Bewertung: 7
Marc Forster

Drachenläufer

"For you a thousand times over..."

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Inhalt

Kabul, 70er Jahre: Amir (Zekeria Ebrahimi, später Khalid Abdalla) und Hassan (Ahmad Khan Mahmoodzada) sind die besten Freunde, obwohl sie von unterschiedlichem Stand sind. Während Amir ein Paschtun ist, gehört Hassan, der Sohn des Hausdieners, dem niedrigeren Stand der Hazara an. Amirs Vater Baba (Homayoun Ershadi) allerdings behandelt beide wie seine eigenen Söhne, was vor allem Amir nicht gefällt, da er es ohnehin schon schwer hat, den hohen Anforderungen seines Vaters gerecht zu werden.

Doch dann passiert etwas Schreckliches mit Hassan, das die Freundschaft der beiden für immer verändert. Als 1979 die sowjetische Invasion beginnt, werden Amir und Baba gezwungen, ihr Land zu verlassen und eine gefährliche Reise in ein neues Leben beginnt.

Kritik

Würde man versuchen, die Geschichte von "Drachenläufer" in einem Wort zusammen zu fassen, dann wäre es dieses: Wiedergutmachung. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso Khaled Hosseinis gleichnamiger Roman seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2003 so einen großen Anklang fand. Hosseinis Story um einen Mann, der Jahre lang mit einer schweren Bürde zu kämpfen hat und dem schließlich die Chance zur Wiedergutmachung gegeben wird, ist zwar nicht neu erfunden, aber sie ist ergreifend und geht unter die Haut. Egal wer, egal woher, jeder kann sich mit dieser Geschichte auf irgendeine Art identifizieren.

Dass es nur vier Jahre dauern würde, bis aus Hosseinis fantastischem Buch ein Film gemacht wird, war abzusehen. Die Thematik ist nicht nur ergreifend, sie spielt sich auch in Afghanistan ab, ein Land, das seit 9/11 zu einem Brandherd geworden ist. Regisseur Marc Forster verarbeitet beide Aspekte der Geschichte sehr gut: er stellt Afghanistans Misere nicht in den Vordergrund, zeigt dem Zuschauer aber den extremen Kontrast zwischen dem farbenfrohen, lebhaften Kabul der 70er und dem tristen, zerstörten Rest der Hauptstadt im Jahr 2000. In jeder Aufnahme steckt viel Liebe zum Detail und das merkt man in jedem Moment. Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, um Afghanistan, sein Volk und seine Bräuche näher kennen zu lernen, bedient sich dabei sogar seiner Sprache, verliert aber nicht das Wesentliche aus dem Auge: die Freundschaft zwischen Amir und Hassan.

Die beiden Laienschauspieler Zekeria Ebrahimi und Ahmad Khan Mahmoodzada, die Amir und Hassan als Kinder verkörpern, sind fabelhaft, bedenkt man die Tatsache, dass Marc Forster die beiden quasi auf den Straßen Kabuls aufgegabelt hat. Sie vermitteln einem die besondere Freundschaft der beiden Jungen sehr gut, doch scheitert es am Drehbuch, dass diese Freundschaft nicht so facettenreich wirkt, wie es im Buch der Fall ist. Obwohl es Drehbuchautor David Benioff größtenteils gelungen ist, nur das Essentielle aus dem Roman zu fischen und für den Film zu verwenden, verpasst man es leider, die Intensität und auch Probleme der Freundschaft zwischen Amir und Hassan wirklich zu transportieren. Amirs Vaterprobleme etwa und seine Eifersucht auf Hassan werden nicht zu Genüge thematisiert, genauso wie Amirs große Schuldgefühle nach dem schrecklichen Vorfall mit Hassan.

Der Einfall der Sowjets, die folgende Flucht nach Pakistan und schließlich das neue Leben in Amerika wurden allerdings wieder sehr schön umgesetzt. Man verwendete immer genug Zeit, um die einzelnen Stationen von Amirs Leben darzustellen, ohne in die Ausführlichkeit des Buches abzuschweifen. Nun tritt Khalid Abdalla als Amir auf und hinterlässt dabei einen bleibenden Eindruck. Er verleiht dem erwachsenen Amir sehr viel Tiefe, vermittelt dem Zuschauer seine Zurückhaltung, Schuld, Wut und Enttäuschung sehr gut. Er spielt einen Amir, wie er im Buche steht. Herausragend ist auch Homayoun Ershadi als Baba, der unter den Nebendarstellern heraussticht.

Fazit

So hervorragend wie das Buch ist der Film leider nicht, doch er ist ein authentisches, ergreifendes Drama, das auf jeden Fall sehenswert ist. Wiedergutmachung, Freundschaft, Liebe und Schuld sind die zentralen Themen dieser Geschichte, die sich nicht um Politisches kümmert, sondern um die Menschen in Afghanistan.

Maria Gruber - myFanbase
05.10.2008

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