Bewertung: 7
Dan Reed

Straightheads

Nichts ist so grausam wie die Rache der Opfer.

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment
© Sony Pictures Home Entertainment

Inhalt

Als Begleiter für eine Geschäftsparty nimmt Karrierefrau Alice (Gillian Anderson) spontan den einige Jahre jüngeren Adam (Danny Dyer) mit, der gerade in ihrem Haus ein neues Sicherheitssystem installiert hat. Auf dem Rückweg von der Feier wird das ungleiche Paar in einem Wald von drei Männern brutal überfallen. Alice wird vergewaltigt, Adam im Gesicht entstellt.

Einen Monat später leben Alice und Adam in einer verzweifelten Zweckgemeinschaft zusammen. Beide sind körperlich und seelisch noch immer schwer angeschlagen. Als Alice zufällig herausfindet, wo Heffer (Anthony Calf), einer der Männer, die sie überfallen haben, lebt, sinnt sie auf Rache. Adam folgt ihr zunächst hilflos, verfällt bald jedoch auch dem Hunger nach Vergeltung.

Für Alice verändern sich jedoch die Perspektiven, als sie Heffers Teenagertochter Sophie (Francesca Fowler) kennen lernt und die Hintergründe der Tat erfährt.

Kritik

Schon der Blick auf die Laufzeit des Films, gerade einmal 77 Minuten, enthüllt, dass "Straightheads" kein Blockbuster des Mainstreams ist. Tatsächlich handelt es sich bei dem Werk von Regisseur und Drehbuchautor Dan Reed um einen kompromisslosen, bitteren Thriller über Gewalt und Gegengewalt.

In den 77 Minuten bleibt keine Zeit für intensive Charakterzeichnung. Die weibliche Hauptfigur Alice ist eine Geschäftsfrau, die kühl und arrogant wirkt. Sie schleppt den jungen, unerfahrenen Adam, der nichts weiter als ein einigermaßen gut aussehender Herumtreiber mit Vorliebe für Zigaretten und Alkohol ist, als einen One Night Stand mit auf eine Party. Als beide auf dem Rückweg brutal überfallen werden, wird aus dem Paar für eine Nacht eine Zweckgemeinschaft. Sie leben zusammen und teilen sich ein Bett, ohne miteinander zu schlafen. Dies wird nicht lang und breit erklärt, man sieht es einfach und versteht es. Beide können nicht mehr alleine sein, sie sind körperlich und seelisch entstellt. Die Polizei war keine Hilfe, auch das wird durch Worte und Mimik bündig vermittelt und nicht explizit gezeigt.

Dann kommt die Zeit der Rache. Zunächst ist Alice die treibende Kraft, dann verfällt der zunächst schwache Adam vollkommen dem Hass. Er will sich dafür rächen, dass aus ihm ein leidender, hässlicher und impotenter Außenseiter gemacht wurde. Alices Konfrontation mit dem Täter Heffer führt zu Erkenntnissen, die in klassischen Mainstream-Filmen selten geboten werden. Wir erfahren die Gründe für den Überfall und die Vergewaltigung, bekommen vermittelt, was in Heffers Kopf vorging und sehen, was in den Reihen der Täter unmittelbar vor dem brutalen Angriff auf Alice und Adam geschah. Entschuldigt wird die Tat dabei nicht. Sie bleibt unmenschlich und abscheulich.

So bietet auch das Ende keine richtige Auflösung. Wir sehen, welche Wege Alice und Adam einschlagen, doch was aus ihnen wird, muss man sich denken.

Fazit

"Straightheads" ist kein Film, dem man einfach eine Note aufdrücken kann. In der relativ kurzen Laufzeit spielt alles, was einen Film im klassischen Sinne unterhaltsam macht, keine Rolle. Gewalt und ihre unmittelbaren Folgen, bis hin zur Gegengewalt, sind das Thema, das ohne Schnörkel schonungslos dargestellt wird.

Maret Hosemann - myFanbase
13.06.2009

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