Bewertung: 3
Francis Ford Coppola

Twixt - Virginias Geheimnis

"There was once upon a time a town not far from a big city. A road ran through, but there were only a few businesses. [...] Well, it was a town of those who wanted to be left alone. And so they were."

Foto: Copyright: 2012 STUDIOCANAL GmbH
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Inhalt

Hall Baltimore (Val Kilmer) ist ein bekannter Autor von Hexenromanen, doch seine Karriere ist ins Stocken geraten. Spätestens, als sich Hall im Rahmen einer Werbetour für sein neuestes Buch in einer verschlafenen Kleinstadt wiederfindet und dort den kauzigen Sheriff Bobby LaGrange (Bruce Dern) kennenlernt, ist auch ihm das bewusst. Der Sheriff erzählt ihm von einer mysteriösen Mordserie, die sich hier ereignet hat, doch erst als Hall im Traum von V. (Elle Fanning), einem Geist, heimgesucht wird, beginnt er, eine Verbindung zwischen den Morden und dem Schicksal um das geheimnisvolle Mädchen zu suchen. Dafür taucht er zunehmend in die rätselhafte Kleinstadt mitsamt ihren schrulligen Charakteren ein und wird hierbei ungewollt mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Kritik

Es gab eine Zeit, da hat die gesamte Filmwelt auf ein neues Werk von Mastermind Francis Ford Coppola gewartet. Ganze fünf Oscars gewann er und hat sich mit "Apocalypse Now" und den ersten beiden "Der Pate"-Filmen zweifellos unsterblich gemacht. Nach aus kommerzieller Sicht zwei erfolglosen Jahrzehnten, zog sich Coppola zehn Jahre zurück, um 2007 mit "Jugend ohne Jugend" schließlich zurückzukehren. Es wäre wahrscheinlich ein Leichtes gewesen, allein aufgrund seines guten Namens einen namhaften Cast nach dem anderen um sich zu scharen und bei Filmen Regie zu führen, die zumindest ihre eigenen Kosten wieder einspielten und vielleicht sogar bei Kritikern vergleichsweise gut ankamen.

Aber Coppola war wagemutig: Er wollte Filme drehen, als ob er noch an der Filmhochschule wäre. Er wollte Grenzen ausloten, sowohl visuell als auch inhaltlich. Natürlich war ihm auch wichtig hierbei, was andere von seinen Werken hielten. Aber letzten Endes war er nicht mehr darauf angewiesen, Publikumsmagnete oder Kritikerlieblinge zu produzieren und das merkte man auch. Er hatte genug Geld verdient und war nun bereit, es in Filme zu investieren, die er auch tatsächlich ohne jegliche Zugeständnisse machen möchte. Nach den ambitionierten, aber nicht vollends überzeugenden "Jugend ohne Jugend" und "Tetro" sollte mit "Twixt", das auf einem Traum Coppolas beruht, nun also endgültig die Genialität für jeden ersichtlich sein. Das Problem hierbei ist jedoch, dass sein neuestes Werk aus der guten Idee zu wenig macht und sich in einer überraschungsarmen wie klischeebeladenen Handlung mitsamt gewöhnungsbedürftiger Optik verzettelt.

Jemandem wie Val Kilmer steht die Rolle eines drittklassigen Autoren, der seine besten Tage hinter sich hat, natürlich ausgesprochen gut, ist er doch als Schauspieler nur noch in minderwertigen Direct-to-DVD-Produktionen zu sehen. "Twixt" wird sicherlich nicht dazu führen, dass sich daran etwas ändert. Dies ist jedoch weniger die Schuld eines offensichtlich außer Form geratenen Val Kilmer, der nicht nur wegen des Pferdeschwanzes mittlerweile an Steven Seagal erinnert, sondern ist vor allem einem Drehbuch zuzuschreiben, das nicht weiß, was es eigentlich will. Dabei beginnt der Film ausgesprochen vielversprechend mit einem von Singer-Songwriter-Legende Tom Waits gesprochenen Eröffnungsmonolog, der zwar ein "Twin Peaks"-ähnliches Setting ankündigt, jedoch stimmig genug ist, um entsprechende Erwartungen zu schüren.

Als dann jedoch Hauptcharakter Baltimore mit einer Hintergrundgeschichte ausgestattet wird, die letzten Endes nur ein durchsichtiger Trick ist, um dem Film im entscheidenden Moment den letzten Schubs nach vorne zu geben, ahnt man so langsam, dass die Idee, Träume zu Filmen zu machen, auch daneben gehen kann. Träume können nun mal auch einfach ein Sammelsurium unterschiedlichster Eindrücke sein, die sich zu einem lediglich bedingt harmonischen Ganzen zusammenfügen. Genau dies ist bei "Twixt" geschehen. Soll der Film teilweise autobiographisch sein, oder warum muss Baltimores Tochter ausgerechnet bei einem Bootsunfall ums Leben kommen, wo doch Coppolas Sohn Gian-Carlo in den 80er Jahren dasselbe Schicksal ereilte? Vor allem aber: Was soll man als Zuschauer damit anstellen?

Dazu kommen Traumsequenzen, die Horror versprühen sollen, jedoch viel zu oft wie unoriginelle Adaptionen aus diversen Genrevertretern wirken und nie den Gothic-Charme versprühen, den sie eigentlich sollen. Und dann werden sie auch noch in eine penetrante Optik gepresst, die von Monochromie mit gezielten Farbakzenten geprägt ist und (wohl eher unfreiwillig) wie Episoden aus "Sin City" wirken. In diesen Szenen scheint sich Coppola selbst nicht so ganz sicher zu sein, ob er nun eigentlich einen Film über Geister oder über Vampire macht. Hauptsache, man gruselt sich und wird mit einer für das Setting nicht passenden Unmenge an Blut konfrontiert. Dazu kommen Skype-Sessions zwischen Baltimore und seiner Frau, die deplatziert wirken und sowohl Stimmung als auch Handlungsfluss des Films nachhaltig stören. Und was hat der Geist von Edgar Allan Poe (!), der Baltimore hilft, den Fall aufzulösen (!!!), eigentlich da zu suchen? Da muss man schon fast Mitleid mit Elle Fanning haben, die im Film von Coppolas Tochter Sofia "Somewhere" wohl so viel Eindruck hinterließ, dass sie nun vom großen Vater engagiert wurde, und in "Twixt" genauso gut von jedem anderen 12- oder 13-jährigen Mädchen hätte dargestellt werden können.

Fazit

"Twixt" enthält so manche gelungenen Elemente, ist am Ende aber insbesondere eines: Der Beweis dafür, dass ein in die Jahre gekommener Regisseur auch mal so richtig daneben liegen kann. Nicht umsonst meinen viele Kritiker, dass in einer perfekten Welt Coppolas Filme in umgekehrter Reihenfolge hätten gedreht und veröffentlicht werden sollen. Dann hätte man begonnen bei unfokussierten und unausgegorenen Adaptionen grundsätzlich guter Ideen, die man jemandem zu Beginn seiner Karriere noch verzeiht, und wäre am Ende bei Meisterwerken wie "Apocalypse Now" oder "Der Pate" gelandet. Aber sie ist eben nicht perfekt, die Welt.

Andreas K. - myFanbase
02.12.2012

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