Bewertung: 5
Wolfgang Panzer

Große Kater, Der

"Hast du deine Umfragewerte gesehen? Eine Katastrophe."

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Inhalt

Der schweizer Bundespräsident, Kater (Bruno Ganz) genannt, steht unter Beschuss, denn seine Umfragewerte sind tief in den Keller gerutscht und die Fraktion will die politische Linie des Oberhauptes nicht mehr tragen, sieht sie insgesamt die Gefahr vor hohen Wahlverlusten. Die Parteifreunde wollen versuchen, den bevorstehenden Staatsbesuch des spanischen Königspaares so zu inszenieren, dass die Bürger wieder Vertrauen und Zustimmung ansammeln und sich die Lage entschärft. Als der spanische König aber an Fieber erkrankt, wird die ausgefeilte Planung samt medialer Inszenierung durcheinander gebracht. Dies wissen die Kritiker in der Partei auszunutzen und bringen weitere Unruhe in die Szenerie. Als die Königin als Alternative ein Krankenhaus besuchen und dort der mediale Fokus liegen soll, gerät auch das Privatleben des Präsidenten außer Kontrolle, denn sein achtjähriger Sohn liegt sterbenskrank mit Krebs in dieser Klinik. Katers Frau wirft ihm politisches Kalkül auf Kosten des Sohnes vor, obwohl Kater beteuert, nichts von dem Plan gewusst zu haben. Beim abendlichen Banquett kommt es schließlich zum Eklat, der neben der medialen Unruhe auch Verwirrung bei den Gästen auslöst.

Kritik

Dieses politische Drama basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1998 von Thomas Hürlimann, dessen Vater Hans Hürlimann als Präsident des Bundesrates 1979 das spanische Königspaar Juan Carlos I. und Sophia zu einem Staatsbesuch begrüßen durfte. Damit hören die biographischen Gemeinsamkeiten dann aber auf, wobei es der Film vom Thema her sehr real erscheinen lässt, was dort so getrieben wird. Gerade in Zeiten, in denen um jeden Prozentpunkt gefeilscht wird, hat man doch oft das Gefühl, dass eine Vielzahl der Politiker über Leichen gehen würde, um die Macht zu verteidigen oder zu erlangen. "Der große Kater" betrachtet hier in erster Linie die parteiinternen Querelen, die das schlechte Licht einer einzelnen Person auf die gesamte Partei fallen lassen. Die Strategie dazu ist letztlich klar und schon sicherlich gang und gäbe im Polit-Business. Mit viel Aufwand und Hilfe der Medien soll das Volk abgelenkt werden. Dies passiert hier dann fast zufällig im doppelten Sinne. Da fällt es fast schwer, überhaupt noch unbefangen Nachrichten zu hören oder Zeitung zu lesen.

Obwohl der Film den überaus schwierigen Spagat zwischen dem Job des Politikers und dem Privatleben zur Geltung bringen kann, fehlt es insgesamt aber an den wirklich ergreifenden Momenten. Bruno Ganz spielt den Bundespräsidenten sehr überzeugend, der Mix aus Amtsmüdigkeit, Kampfeswillen und Aufrichtigkeit kommt gut zur Geltung. Trotzdem fehlt über weite Strecken die sympathische Inszenierung mit der Figur, die Bindung zum Zuschauer bleibt aus. Daher ist man nur bedingt vom Film eingenommen und kann den als Spannungsomente verkauften Szenen nicht viel abgewinnen. Phasenweise fehlt es an Tempo und der ständige Bezug zur Zeit, die wie ein Leitmotiv durch diesen Film begleitet, mag Symbolkraft haben, sorgt aber eher für Langatmigkeit, die man besser mit einer Deleted Scene hätte füllen sollen. Auch die Rückblendensind zunächst verwirrend, erfüllen ihren Zweck aber immerhin, um den Bezug zur Bezeichnung "Kater" herzustellen, auch wenn diese Metapher für Durchsetzungsvermögen und Widerstandsfähigkeit eher unglücklich umgesetzt wurde.

Trotz dieser Makel kann der Film aber mit sehr realistischen Charakteren überzeugen, die alle ihre Ziele verfolgen, dabei nachvollziehbar handeln und somit der Erzählung einer runden Geschichte dienen, die sich genau so abgespielt haben könnte. Das reicht aber nicht aus, um zum Beispiel mit "Wag the Dog" zu konkurrieren, der die Politik- und Medienmachenschaften viel offensiver angeht und dadurch mehr Dynamik hat.

Fazit

Dem Film fehlt es tortz des spannenden Politthemas an Identifikation und die Beteiligten können die ruhig erzählte Geschichte nur teilweise gelungen in Szene setzen. Als zum Nachdenken anregende Alternative zum plumpen Hollywood-Popcorn-Kino taugt der Film aber auf jeden Fall.

Emil Groth - myFanbase
15.04.2011

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