When Friends Turn against Friends....
BUFFY war genauso wie ANGEL eine Serie, die nicht nur aus Gut und Böse, Schwarz und Weiß bestand. Die Grautöne wurden im Lauf der Jahre breiter, größer, alltäglicher. Und irgendwann waren unsere Helden so viel mehr als nur Kämpfer für das Gute.
Das war vielleicht einer der Hauptfaktoren, die BUFFY und ANGEL zu einem derart großen Erfolg verhalfen. Alle der Charaktere hatten eine dunkle Seite, die auch manche von ihnen ausleben durften – oder mussten. Die Guten wurden zu dunklen Rächern, die Bösen durften auch als Helden glänzen.
So überrascht es auch nicht, dass diese zwei Serien eine der sehr wenigen Serien in der weiten TV – Landschaft waren, in der unsere Lieblinge nicht nur Freunde waren, sondern von Zeit zu Zeit gegenseitig zu ihren größten Feinden wurden. Natürlich geschah dies nicht selten durch wahrhaft böse Machenschaften, oft aber handelten die Charaktere aus vollem Bewusstsein, was die Tragik noch steigen lässt.
Hier habe ich für euch die Top 10 der sogenannten Frenemies (Friends turn to enemies) zusammengestellt, gepickt mit denkwürdigen Quotes und Pro’s und Contra’s.
Platz 1: Faith
"You don’t get it. I don’t care." (after killing Finch)
Wer hat wohl effektiver und konsequenter auf die dunkle Seite gewechselt als Faith, die abtrünnige Jägerin?
Sieht man sich Faiths Charakter, ihre Geschichte und ihre Taten an, wird man unweigerlich an Connor erinnert: Eine Kämpferin, die auf der Suche nach einem Zuhause ihre Ziele aus den Augen verliert. Als Faith nach Sunnydale kam, war sie ein willenstarkes, aber verwirrtes einsames Mädchen, das wusste, wie man Spaß haben konnte, aber keine Familie hatte. Diese fand sie nicht, wie so sehr erhofft, bei Buffy und ihren Freunden, sondern bei Bürgermeister Wilkins III., der zufällig noch ein Dämon war. Denkwürdig der erste Fight zwischen den zwei Jägerinnen, bei dem Buffy ihrer ehemaligen Freundin brutal ein Messer in den Leib stieß - bereit, aus Liebe zu töten.
Doch Faith überlebte – und dies nicht zum ersten und letzten Mal. Denn, dass ein Mensch, oder zumindest eine Jägerin, nicht nur ein Leben hat, bewies wohl keiner besser als Faith. Ob nun im Körper Buffys, als flüchtende Killerin in Los Angeles, oder aber als Killerin, die aus Selbsthass Angel dazu bringen will, sie zu töten – Faith überlebt, um geläutert zurückzukehren. Und um Buffy in ihrer größten Schlacht beizustehen.
Pro: Kein Charakter hat uns derart an seinem Weg teilhaben lassen, wie es Faith getan hat. In vielen Dingen mag sie tatsächlich an Connor erinnern: Genauso wie Angels Sohn war Faith stets bemüht, ihrem Leben einen Sinn zu geben, oder vielmehr nach diesem Sinn zu suchen. Doch eins hat Faith Connor um Meilen voraus: Mit ihr hatten wir Zuseher Mitleid. Sie schaffte es, dass wir durch die Augen einer Killerin sahen, und sogar verstanden, was Faith vor unseren Augen tat. Wir hießen es nicht gut, doch verstanden wir es. Und dies mag vielleicht genauso schrecklich wie ihre Taten selbst sein. Im Gegensatz zu Connor konnte Faith jederzeit zwischen Gut und Böse unterscheiden, wusste, dass sie nach dem Mord an Vizebürgermeister Finch nicht mehr zu den Guten gehörte (vor allem, weil sie den Spaß am Töten entdeckte!), und tat all das, was sie tat, aus vollem Bewusstsein, böse zu sein – und vielleicht macht gerade das Faith zu so einem erschreckenden, aber auch faszinierenden Charakter. Und doch ist sie nicht einfach nur böse – sie leidet genau so sehr, wie sie es genießt, wenn sie tötet – sei es Dämon oder Mensch.
Wenn sie Wesley auf solch eine abscheuliche Art foltert, tut sie es in der Hoffnung, von Angel getötet zu werden. Wenn sie in Buffys Körper mit Riley schläft, tut sie dies, um endlich Liebe zu erfahren. Und wenn sie sich freiwillig dem Gefängnis ausliefert, ist sie ein Charakter, der es mit dem vom Angel mühelos aufnehmen kann – sie will für ihre Taten büßen. Doch auch, wenn sie in der siebten BUFFY – Staffel und im vierten ANGEL – Jahr geläutert zurückkehrt, ist immer noch die gefährliche Aura zu spüren, die Faith umgibt. Sie steht zu ihren Taten, ist nun aber auch bereit, selbst ein Opfer zu bringen. Denn endlich hat sie den Sinn ihres Lebens gefunden: Als Jägerin im Kampf gegen das Böse.
