Lifehouse

Foto: Lifehouse - Copyright: Universal Music/Pamela Littky
Lifehouse
© Universal Music/Pamela Littky

Die Kindheit von Jason Wade war nicht immer einfach. Am 5. Juli 1980, einem Sonntag, wurde er in Camarillo, Kalifornien geboren, was ihn allerdings nicht automatisch zu einem sprichwörtlichen Sonntagskind machte. Die Familie Wade reist viel umher, bis es sie letztlich nach Asien zieht. Jason ist zwölf Jahre alt, als seine Eltern sich trennen. Aus dem Sonntags- ist ein Scheidungskind geworden. Seine Mutter nimmt ihn mit nach Seattle, er zieht sich zurück und macht seinen Kummer mit sich selber aus. Der Junge entdeckt die tröstende Kraft der Musik und beginnt, sein Innerstes in Worten und später auch in Melodien festzuhalten. Langsam aber sicher fühlt sich Jason wieder wohl in seiner Haut. Lange hält das allerdings nicht an: Schon bald beschließt seine Mutter, mit ihrem Sohn nach Los Angeles zu gehen.

Was Jason zunächst gar nicht gutheißen konnte, entpuppt sich als Glücksgriff. In LA trifft er auf den zukünftigen Bassisten von Lifehouse: Sergio Andrade. Die beiden Jungs teilen nicht nur die Wohngegend, sondern auch ihre Geschichte. Sergio, aus Guatemala stammend, kam mit vierzehn nach Amerika und war gerade dabei, sich sowohl die englische Sprache wie auch das Spiel am Bass anzueignen. Zwei einsame Seelen trafen sich und verbrachten fortan ihre Zeit miteinander. Neben ihrem Hintergrund verbindet sie auch die Liebe zur Musik, welcher sie in der Garage freien Lauf lassen. 1996 will man mehr: Eine Band soll es sein. Es kommt ein Drummer hinzu, der allerdings nicht lange dabei bleibt. Zunächst unter dem Namen "Blyss", später unter "Lifehouse", begeistern Jason und Sergio in amerikanischen Highschools und Colleges und erspielen sich ihre ersten Fans.

In dieser Zeit stößt Drummer Rick Woolstenhulme über Freunde zu Lifehouse. Die Chemie unter den Jungs stimmt und schnell steht fest, dass Rick das Duo langfristig ergänzen wird. Dieser trommelte bereits in jungen Jahren in seinem Heimatort Gilbert, Arizona auf so ziemlich allem herum, solange es nur ein Geräusch hergab. Seine Eltern zeigten Verständnis für die Leidenschaft ihres Sohnes und förderten mit dem Kauf eines Schlagzeugs auch dessen Karriere: Rick genoss eine Ausbildung an der Los Angeles Music Academy, Los Angeles.

In dieser Formation werden die Jungs von Ron Aniello entdeckt. Dieser hat zwei Jahre später als Produzent des 2000er Debüts "No Name Face" seine Finger sowohl im Spiel als auch an den Reglern. In den ersten zwei Wochen werden von der Platte 22.000 Exemplare verkauft. Doch zunächst müssen zwei Jahre ins Land gehen, ehe Aniello die drei Jungs ins Studio bittet: Zeit sollen sie sich lassen und ihre Richtung finden. Mit "Breathing" stellten sich Lifehouse Jude Cole von DreamWorks vor, seines Zeichens einer guter Freund Aniellos, und bekamen mit ihm ihren Manager.

"No Name Face" erhält Doppelplatin, die Single "Hanging By A Moment" begeistert ganz Amerika und bald darauf erreicht Lifehouse Menschen auf der ganzen Welt. Den Nachfolger "Stanley Climbfall", ebenfalls produziert von Ron Aniello sowie Brendan O' Brien, beschreibt Leader Jason folgendermaßen: "Auf 'No Name Face' ging es um das Akzeptieren der Lebenssituation, in der man sich befindet und wie man versucht diese zu ändern, ohne zu wissen wie. Das jetzige Album ist mehr als das. Ich weiß, wie ich es tue, also ändere ich sie und gehe weiter vorwärts, nehme das Gute und das Schlechte mit mir und gehe weiter [...] Das Album handelt davon, sich zu bewegen, ohne zurückzublicken und alte Wunden aufzureißen." Diese Attitüde findet sich im Albumtitel wieder: "Jeder hat seine Höhen und Tiefen im Leben und wir schrieben einen Song mit dem Namen 'Stand, Climb, Fall'. Diese drei Wörter ergaben dann zusammen die Redewendung 'Stanley Climbfall'.", so Jason. Ron Aniello war beim Werkeln am zweiten Album darum bemüht, "sie nicht überzuproduzieren, sondern ihre Persönlichkeit herauszustellen. Wir hielten einfache Einstellungen für geeignet, damit man die Reinheit und das Markante der Stimme und die Kraft der Songs hören kann. Das Schöne liegt in den Texten und in der Melodie." Vieles auf der Platte entstand spontan, wurde via Aufnahmegerät auf dem Tisch beim Jammen eingefangen: Was gefiel, wurde gefiltert und wiederverwertet.

Jason Wade ist ein aufmerksamer Beobachter. Nach eigener Aussage reist er beim Songschreiben gedanklich zurück in die Vergangenheit und geht "zu einer Stelle, die ich bedaure. Es ist hart, weiter zu gehen von dieser Stelle in Deinem Leben, aber dieser Kampf muss ausgefochten werden, um dort hin zu kommen, wo du hin willst."

Mitte 2002 passiert, was passieren muss: Sean Woolstenholme, Ricks Bruder, wechselt die Lager. Bevor er aus Lifehouse ein Quartett macht, spielt er bei The Calling die Gitarre. Seit jeher machten Gerüchte um Konkurrenzkämpfe zwischen den beiden Bands die Runde.

Das dritte Lifehouse-Werk bringt eine große Veränderung mit sich: Jason Wade und Rick Woolstenholme machen ihr Ding – allein. Sergio Andrade und Ricks Bruder Sean sind in die Produktion von "Lifehouse" nicht involviert. Die erste Single des Albums "You And Me" genoss viel Airplay, konnte an den Erfolg von "Hanging By A Moment" jedoch nicht anknüpfen.

Das Debüt-Album "No Name Face" ist bis heute ihr populärstes, die ersten Lifehouse-Songs die mit dem meisten Gefühl. Nicht zuletzt wegen ihrer ehrlichen Sanftheit wurden die Stücke "Breathing", "Only One" und "Quasimodo" in den überaus erfolgreichen US-Serien Roswell und Smallville gespielt. Für das zerbrechliche "Everything", der letzte Song auf dem Album, fand man in ihnen gleich dreifache Verwendung. Für jeden Fan ein Muss helfen Lifehouse mit ihren Liedern der Gänsehaut immer wieder nach. Gänsehaut – eben jene dürfte auch Jason Wade heimsuchen, wenn er in einer ruhigen Minute in sich geht und den Verlauf seines Lebens vor dem gedanklichen Auge Revue passieren lässt. Die Musik, die heute sein Leben ist, hat ihn damals gerettet und von der Traufe in den Regen bis hinüber auf die Sonnenseite des Lebens gebracht.

Aljana Pellny - myFanbase

Discographie

2010Smoke & Mirrors
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2007Who We Are
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2005Lifehouse
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2002Stanley Climbfall
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2000No Name Face
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