liebe der beiden überhaupt war. Hier greift man in die Kiste des sehr derben schwarzen Humors. Gefallen hätte es mir noch, etwas mehr Billys Familiensituation zu durchleuchten. Jedoch war bei all den Gags, auf die der Film sich stützt, dafür wohl kein Platz mehr.

Sympathieträger des Filmes ist eindeutig Billy, der auf gelungene Weise von Jackson Nicoll dargestellt wird. Seine offenherzige Art und besonders seine Fragetechnik bringen einen ständig zum Lachen. Außerdem hat man mit diesem Charakter auch Mitleid, da er von so vielen sich asozial verhaltenden Personen umgeben ist, die kein gutes Vorbild abgeben. Apropos: Johnny Knoxville als böser Opa Irving Zisman macht es ebenfalls ganz ordentlich. Die Handlungsweise dieses Charakters kommt zwar völlig absurd rüber, andererseits muss das höhere Alter nicht bedeuten, dass Schluss mit dem Spaß ist. Aber die Hintergründe fehlen, die Irvings Person verständlicher machen würden. Dennoch ist es beeindruckend zu sehen, wie Johnny Knoxville einen 86-jährigen mimt und dabei mit seinen Sprüchen und der Mimik den Zuseher durchgehend amüsiert.

Fazit

Ein Film, der hauptsächlich humortechnisch durch die Stunts und Streiche von Enkelchen Billy und seinem bad bad Opi überzeugen kann. Da muss man so viel lachen und schüttelt immer wieder den Kopf, sodass man fast vergisst, dass die Story selbst sehr an den Haaren herbeigezogen ist. Insgesamt wirken viele Momente einfach auch nur extrem fragwürdig. Popcorn-Kino und diesmal in "Jackass" beinahe ohne Ekelfaktor. 

Samuel W. - myFanbase
12.11.2013

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