Oder wenn es sein muss, auch gegen die Guten.
Contra: Da gibt es nicht viel zu sagen – die Folgen mit Faith im Mittelpunkt gehören zweifellos zu den Highlights des Buffyversums. Doch vielleicht mag man hier anmerken, dass durch Faith erstmals Buffy negative Seite zum Vorschein kam – hätte Buffy Faiths dunklen Weg nicht doch verhindern können? Denn Buffy hat ihr nie die Familie gegeben, war ihr nie wirklich die Freundin, die Faith gebraucht hätte. Doch mag man darüber streiten, ob dies nun tatsächlich ein Contra – Punkt ist.
Denn wer mag keine Helden mit Ecken und Kanten?
Platz 2: Willow Rosenberg
"It’s about power. And there’s no one in the world with the power to stop me now."
Man konnte nicht ahnen, was aus dem Nerd Willow mal werden würde. Auch dann noch nicht, als sie sich an kleineren Zaubersprüchen probierte und das erste Mal einen Bleistift für ein paar Sekunden schweben lassen konnte. Man konnte es auch noch immer nicht ahnen, dass die kleine Willow, die treue Gefährtin Buffys, mal kurz davor stehen würde, die Welt zu zerstören, als sie das erste Mal meinte, durch Zauberei würde sie sich nicht mehr so unbedeutend fühlen. Als ihre große Liebe Tara dann aber erschossen wurde (die Kugel galt nicht mal ihr), wussten wir: Die Willow von früher ist nun endgültig verschwunden. So wurde Willow also, von Hass, Verzweiflung und Rachsucht geleitet, zur Black Willow, die nur eins wollte: Zuerst den Mörder ihrer Liebe bestrafen, dann die Welt zerstören, auf der doch so viel Leid und Trauer herrscht. Und dabei ging Willow über Leichen, war bereit, sowohl Dawn, als auch Buffy, Anya und Giles zu töten. Bloß Xanders Liebe konnte noch zu ihr durchdringen und die gute Willow erneut hervorrufen, die zwar nicht die von früher war, aber wenigstens auch nicht die Welt zerstören wollte.
Pro: Noch nie ist eine Serie ein dermaßen großes Risiko eingegangen: Einer der ganz großen Sympathieträger wird zur Möderin. Und das mit vollem Bewusstsein. Wenn Willow Warren bei lebendigem Leibe häutet, weiß sie jede Sekunde, was sie tut. Kein Dämon beherrscht sie, keine Macht hat von ihr Besitz ergriffen. Willow genießt aber keine Sekunde ihres Tuns, sie leidet. Was ihre Handlungen noch tragischer machen, da dies noch mal bewusst macht, dass es wirklich unsere Willow ist, die hier mit schwarzen Haaren und Narben im Gesicht sich zuerst einen harten Fight mit Buffy liefert ("You don’t know who I am! – Show me who you are, and I show you, what a real slayer is!"), danach Anya niederschlägt, Giles beinahe brutal tötet, und schließlich die Jägerin und ihre Schwester von Dämonen umbringen lassen will. Sicher haben die Unmengen von schwarzer Magie Willow korrumpiert, doch es ist Willow. Und dies macht sie zu einem der größten Frenemies, denn auch in der siebenten Staffel muss Willow immer noch mit ihrer schwarzen Seite kämpfen.
Contra: Da mag es nur eines geben, und das ist gewaltig: Der Tod von einem der besten BUFFY - Charaktere: Tara. Dieser war nötig, um Willow zur Black Willow werden zu lassen. Das mag einleuchten, denn kein anderer Schmerz hätte Willow so sehr zum Verzweifeln bringen können. Dies beweist einmal mehr, dass Tara zwar ein Charakter im Hintergrund war, der jedoch gleichzeitig zu den wichtigsten Rollen gehörte – hat sie doch bei einigen der wichtigsten BUFFY – Folgen eine enorme Rolle gespielt, und war auch für die Entwicklung Willows der entscheidende Faktor.
Platz 3: Angel(us)
"I’ll never leave. Even if you kill me."
Von den grausigen Taten ausgehend, müsste Angelus hier unangefochten an erster Stelle stehen. Jahrzehnte lang quälte, tyrannisierte und killte er Millionen von Menschen – und hatte seine helle Freude daran. Nicht umsonst war Angelus als einer der brutalsten, grauenhaftesten, aber auch klügsten Vampire bekannt.
Und dann kam etwas, was man Seele nennt.
