Bewertung: 9
George Armitage

Grosse Point Blank - Erst der Mord, dann das Vergnügen

Even A Hit Man Deserves A Second Shot!

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Inhalt

Martin Blank (John Cusack) ist Profikiller, hat jedoch in der letzten Zeit jeglichen Spass daran verloren. Dann will man ihn auch noch dazu überreden, zum zehnjährigen Jahrestag seines Abschlussballs in seine Heimatstadt Grosse Pointe, Michigan zu gehen. Eigentlich hat Martin keine Lust auf die Kleinstadt, wird jedoch von seiner Sekretärin (Joan Cusack) regelrecht dazu genötigt, da sie in seinem Namen einen Auftrag in eben dieser Gegend annimmt.

Also macht Martin sich auf in seine alte Heimatstadt und hofft dann doch insgeheim, seine alte Freundin aus Schulzeiten, Debi Newberry (Minnie Driver), wieder zu sehen. Natürlich läuft alles anders als geplant. Debi ist immer noch wütend, weil Martin sie vor dem Abschlussball hat sitzen lassen und dort, wo einst sein Elternhaus stand, befindet sich nun ein mehr oder minder gut besuchter Supermarkt. Zu allem übel liegt ihm dann auch noch Dan Grocer (Dan Aykroyd), seines Zeichen ebenfalls Profikiller, in den Ohren und versucht ihn für seine neu gegründete Killer-Gewerkschaft zu gewinnen. Da Martin jedoch lieber für sich arbeitet, bringt Grocer zwei NSA-Agenten auf Martins Spur.

Kritik

"Gehen Sie zum Klassentreffen und bringen Sie zur Abwechslung mal niemanden um - entdecken Sie dieses neue Gefühl!"

Dieser trockene Satz des Psychiaters von Martin Blank bringt die Stimmung der schwarzen Komödie brilliant auf den Punkt. Das von John Cusack mitverfasste Drehbuch sprüht geradezu vor genial-überzogener (Situations-)Komik und ab und an gut platzierten, emotionalen Momenten, in denen der gnadenlose Aufragskiller Blank die Liebe zum Leben neu entdeckt.

Eigentlich erscheint ein Auftragskiller als Sympathieträger nicht unbedingt als allererste Wahl, doch es ist vor allem dem genialen John Cusack zu verdanken, dass man Martin Blank vom Fleck weg sympathisch findet. Es gelingt ihm mühelos, den von Selbstzweifeln geplagten Profikiller in einer tiefen Sinnkrise zu verkörpern. Und als hätte er mit sich selbst nicht schon genug Probleme, so zwingt man die gebeutelte Seele auch gleich noch, zu einem zehnjährigen Klassentreffen zu gehen.

Klassentreffen sind in der Regel letztendlich immer recht gezwungene Veranstaltungen, in denen gerne mal ganze Biographien gefälscht und der eigene Erfolg ins rechte Licht gerückt wird. Vor allem aber wird Wiedersehensfreude gegenüber Mitmenschen geheuchelt, die man absichtlich nach dem Schulende nicht mehr kontaktiert hatte. Ähnlich ergeht es auch Martin, der eigentlich nur zum Ziel hatte, seine Jugendliebe Debi wiederzusehen, die er damals vor dem Abschlussball hat sitzen lassen. Dass er über all die Jahre eine Art Besessenheit ihr gegenüber entwickelt hat, fällt ihm erst richtig auf, als ihm in Debis Elternhaus alles um die Ohren fliegt. Minnie Driver und John Cusack harmonieren perfekt auf der Leinwand. Es kommt zwar keine große romantische Stimmung auf, doch die Annäherung der beiden ist gespickt mit kleinen Neckereien und lieb-fiesen Andeutungen.

Neben Minnie Driver ist vor allem Dan Aykroyd ein genialer Sparringspartner für den einmal mehr gut aufgelegten John Cusack, der für mich nicht erst seit diesem Film zu den absoluten Größen Hollywoods zählt. Überhaupt wurden auch die Nebenrollen mit interessanten Persönlichkeiten wie Joan Cusack, Alan Arkin und Hank Azaria besetzt, die sichtlich Freude an ihrem Engagement gehabt haben müssen. Dennoch gehören die besten Szenen Dan Aykroyd und John Cusack. Die Idee einer Killergewerkschaft ist herrlich absurd und deswegen schon so grenzgenial, als dass das erste Gespräch zwischen den beiden im Diner zum Brüllen komisch ist.

Überhaupt glänzt der Film durch viele, teils schon absurd anmutende Dialoge, wie etwa ob Profikiller eigentlich auch krankenversichert sind. Doch trotz der nicht immer ganz ernst gemeinten Kommentare gleitet der Film niemals ins Lächerliche ab, sondern parodiert munter Teile des American Way of Life. Dazu darf natürlich eine gute Portion Action nicht fehlen, die durchaus auch mal schön blutig werden kann. Untermalt werden die grandiosen Szenen während des Klassentreffens durch etliche Klassiker der 80er Jahre, von Nenas "99 Luftballons" bis hin zu Paul McCartneys Hit "Live and Let Die".

Fazit

Überdreht, witzig, makaber, zynisch - lässt ein derartig charakterisierter Film eigentlich irgendwelche Wünsche übrig? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein!

Melanie Brandt - myFanbase
14.10.2007

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