Bewertung: 7
George Gallo

Farben des Herbstes, Die

One Master. One Student. One Summer To Dream.

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Inhalt

Die Leidenschaft des junge John Talia (Trevor Morgan) ist die Malerei. Sie steht im Zentrum seines Lebens und macht sein Leben erst so richtig lebenswert. Als er durch Zufall erfährt, dass eines seiner großen Vorbilder, der russische Maler Nicoli Seroff (Armin Mueller-Stahl) gar nicht allzu weit von seinem Haus zurückgezogen lebt, beschließt er, diesem einen Besuch abzustatten, um ihm um Nachhilfe in der Kunst der Malerei zu bitten. Zunächst reagiert Seroff sehr abweisend und schroff auf die Bitten des jungen Künstlers, doch nach und nach entwickelt sich so etwas wie Zuneigung und Seroff lädt John dazu ein, ihn für die Ferien auf sein Sommerhaus zu begleiten, wo sich langsam eine enge Freundschaft zwischen den Beiden zu entwickeln beginnt.

Kritik

Da dreht also der Drehbuchautor von Actionreißern wie "Bad Boys" und "Midnight Run" einen Film über die Liebe zur Malerei. Ein Filmschaffender, dessen Filmographie fast ausschließlich aus schlichten Actionkomödien zu bestehen scheint, widmet sich einem Film, welcher wohl das komplette Gegenteil von jeglichen überdrehten Actionwerken darstellt, für die er sonst mitverantwortlich war. Kann das funktionieren? Es kann, ist Regisseur und Drehbuchautor George Gallo nicht nur im Filmbusiness tätig, sondern arbeitet nebenher auch als Maler von impressionistischen Landschaftsbildern. So kann dieses Werk wohl als sein persönlichstes bezeichnet werden und so wird auch am Anfang des Films gleich festgestellt, dass es sich hier um eine Geschichte handelt, die auf wahren Tatsachen beruht. Der im Fokus stehende Maler Nicoli Seroff existierte zwar nicht, aber dafür ein ihm sehr ähnlicher Maler, welcher Gallo in seiner Jugend stark beeinflusst hat und dem er jetzt ein filmisches Denkmal setzt.

Dass Regisseur Gallo selbst als Maler tätig ist, merkt man dem Film in jeder Einstellung positiv an. Jede Landschaftsaufnahme dieses Werkes ist ein wunderschönes Kunstwerk an sich. Die Liebe zur klassischen Kunst wird in jeder Sekunde spürbar und ist auch ein zentrales Thema des Films. So kann sich der in die Jahre gekommene Maler Seroff überhaupt nicht mit der modernen Gegenwartskunst anfreunden, welche immer abstrakter und abgehobener wird. Die Konfrontation vom traditionellen Künstler Seroff mit der modernen Kunst wird in einer zwar sehr überspitzt gestalteten, aber deshalb auch umso unterhaltsameren Szene gut dargestellt: So findet sich der alte Maler in einer Ausstellung wieder, bei der junge hippe Künstler ihre abgehobenen Pseudo-Kunstwerke vorstellen, die manchmal auch einfach nur aus einer schwarzen Leinwand bestehen, was Seroff schließlich vollkommen ausrasten lässt.

Die Gegenüberstellung von traditioneller und gegenwärtiger Kunst macht einen Teil des Films aus, ein viel größerer aber ist der Freundschaft zwischen Seroff und dem jungen Teenager John gewidmet, der in Seroff nicht nur ein Vorbild, sondern auch einen Freund sieht. Wie die Beiden sich nach und nach annähern und schließlich Freunde werden ist dramaturgisch und erzählerisch zwar nicht sonderlich innovativ, geht einem in einigen Momenten dann aber doch sehr ans Herz. Letzteres ist es dann auch, was diesen Film im Grunde auch wirklich sehenswert macht: sein großes Herz. Hier merkt man in jeder Sekunde, dass ein Regisseur am Werk ist, der die Malerei liebt und diese Leidenschaft springt dann nach und nach auf den Zuschauer über, auch wenn man selbst nicht gerade ein Student der Kunstgeschichte ist. Der Film wird von einer stimmungsvollen, leisen Melancholie und Wärme getragen, die berührt und dazu führt, dass man sich in diesen wunderschönen Bildern komplett verlieren kann.

Die allergrößte Stärke liegt dann aber doch im Hauptdarsteller des Films, der mit dem deutschen Charakterschauspieler Armin Mueller-Stahl nicht besser hätte besetzt werden können. Mueller-Stahl dominiert jede Szene mit seinem präzisen, aufrichtigen und emotionalen Spiel vollständig. Mueller-Stahl, der auch selbst als Maler tätig ist, nimmt man diese Rolle vollständig ab und gerade durch seine Leistung geht einem die Lebensgeschichte dieses vom Schicksal gebeutelten Mannes so richtige nahe. Die fulminante Leistung von Mueller-Stahl hat aber auch einen Nachteil: Die anderen Darsteller, hier ist vor allem der junge Trevor Morgan gemeint, fallen da ein wenig ab und Morgan wirkt das ein um andere Mal ein wenig verloren neben diesem Schauspielurgestein und schafft es nicht, selbst Akzente zu setzen. In Nebenrollen sind dann noch bekannte Mimen, wie Ron Perlman und Ray Liotta zu sehen, dessen Figuren aber zu oberflächlich gezeichnet sind, so dass sie kaum wirklich die Möglichkeit zur Entfaltung bekommen.

Dies ist dann auch der Punkt, der den Film davon abhält, ein wirklich großer zu sein: Die Figur des Malers Nicoli Seroff wird richtig gut herausgearbeitet, bei den anderen Charakteren funktioniert dies aber kaum: So entwickelt die Geschichte um den jungen John nie wirklich Tiefe, seine familiären Probleme werden nur kurz angerissen und auch die Beziehung zu der bildhübschen Carla wird nie wirklich ausgereizt. Genau diese Carla ist dann auch eine Person im Film, die viel Potenzial für eine weitere filmische Ebene gehabt hätte, die dann aber schlussendlich nicht wirklich genutzt wird. So ist die Charakterarbeit insgesamt nicht wirklich gelungen, was den Film dann auch nicht zu dem großen Film macht, der er hätte sein können.

Fazit

Eine wunderbar melancholische, traumhaft schöne Bildsprache, ein ganz groß aufspielender Hauptdarsteller und eine bewegende Geschichte zeichnen diesen Film aus. Leider gelingt es Regisseur und Drehbuchautor George Gallo nicht, den anderen Figuren mehr Tiefe zu verleihen, was diesen Film dann zwar zu einem sehenswerten, aber nicht großartigen macht.

Moritz Stock - myFanbase
16.02.2012

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