Bewertung: 6

Coriolanus

"Despising, for you, the city, thus I turn my back: There is a world elsewhere."

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Inhalt

Das arme Volk Roms muss hungern und leiden, während es den Reichen sehr gut geht. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Essens- und Speichervorräte nicht freigegeben werden. Durch diesen Umstand verlangt das Volk Brot und der General Caius Martius Coriolanus (Ralph Fiennes) muss sich ihnen und dem Widerstand, angeführt von Tullus Aufidius (Gerard Butler), stellen. Erfolgreich kann er sich ihnen widersetzen und dadurch seine Position als Held Roms stärken. Nach dem Sieg gegen Aufidius möchte er sich politisch engagieren und zum Konsul ernannt werden. Bei diesem Unterfangen wird er von seinem Mentor Menenius (Brian Cox) und insbesondere von seiner Mutter Volumnia (Vanessa Redgrave) unterstützt. Sie ist für ihn ein größerer moralischer Anker, als seine Ehefrau Virgilia (Jessica Chastain). Anfangs scheint es keine Probleme mit der Abstimmung zu geben, doch dann fordert das Volk die Verbannung von Coriolanus. Dieser schwört seiner Stadt Rache und begibt sich dafür zu seinem Erzfeind Aufidius.

Kritik

Der Schauspieler Ralph Fiennes, für viele wohl besser durch die Darstellung des Lord Voldemort in "Harry Potter" bekannt, und auch aktuell im neuen James-Bond-Film "Skyfall" zu bewundern, feierte mit diesem Film 2011 auf der Berlinale sein Regiedebüt. Dabei hatte er mit diesem Film sogar eine Doppelrolle abzuliefern, nämlich die hinter und die vor der Kamera, denn er spielt hierbei selbst die Hauptrolle des Kriegers Caius Martius. Wieso sich Fiennes ausgerechnet ein Stück von Shakespeare ausgewählt hat, liegt klar auf der Hand: Vor seiner Karriere als Filmschauspieler hatte er eine als Theaterschauspieler, bei welcher er unter anderem schon einmal die Rolle des Coriolan getragen und gemeistert hat.

Das besondere an diesem Film ist nicht die Tatsache an sich, dass ein weiteres Stück von Shakespeare im Übrigen sein letztes verfilmt worden ist, sondern dass die Sprache eins zu eins in die Moderne übernommen worden ist - in ein modernes, aber fiktives Rom, das in Osteuropa abgedreht und unverkennbar gemacht worden ist. Diese Idee der Modernisierung alter Werke ist hierbei nicht neu. Der Regisseur Baz Luhrmann etwa hat dies mit seiner Interpretation von "Romeo & Julia" 1996 wunderbar präsentiert. Wohl gleich sollte hierbei kein Shakespeare-Stück mit einem anderen verglichen werden. Dies bietet sich hier auch gar nicht an, da die Persönlichkeiten völlig verschiedene sind.

Für die Besetzung der Charaktere musste sich Fiennes sicherlich viele Gedanken machen, hat aber ein geschicktes Händchen bewiesen, als er beispielsweise Vanessa Redgrave ("Anonymus") als Volumnia engagierte. Ihre Präsenz, neben der von Fiennes selbst, ist es, die diesen Film äußerst sehenswert macht. Den Fokus legte Fiennes nämlich nicht auf die Gefechte und Auseinandersetzungen im Sinne von Waffengewalt, sondern auf die Dialoge. Diese werden unter anderem dadurch bekräftigt, dass ununterbrochene Nahaufnahmen gezeigt werden, bei welchen die Augen eine entscheidende Rolle spielen. Diese sagen in den meisten Fällen mehr aus, als jedes gesprochene Wort, wobei dies schon wieder relativ zu sein scheint, bei einer solch guten Vorlage. Die Person des Coriolan gelingt Fiennes indes sehr gut, da er sowohl die Härte und die Abscheu auf das arme Volk wunderbar wiedergibt, als auch die sanftmütige und zugleich sture Persönlichkeit.

Durch diese Fixierung auf die charakterliche Darbietung, welche einfach nur genial ist, verliert der Film aber an vielen Stellen. Unter anderem wird das Leiden der Bevölkerung mehr als mager vermittelt, ebenso wurde auch die Übertragung von modernen Kommunikationsmitteln nicht völlig ausgeschöpft. Teilweise agiert das Geschehen trotz allem noch wie zur Antike. Stellenweise wird völlig außer Acht gelassen, dass es so etwas wie das Internet oder Wahlsysteme gibt. Coriolanus muss sich die Gunst des Volks wie die alten Römer in einem Forum erhaschen, und nicht beispielsweise über Live-Konferenzen oder TV-Debatten. Lediglich ein Mal kommt es zu einem Kameraauftritt, der aber sehr fragwürdig in seiner Verbannung mündet.

Fazit

Trotz seiner Fehler ist dieser Film ein gutes Regiedebüt, welches trotz der Eins-zu-Eins-Übertragung von Shakespeares Dialogzeilen nicht schwer verständlich ist, selbst für diejenigen, die das Stück nie gelesen haben.

Ignat Kress - myFanbase
24.11.2012

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