Seitdem sühnt Angel also für das, was Angelus getan hat – wohl wissend, dass dieser Teil immer in ihm verborgen sein wird. Angel ist das beste Beispiel dafür, dass jeder von uns eine dunkle Seite hat – und was passieren kann, wenn man dieser freien Lauf lässt.
Pro: Viele bezeichnen die zweite BUFFY – Staffel als die beste – nicht zuletzt wegen dem Auftauchen von Angelus. Und brutaler hätte man einen Charakter nicht einführen können: Hatte man Angel zuvor noch langsam, aber stetig als Mitglied der Scooby Gang, und vor allem als Buffys Freund aufgebaut, verwandelte er sich nach der ersten Liebesnacht mit Buffy zum blutrünstigen Monster Angelus. Bis zum Finale der Serie war Angelus vielleicht nicht der stärkste, jedoch der grausamste und größte Feind von Buffy und ihren Freunden – war seine Gewalt doch nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Er spielte mit ihnen so, wie es zuvor und danach nicht noch wer wagte. Oder im Stande war. Auch wenn man wusste, dass dies AngelUS war, ein Wesen ohne Seele, so wusste man doch auch jeden Augenblick seines Tuns, das irgendwo in ihm drin Angel steckte. Er war Angel genauso, wie er es nicht war. Und auch bei seinem späteren Auftreten in der vierten Staffel von ANGEL hatte Angelus nichts von seinem Schrecken verloren – nicht einmal Buffy hatte mit einer derartigen Brutalität gegen Faith gekämpft, wie Angelus es getan hatte.
Dass nicht nur Angelus böse sein kann, bewies uns die zweite ANGEL – Staffel. Bewegte sich hier der Vampir doch in einer Grauzone, war weder gut noch böse, ohne aber seine Seele verloren zu haben. Er feuerte seine Freunde und Kollegen Cordy, Wesley und Gunn, ließ gefühlskalt ein Massacker zu, dem die Seniorpartner von Wolfram & Hart zum Opfer fielen, hackte Lindsey die Hand ab, und setzte ohne mit der Wimper zu zucken Darla und Drusilla in Brand. Angel verwandelte sich vom Retter zum Rächer der Unschuldigen, tat die richtigen Dinge auf falsche Art und Weise, war weder Angel noch Angelus. Und dies mag genauso gefährlich sein wie Angelus selbst – denn wie meinte Drusilla schon so entzückt: "Daddy’s home."
Contra: Deshalb "nur" auf Platz 3, da man nicht vergessen sollte, dass Angelus ein Vampir ist – und diese sind von Grund auf Böse. Ist dies zwar gleichzeitig auch positiv zu bewerten (siehe oben), so verliert der Frenemie – Faktor ein bisschen an Schrecken, da es im Grunde genommen nicht Angel ist, der all diese psychopathischen Dinge ausführt. Dass Angel für Angelus‘ Taten büßen muss, ist zwar einleuchtend und der wichtigste Faktor für die Figur von Angel, doch kann man sich nicht des Gefühls verwehren, dass die Autoren diesen Faktor manchmal etwas zu sehr übertrieben haben.
Platz 4 - Connor
"I just...want to stop. Stop fighting. I just want to rest. God, I want to rest. But I can’t."
Durften wir Connor als unschuldiges, niedliches Baby kennenlernen, stand uns ein paar Folgen später ein junger Mann gegenüber, der mit einer erschreckenden Kälte seinen Vater Angel begrüßte: "Hi, Dad!", sprach er, bevor er seinen Vater mit Pflöcken attackierte. Der Sohn zweier Vampire – Angel und Darla – ist so etwas überhaupt möglich? Das haben wir uns nicht nur seit der Folge gefragt, in der wir die hochschwangere Darla das erste Mal zu Gesicht bekamen (ANGEL 3.1. "Heartthrob"), sondern die gesamte dritte und vierte Staffel hindurch, diese zwei Staffeln, in denen Connor mehr oder weniger seinem Vater im ewigen Kampf gegen das Böse beistand. Die Antwort bekamen wir mit der Göttin Yasmine präsentiert, fünf Folgen später sollte er (beinahe) aus Angels Welt und aus dem Gedächtnis seiner Mitstreiter verschwunden sein.
