Bewertung: 9
Dany Boon

Willkommen bei den Sch'tis

"Wenn man zu uns zu Besuch kommt, dann weint man zwei Mal, einmal wenn man ankommt und einmal wenn man wieder geht."

Foto: Copyright: 2009 PROKINO
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Inhalt

Philippe (Kad Merad) will mit seiner Frau Julie (Zoé Félix) und seinem Sohn unbedingt an die französische Südküste, doch es ist gar nicht so einfach dort einen Job zu bekommen. Sein Versetzungsantrag bei der Post wurde kurzfristig abgelehnt, weil ein Kollege mit einer Behinderung den Vorzug erhalten hatte. Der verhinderte Umzug belastet die Ehe und Philippe stellt ein paar Monate später einen neuen Antrag, bei dem er angibt, ebenfalls behindert zu sein. Er erhält den Zuschlag, bei einem Überprüfungsgespräch fällt trotz aller Mühen von Philippe aber auf, dass er gelogen hat. Die Strafe folgt auf dem Fuße.

Philippe wird versetzt, aber nicht in den sonnigen Süden, sondern in den kalten Norden in eine kleine Stadt namens Bergues. Die Angst ist groß vor den primitiven Einsiedlern, die in einer großen Kälte leben und nur das Nötigste besitzen. Mit viel Widerwillen begibt sich Philippe nach Bergues, seine Familie bleibt zurück. Dort angekommen hat er gleich große Probleme mit dem dortigen Dialekt und einigen Gewohnheiten, doch es ist weder bitterkalt noch lassen sich viele Klischees bestätigen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gefällt es ihm im Norden doch richtig gut. Seine Frau hingegen denkt das Schlimmste, sorgt sich liebevoll um ihn, wenn er am Wochenende nach Hause kommt, und gibt ihm keine Gelegenheit, zu erzählen, dass es gar nicht so schlimm ist, wie alle sagen. Also lügt Philippe, sagt seiner Frau, was sie hören will und die Beziehung der beiden ist endlich wieder harmonisch. Als eines Tages aber Julie die starke Ehefrau mimen will und zu Philippes Unterstützung mit nach Bergues kommen will, droht alles aufzufliegen.

Kritik

Es muss schon grausam sein, wenn man an einen Ort versetzt wird, von dem man nur Schreckliches gehört hat. Offenbar gibt es bei den Franzosen das hartnäckige Vorurteil, dass der Norden eine Horde von Wilden ist, die in einer unmenschlichen Kälte leben und von Komfort noch nichts gehört haben. Diese sicherlich übertriebenen Klischees wurden in diesem Film unheimlich amüsant und kurzweilig zum Hauptthema genommen. Philippe und seine Frau glauben nicht einmal dem Online-Wetterdienst, als er stolze sieben Grad für die Region anzeigt. Man habe sicherlich dafür bezahlt, dass die Temperaturen etwas höher angezeigt werden, damit überhaupt mal ein Fremder in diese Gegend kommt. Der Norden muss die Hölle sein, doch bis auf regionale Unterschiede bei, zum Beispiel, Speis und Trank (kein Kaffee, sondern Muckefuck) und einer deutlich anderen Aussprache der Wörter oder eigenen Begriffen, die besonders zu Beginn zu sehr witzigen Verwechslungen führt, ist der Norden doch ein nettes Örtchen zum Leben.

Großen Anteil an diesem Eindruck haben natürlich die Charaktere in Bergues, die alle ihre Eigenheiten haben, aber doch jederzeit sehr symphatisch herüber kommen. Gastfreundlichkeit wird so groß geschrieben, dass es dem Postboten schwer fällt, überhaupt einfach nur seinen Job zu machen, weil ihn jeder noch auf ein Glas einlädt. Sehr schnell schließen sie Philippe in ihre Herzen, helfen ihm beim Beschaffen von Möbeln und Erlernen der Sprache. Hier liegt ein großer Pluspunkt des Films, denn der Umgang mit den Sprachgewohnheiten ist sehr gelungen. Witz und Verständnis wurden sehr gut kombiniert und ohne die französische Sprache im Detail zu kennen, hat man auch als deutscher Zuschauer ein Gefühl dafür bekommen und an den letzten Dialog mit einem Sachsen oder Bayern gedacht. Ein großes Lob muss man dabei vor allem auch dem Team für die Synchronisation aussprechen. Im Original ist es vielleicht sogar noch witziger, aber auch so besteht schon Lachkrampfgefahr.

Der Umgang mit den Klischees ist ebenso gut gelungen und es wurde zwischen Norden und Süden toll kontrastiert. Sei es der Polizist, der aus Mitleid keine Strafe verhängt, oder eben die besorgte Ehefrau, die ihren Mann mit zehn Pullovern und einer dicken Mütze ins Auto steckt, damit er im Norden nicht erfriert. Der Besuch von Julie in Bergues ist dann das i-Tüpfelchen, denn natürlich hat Philippe versucht, die Notlüge nicht auffliegen zu lassen und sieht sich plötzlich mit seinen aufopferungsvollen neuen Freunden mitten in das eigentliche Klischee versetzt. Das war mehr als nur genial dargestellt und spätestens an dieser Stelle wurde klar, dass dieser Film absolut gelungen ist. Da zwischen all den humorvollen Parts sogar auch noch romantische und sensible Momente vorkamen, lässt sich nicht mal in dieser Hinsicht meckern.

Fazit

Ich habe lange nicht mehr so viel zu lachen gehabt und der französische Film hat erneut seine Qualität unter Beweis gestellt. Das Thema ist sicherlich nichts Außergewöhnliches oder Innovatives, aber die liebevolle Darstellung und Umsetzung machen den Film zu etwas Besonderem und Empfehlenswertem.

Emil Groth - myFanbase
30.12.2008

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