Bewertung: 8
Richard Howard

Kollisionskurs Panik im Tower

"Meine größte Sorge? Wenn man alles getan hat, was in seiner Macht steht und man muss immer noch alles mithören, während der Punkt vom Bildschirm verschwindet." (Fluglotse, Kontrollzentrum Los Angeles)

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Inhalt

Jack Harris (Kiefer Sutherland) ist Fluglotse im Kontrollzentrum des bekannten Flughafens O'Hare in Chicago. Seine Arbeit füllt ihn aus, im Privatleben läuft es bestens, bis zu dem einen Tag 1993, an dem Jack ein Flugzeug verliert. Der Absturz nimmt ihm allen Mut, er lässt sich versetzen, kommt jedoch mit dem Leben fortan nicht mehr zurecht.

Fünf Jahre später. Jack arbeitet nun an einem Computerspiel für angehende Fluglotsen, als sein ehemaliger Chef und Freund T.C. Bryant (Bruce McGill) ihn um Hilfe bittet. Der Empfang der Kollegen ist frostig, der Absturz von damals nicht vergessen. Trotz diverser Mobbing-Attacken, besonders von Cruise (Robert Sean Leonard), einem jungen Fluglotsen, beschließt Jack zu bleiben. Die äußeren Umstände sind schwierig, die ehrgeizige Standortleiterin hat trotz Sturmwarnung noch 50 Flugzeuge von anderen Kontrollzentren übernommen, die Technik versagt immer wieder und die Fluglotsen stehen unter Dauerstress. So ist es kein Wunder, dass selbst altgediente Mitarbeiter an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit geraten und darüber hinaus. Jack leidet immer wieder an Flashbacks und ist nahe daran aufzugeben. Doch die 47 Flugzeuge müssen irgendwie auf den Boden gebracht werden.

Kritik

Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt dieser Film den Alltag eines Fluglotsen: Ein dunkler Arbeitsplatz ohne Tageslicht, Dauerstress, mangelhafte Technik. Trotzdem landen tausende Flugzeuge und ihre Passagiere unbeschadet auf dem Flughafen, weil da jemand ist, der seine Arbeit sehr gut macht. Wer einen Actionfilm mit spektakulären Stunts erwartet, ist hier falsch, denn bei "Ground Control" stehen die Menschen im Vordergrund. Die Handlung spielt sich fast ausschließlich im dunklen Kontrollzentrum ab, in dem es nicht einmal Fenster gibt.

Kiefer Sutherland spielt den zutiefst verunsicherten Fluglotsen Jack Harris absolut glaubhaft. Obwohl Jack der einzige ist, über dessen Privatleben gesprochen wird, sind die anderen Charaktere nicht oberflächlich gezeichnet, sondern wirken authentisch und haben durchaus Tiefe. Jacks Gegenspieler Cruise wird von Robert Sean Leonard gespielt, der vielen aus der Serie "Dr. House" bekannt sein dürfte. Leonard spielt den arroganten und am Ende eines Besseren belehrten Mann so gut, dass der Zuschauer ihn am Anfang hasst und am Schluss doch respektieren lernt.

Faszinierend ist die Lösung, die Jack vorschlägt. Das Verfahren, wie ein Flugzeug nach dem Verlust aller Hydrauliksysteme gesteuert werden kann, ist einem wahren Fall nachempfunden, dem United Airlines Flug 232 vom 19. Juli 1989. Der Computertechniker Quinn, der sich mit alten Geräten und ungeduldigen Vorgesetzten rumschlagen muss, ist für viele Lacher gut. Der Humor des Films wirkt jedoch nie übertrieben oder fehl am Platz. Gleichzeitig ist das Gefühlschaos, in dem die Mitarbeiter des Kontrollzentrums stecken, als der Absturz von Flug 47 festzustehen scheint, für den Zuschauer fast körperlich zu spüren, obwohl nicht viele Worte gesprochen werden.

Der deutsche Titel "Kollisionskurs Panik im Tower" ist sehr unglücklich gewählt, denn erstens spielt sich die Haupthandlung nicht oben im Tower, sondern unten im Kontrollzentrum ab, und zweitens geht es um einen drohenden Absturz und nicht um eine Kollision von Flugzeugen. Inzwischen ist man von diesem Titel aber auch schon wieder abgekommen.

Erwähnenswert ist aber noch die Synchronisation, denn die ist erstklassig. Kiefer Sutherland wird, wie bei "24 - Twenty Four", von Tobias Meister gesprochen.

Fazit

"Ground Control" ist eine Produktion fürs Fernsehen. So wird der Film auch im 4:3 Format ausgestrahlt und war bisher bei RTL II zu sehen. Was diesen Film für mich so sehenswert macht, ist die subtile Spannung, die ausschließlich durch die Interaktion der Protagonisten und Antagonisten erzeugt wird. "Ground Control" verzichtet auf "blutige" Action und setzt auf das Zwischenmenschliche, ohne langweilig zu werden. Weil gerade dies bei so genannten B-Movies oftmals fehlt, ist dieser Film für mich eine schöne Ausnahme in der Fülle von schlecht gemachten "Alles geht kaputt"-Katastrophenfilmen. Leider gibt es auf der DVD keine englische Tonspur.

Myriam Masuch - myFanbase
12.03.2009

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