Bewertung: 5
Shi-Zheng Chen

Dark Matter

Die wahre Geschichte des Amoklaufs an der University of Iowa.

Foto: Copyright: 2011 Universal Pictures
© 2011 Universal Pictures

Inhalt

Liu Xing (Ye Liu) hat ein Stipendium bekommen und ist nun mit großen Hoffnungen seiner Eltern in die USA gekommen, um an der Valley State University in Salt Lake City Kosmologie zu studieren. Dort lehrt auch sein großes Idol Professor Reiser (Aidan Quinn), in dessen Arbeitsgruppe er kommen will. Während er gemeinsam mit anderen Studenten an Reisers Theorien arbeitet und dabei auch seinen eigenen Werdegang voran treibt, wird er privat durch die Stiftung in Person von Joanna Silver (Meryl Streep) betreut, die selbst von der asiatischen Kultur fasziniert ist und als Bindeglied fungiert.

Liu Xings Arbeit an Reisers Theorien führt auch zu eigenen Ideen, die er nach und nach weiterentwickelt und für seine Abschlussarbeit nutzt. Doch statt seine genialen Ideen anzunehmen, zu erkennen und zu verstehen, sind es die universitären Auflagen und Missgunst, die ihm immer wieder Steine in den Weg legen. Während er seinen Eltern nur gute Nachrichten übermittelt und behauptet, alles laufe nach Plan, muss er tatsächlich mit einigen Enttäuschungen leben, die es langsam aber sicher in ihm brodeln lassen.

Kritik

Wie eigentlich immer, wenn ein Film auf einer wahren Geschichte basiert, ist die erste Frage, ob diese Basis sehr viel mit dem Film gemein hat oder ob die Realität doch anders aussah. Da die wahre Geschichte inzwischen 20 Jahre her ist, kann die eigene Erinnerung nicht weiterhelfen. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass das Attentat am 1. November 1991 an der Universität von Iowa passierte und von einem 28-jährigen Asiaten namens Gang Lu durchgeführt wurde. Dieser hatte nach seinem Abschluss keinen Job gefunden und machte dies daran fest, dass er einen Wissenschaftspreis nicht erhalten hatte. Es sind also durchaus einige Unterschiede im Film auszumachen, die der deutsche Werbetext "Die wahre Geschichte des Amoklaufs an der University of Iowa." nicht hätte vermuten lassen.

Abgesehen von dieser leichten Verwirrung sollte der Film aber trotzdem seinen Zweck erfüllen, denn die veränderte Darstellung ist keinesfalls realitätsfern, sondern durchaus vorstellbar. Das allerdings macht es enorm erschreckend, denn eigentlich ist man ganz unvoreingenommen den ganzen Film über auf der Seite von Liu Xing, vor allem, wenn man den Film durch die Inhaltsbeschreibung ausgewählt hat, die nicht das Ende vorweg nimmt, man also nur denkt, dass ein genialer Student hier mit Eifersucht und Neid zu kämpfen hat. Schnell wird dem Zuschauer deutlich gezeigt, dass Lui unheimlich intelligent ist und der Wissenschaft große Dienste erweisen könnte. Dass der Film dabei gerne vergisst, dass man als Zuschauer auch einen gewissen Grad an Unterhaltung haben wollen könnte, kann man unterschiedlich werten. Negativ ist, dass der Film dadurch wenig Tempo hat und sehr langatmig ist. Auch fällt es schwer, die Rolle von Meryl Streep anzunehmen, weil sie nur einen Nebenschauplatz darstellt, die den Film kaum voran bringt. Ein Film für ein breites Publikum ist "Dark Matter" also nicht und sollte es sicher auch nie sein. Das ist allerdings schade, weil man sich mit solchen Inhalten ruhig häufiger auseinandersetzen darf.

Positiv am Film ist, dass er seinen Fokus nie verliert, den Alltag von Liu Xing sehr ausführlich und bedacht zeigt und eben Wert auf Charaktertiefe legt, die hier dazu führt, dass man Liu Xing als Protagonisten sieht, der Mitleid erweckt, wenn er verzweifelt vor der Prüfungskommission sitzt, die ihn aus Missgunst plötzlich mit methodischen Fehlern konfrontiert, die vorher nie eine Rolle spielten. Man kann den Ärger verstehen, gerade wenn man selbst die ein oder andere universitäre Hürde zu nehmen hatte (wenn auch auf einem viel niedrigeren Niveau). Dass sich aus diesem Umgang mit Liu dann der abschließende Amoklauf entwickelt, kommt daher als logische Konsequenz. Ob das dann allerdings wiederum positiv ist, kann man hinterfragen. Es ist immer sehr heikel, wenn man einen Mörder in erster Linie als Opfer darstellt. Daher bleibt man mit einem sehr unwohlen Gefühl zurück, denn das Verständnis macht die Tat nicht weniger verabscheuenswert.

Fazit

"Dark Matter" ist ein sehr ruhiger und nachdenklicher Film zu einem heiklen Thema, der nicht ganz die Balance zwischen den eigenen Ansprüchen und den Absichten für das Publikum findet und daher nur einen kleinen Kreis ansprechen wird.

Emil Groth - myFanbase
07.11.2011

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