Bewertung: 8
Barbara Kopple, Cecilia Peck

Shut Up & Sing

"We are ashamed that the President of the United States is from Texas."

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Inhalt

Die Dixie Chicks waren bis 2003 die erfolgreichste Frauenband der Vereinigten Staaten. Fast jeder Amerikaner mochte sie und ihre Platten verkauften sich millionenfach. Bis die Leadsängerin Natalie Maines mit einem als Witz gemeinten Statement bei einem Londoner Konzert alles veränderte. "Shut Up & Sing" erzählt die Geschichte der Band durch diese Krise und wie sie diese gemeistert haben.

Kritik

Worte sind Macht. Mit Worten können große Reden gesprochen, Kriege erklärt und Menschen zerstört werden. Und manchmal werden mit Worten auch Karrieren zerstört. Schon John Lennon musste dies im Jahr 1966 erfahren, als er sagte, seine Band, die Beatles, seien berühmter als Jesus. Diese Äußerung rief viele konservative Menschen in Amerika und der Welt zusammen, die sich fortan gegen die Beatles stellten. Auch seine Entschuldigung war dagegen machtlos. Die Band brauchte eine ganze Zeit, um sich von diesem Knick wieder zu erholen.

Am 10. März 2003 befand sich Amerika schon fast im Krieg gegen den Irak. Die ersten US-Angriffe waren vorbereitet und es würde nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bomben abgeworfen werden. Am gleichen Tage trat Amerikas Lieblings-Country-Band, die Dixie Chicks, in London auf. Natalie Maines, Sängerin der Band, ließ bei dem Konzert verlauten: "Wir stehen mit euch auf der guten Seite. Wir sind gegen den Krieg und schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas kommt!"

Damals hätte wohl niemand gedacht, was für einen Ausmaß diese Worte für das Leben aller haben wird. Die Dixie Chicks waren bis dato die Lieblingsband fast aller Country-Fans gewesen, von denen gut 90 Prozent für den Krieg und für Bush waren. Hätte zum Beispiel Sängerin P!nk diese Bemerkung fallen lassen, hätte man das in den amerikanischen Medien wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, aber bei den Dixie Chicks war dies etwas anderes.

Fortan begannen drei schwere Jahre für die Band. Ihre bis dahin auf Platz 1 der amerikanischen Billboard-Charts platzierte Single "Traveling Soldier" fiel innerhalb einer Woche vom besagten ersten Platz auf Platz 63. Die CDs der Band wurden in aller Öffentlichkeit verbrannt und Radiostationen, die weiterhin ihre Songs spielten, wurden boykottiert.

Auch in diesem Falle half eine Entschuldigung von Natalie Maines, die sie direkt an den Präsidenten richtete, nicht viel. Der Präsident und mit ihm viele Amerikaner hatten ihre Lieblingsband verloren und wollten von dieser nichts mehr wissen.

Die Mädchen hingegen konnten kaum fassen, was da um sie herum passierte. Das Statement, welches Natalie in London sagte, war nicht antiamerikanisch gemeint gewesen und doch waren sie nun die Verbrecher der Nation. Morddrohungen, die auch die Polizei mehr als ernst nahm, machten auch ihren Familien zu schaffen. Und so mussten nicht nur die drei Mädchen unter ständiger Polizeikontrolle stehen, sondern auch deren Ehemänner und Kinder. Der Film "Shut Up & Sing" zeigt diesen Fall nur zu genau. Was eigentlich als Dokumentarfilm über die Mädchenband begonnen hatte, wurde eine Art Lehrstück über den Patriotismus der US-Amerikaner. Weder die Filmmacher Cecilia Peck und Barbara Kopple, noch die drei Bandmitglieder hätten sich wohl träumen lassen, was aus diesem Film schlussendlich wurde.

Denn drei Jahre nach dem tiefen Sturz der Band kamen sie zurück. Mit ihrem Album "Taking the Long Way" waren sie wieder dort, wo sie vor dem Absturz standen. Amerika hatte sich verändert. Auch, wenn die Country-Radiostationen sie immer noch nicht spielen und es wohl immer wieder Amerikaner geben wird, die sie wegen der Bemerkung verabscheuen, so haben die Mädchen nun Frieden damit geschlossen. Und ja, sie sind sogar froh drum! Die Freundschaft ist gewachsen und mit ihr die Verbundenheit. Das neue Album zeigt eine andere Band als die Vorgängeralben, eine erwachsenere, eine mutigere Band, die für das, was sie denkt, einsteht und sich dessen nicht schämt, auch wenn sie immer noch nicht bereit zu sein scheinen, dem amerikanischen Volk diese Hetzkampagne zu verzeihen.

Fazit

Ein Film über Freundschaft und darüber, wie ein paar Worte das Leben von so vielen Menschen für immer verändern können.

Eva Klose - myFanbase
30.11.2007

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