Bewertung: 6
Philipp Stölzl

Goethe!

Für die Leidenschaft auf Sturm und Trank!

Foto: Copyright: Warner Bros.
© Warner Bros.

Inhalt

Straßburg, 1772: Wenn der Name Goethe fällt, verbindet man ihn keinesfalls mit dem literarischen Genie, im Gegenteil. Mit seinen 23 Jahren vernachlässigt er sein Jurastudium, seine Gedichte werden eher verrufen anstatt gelobt und als er auch noch durch eine Juraprüfung fällt, hat sein Vater (Henry Hübchen) die Nase voll. Er verbannt seinen Sohn in eine öde Kleinstadt, wo er fortan als Referendar in einem Reichskammergericht dienen darf. Doch auch hier tobt der junge Goethe lieber auf Bällen herum und verliebt sich Hals über Kopf in Lotte (Miriam Stein). Diese ist jedoch Goethes Vorgesetztem Kestner (Moritz Bleibtreu) versprochen. Die Lage spitzt sich zu, bis es zu einer Konfrontation kommt, die Goethes Leben verändert.

Kritik

Hat dieser trinkfeste und berauschte Goethe wirklich den legendären "Faust" schreiben können? Wenn man sich diesen Goethe-Film anschaut, kommen Zweifel auf, denn der Schriftsteller, der in diesem Film gezeigt wird, gleicht überhaupt nicht dem Genie Johann Wolfgang von Goethe. Und genau das macht den Film angenehm zum Schauen.

Schon der Trailer und das Ausrufezeichen nach dem Namen Goethe deuten darauf hin, dass man es mit der Literatur nicht ganz so genau nehmen möchte, sondern sich eher auf den Charakter Goethe festlegt. Das ist auch zum größten Teil gelungen, denn Goethe erscheint nicht als Genie, sondern als ein ganz normaler junger Mann, der mal mit sich selbst zweifelt, dann wieder großartiges leistet und wieder mit sich hadert. Mit Alexander Fehling hat man jedenfalls alles richtig gemacht, denn er stellt den jungen Goethe authentisch auf der Leinwand dar. Auch Moritz Bleibtreu macht als biederer Richter mit seiner weißen Perücke und der ständig rutschenden Brille einen guten Eindruck, genauso Miriam Stein als Lotte. Dennoch ist und bleibt Fehling der Star und bezaubert das Publikum.

Die Kulissengestaltung versetzt die Zuschauer direkt in das 18. Jahrhundert. Die damalige Zeit ist wirklich realitätsgetreu nachgestellt worden und das Set zeigt, dass man deutsches Kino nicht abschreiben sollte, was die aufwendige Gestaltung und Produktion betrifft. Leider gibt es ein großes Manko in dem Film, und das betrifft die zwiegespaltene Handlung.

Obwohl in dem Film auf Aspekte von Goethes "Faust" oder Lessings "Emilia Galotti" angespielt wird und am Ende auch das Werk "Die Leiden des jungen Werther" entsteht, steht Goethes Liebesdrama mit Lotte im Vordergrund. Seine Jugendjahre und die erste Liebe bestimmen die Handlung, was man positiv, aber auch wiederum negativ sehen kann. Einerseits stellt es den jungen Johann Goethe als normalen Menschen dar und zeigt, wie er früher, vor seinem Ruhm gelebt haben könnte. Sein Geschreibsel wurde als Kinderkram abgetan, sein Genie wurde nur von Lotte entdeckt. Durch viel Komik und den Freigeist Johann Goethe kommt Schwung in die Geschichte und dies macht Goethes Leben interessanter zum Schauen, als man es in ellenlangen Seiten nachlesen kann. Andererseits, und das dürfte alle Literaturbegeisterten stören, geht man zu wenig auf Goethes Talent ein und nur gegen Ende zeigt man, was in ihm steckt. Doch da endet der Film plötzlich, obwohl man besonders zum Schluss mehr erwartet hätte. So bleibt einem Johann Wolfgang von Goethe mehr als ein trinkfreudiger junger Mann mit Liebeskummer als das literarische Wunder im Gedächtnis.

Fazit

"Goethe!" visiert vor allem das junge Publikum an und konzentriert sich mehr auf die Liebesgeschichte zwischen Goethe und Lotte, als auf Goethes literarisches Genie. Für einen Einblick in Goethes junge Jahren reicht der Film dennoch.

Tanya Sarikaya - myFanbase
03.11.2010

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