Bewertung: 8
Pete Docter, Bob Peterson (Co-Regisseur)

Oben

"Adventure is out there!"

Foto: Copyright: Disney
© Disney

Inhalt

Nach dem Tod seiner Frau macht sich der 78 Jahre alte Carl Fredricksen auf den Weg zu seinem lange gehegten Reisewunsch, zu den Paradise Falls nach Südamerika, indem er tausende von Luftballons an sein Haus bindet und so abhebt. Doch Carl ist bei seiner Reise nicht allein und so bekommt er Gesellschaft von dem 70 Jahre jüngeren Russell, der Carl doch eigentlich nur helfen wollte, um sein letztes Pfadfinderabzeichen zu bekommen. In Südamerika angekommen, machen Carl und Russell die Bekanntschaft mit einer vollkommen fremden Welt, die sowohl neue Freunde als auch Gefahr bietet...

Kritik

"Die Großstadt stinkt, ist laut und septisch." Das ist nicht nur der Titel eines Albums der deutschen Grindcoreband Japanische Kampfhörspiele, sondern könnte auch die Gemütslage Carls ganz gut widerspiegeln. Vor einigen Jahren noch ist er mit seiner Frau Ellie in ein schönes kleines Haus eingezogen, umgeben von ähnlich beschaulichen Häusern und viel Natur. Mittlerweile, seine Frau Ellie ist gestorben und Carl 78 Jahre alt, ist er der Einzige, der noch die Stellung hält, während um ihn herum ein Wolkenkratzer nach dem anderen hochgezogen wird und er umgeben ist von einer großen Baustelle. Kein Wunder, dass man sich da nicht wohl fühlt und einfach mal seine Ruhe haben will. Sowohl der Wunsch nach Ruhe als auch die Vision, einmal in Paradise Falls in Südamerika zu leben, bringen den ehemaligen Ballonverkäufer Carl dann dazu, sich diese Unmengen an Luftballons an sein Haus zu binden.

Die Abenteuerlust zieht sich durch den gesamten Film und beginnt bereits mit Carls Kindheit, als er den legendären Abenteurer Charles Muntz verehrte, der sich Tag für Tag auf die gefährliche Reise nach Unbekanntem begab. Russell als übergewichtiger und teilweise nicht allzu heller Pfadfinder fungiert hier als Katalysator und schafft es, Carl aus seiner Verbitterung herauszuholen, die er seit einiger Zeit in sich trägt. Das ist wichtig für den weiteren Verlauf der Handlung und trägt unter anderem auch zu einigen lustigen Szenen vor allem mit Russell bei. Ganz allgemein ist der Humor bei "Oben" eines der großen Prunkstücke, so dass man den Spagat zwischen sorgfältig pointiertem Witz und angemessener Situationskomik schafft, und damit gleichermaßen Erwachsene und Kinder anspricht. Lustiger war bisher wohl kein anderer Pixar-Film.

Der Ideenreichtum, den Pete Docter und Bob Peterson als Drehbuchautoren unter anderem bereits bei "Findet Nemo" und "Monster AG" gezeigt haben, übertragen sie in ihrer Doppelfunktion als Regisseure und Autoren gekonnt auf die große Leinwand. So ist es kein Wunder, dass das Haus von Carl teilweise an das Schloss aus Hayao Miyazakis "Das wandelnde Schloss" erinnert: außen eher unspektakulär, verbirgt sich im Inneren eine eigene Welt, die aus optischer Sicht eine einzige Augenweide ist, obwohl sie eigentlich nur aus gewöhnlichem Mobiliar und Alltagsgegenständen besteht.

Wie man nicht nur optisch, sondern auch erzähltechnisch die Kreativität Docters und Petersons am Besten sehen kann, ist neben der überaus gelungenen Grundidee der zweite Teil des Films, der sich mit Carl in Paradise Falls und seinen menschlichen und tierischen Begleitern und Widersachern befasst. Um nicht zu viel über den weiteren Verlauf der Handlung zu verraten nur das kleine Appetithäppchen, dass Tiere mitnichten sprechen können müssen, um sich untereinander und mit Menschen verständigen zu können. Hier ist eine sowohl simple als auch innovative Idee gefunden worden, die sich deutlich von der natürlich ebenso gelungenen Betonung der Gestik aus "WALL•E" abhebt.

Die einzelnen Charaktere, allen voran Carl und Russell, sind mit einer unheimlichen Liebe gezeichnet, so dass man als Zuschauer schnell von tiefer Sentimentalität und teilweise gedrückter Stimmung zu einem herzlichen Lachen gebracht wird. Dass man dabei derart mitgeht, ist neben der facettenreichen Animation vor allem den einzelnen Sprechern zu verdanken. Dem fünfmaligen Golden-Globe-Gewinner Edward Asner als Sprecher von Carl scheint die Rolle auf den Leib geschneidert zu sein, so sehr schafft er es, durch geringfügige Änderungen in der Sprechweise eine Vielzahl an Emotionen auszudrücken. Aber auch der junge Jordan Nagai als Russell macht seine Aufgabe in seiner ersten Sprechrolle überhaupt außerordentlich gut und verleiht seiner Figur eine Unmenge an Witz und liebenswürdiger Trotteligkeit. Einzig in der zweiten Hälfte des Films verliert sich mit so manchem Neuankömmling in der Handlung teilweise die Tiefe der Charaktere.

Fazit

"Oben" ist der nächste große Wurf der Pixar-Studios, auch wenn er aufgrund geringfügiger Schwächen nicht mit den zwei herausragenden Vorgängern "Ratatouille" und "WALL•E" mithalten kann. "Up" ist voll von tollen Ideen, liebenswürdigen Charakteren und dem wohl besten Humor aller bisherigen Pixar-Filme, und so gleichermaßen ein Filmvergnügen für Groß und Klein.

Andreas K. - myFanbase
06.06.2009

Diskussion zu diesem Film