Pro: Connor wird zu nichts Gefährlichem gezwungen – Connor IST gefährlich. Aufgewachsen in der Höllendimension Kortov, lernte er früh, was es heißt, um sein Überleben zu kämpfen. Von seinem vermeintlichen Vater Holtz gegen Angel aufgehetzt, der nicht mal vor Selbstmord zurückschreckt, um Connor gegen seinen leiblichen Vater aufzubringen, kann Connor Angel bis zu seiner letzten Folge (Das Finale der vierten Staffel, "Home") nicht so recht trauen. So sehr Vater und Sohn sich auch nähergekommen zu sein schienen, so sehr war Connor auch stets bereit, Angel(us) zu töten, ob es denn nun unbedingt sein müsse oder nicht. Connor ist verwirrt, fühlt sich allein in einer fremden Welt, die ihm nicht allzuviel besser als Kortov vorkommt: Nie weiß er so recht, wem er vertrauen kann, wer denn nun wirklich Freund und wer Feind ist. Und genau das macht Connor zu einen der gefährlichsten Gegner des Buffyversums: Versucht er doch bloß, in seiner Welt Ordnung zu schaffen, koste es, was es wolle. So wird er auch ein leichtes Opfer der Evil Cordy, der er mit Haut und Haaren verfallen ist, für die er buchstäblich töten würde, nur um dann zu erkennen, dass es die ganze Zeit über nicht die echte Cordelia war, die ihm nicht nur Zuneigung schenkte, sondern ihn auch in die Welt der Sexualität einführte. So ist er auch von Anfang bereit, die Lüge der Yasmine zu akzeptieren, nur um in einer Welt voller Frieden zu leben, so dass er sich "endlich ausruhen" könne, wie er völlig verzweifelt zu der im Koma liegenden Cordelia meint. Als er dann aus Verzweiflung und vollkommener Verwirrtheit beinahe eine Handvoll Menschen in die Luft sprengt, wissen wir, dass dieser junger Mann, der sein ganzes Leben lang nur kämpfen musste, doch im Grunde seines Herzens nur eins will: Sich endlich auszuruhen.
Contra: So sehr Connor eigentlich eine zutiefst faszinierendste Figur war, da er all seine Taten aus vollem Bewusstsein tat und stets auf der Trennlinie zwischen Gut und Böse balancierte, so sehr war er auch einfach nur – nervend. Dies mag nicht am Schauspieler (Vincent Kartheiser) liegen, der die Zerrissenheit Connors sehr gut darstellte, sondern vielmehr einfach am Charakter selbst gelegen haben. Nur selten konnte man als Zuseher Mitleid für Connor empfinden, da dieser, so sehr sich Angel auch anstrengte, ihn immer wieder brutal (oft im wahrsten Sinne des Wortes) zurück stieß. Nicht selten musste Connor erst mal überzeugt werden, dass Angel zu den Guten angehöre, wobei man sich irgendwann nur noch dachte, wie viele Beweise Connor den noch brauche. Die Kluft zwischen Connor und seinem Vater mag man vor allem der besessenen Cordelia zuzuschreiben haben, jedoch muss man sich fragen: Hätte sich zwischen den beiden wirklich eine um so viel bessere Beziehung entwickelt, wenn Cordy nicht die Fäden gezogen hätte? Man hatte den Eindruck, dass Connor sich nicht helfen lassen wollte, und manchmal vermittelte er einfach nur den Eindruck eines verwöhnten pubertierenden Teenagers (was man aber auch durchaus auch als positiv bewerten kann, da dieses Teenager – Verhalten Connor eine große Authentizität verlieh).
Die ANGEL – Fans selbst spaltete dieser junger Mann in zwei Lager: Die einen liebten ihn, die anderen hassten ihn.
Platz 5 - Cordelia Chase
"Everything happens for a reason!"
Als Cordy in der dritten ANGEL – Staffel zu einem "higher being" aufstieg, wusste keiner so richtig, wie es denn nun mit Charismas Carpenters Rolle weitergehen sollte. Manche rätselten sogar, ob Cordy überhaupt wieder kommen würde. Sie kam – und wie. Erinnerte sie sich zunächst an überhaupt nichts mehr, gelang es Lorne durch einen Zauber, ihr Gedächtnis wieder zurück zu gewinnen – und weckte so auch das Böse in ihr. Oder vielmehr die Göttin, die sie die gesamte vierte Staffel von nun an kontrollierte. Cordelia war also nicht mehr sie selbst, als sie unschuldige Wesen und Menschen tötete, gegen Willow antritt, Connor gegen seinen Vater aufhetzte, Lilah tötete, und schließlich die Göttin Yasmine gebar.
Pro: Sie war dies alles genauso sehr, wie sie es nicht war. Genauso wie Yasmine dem gesamten Team Angel (und nebenbei auch der ganzen Welt) ihren freien Wille genommen hatte, hatte sie dies die gesamte Staffel mit Cordelia getan. Sie war es nicht selbst, die entschied, dass Connor Angelus töten musste, die es für das beste hielt, Angelus aus seinem Käfig zu lassen. Doch wie sie es tat – das war Cordelia. Unsere lieb gewonnene Cordy. Angels Kämpferin, die so viel für ihn getan hatte und ihm von allen am nächsten Stand, wird zu seinem größtem Gegner. Jedesmal, wenn Cordy zu Connor flüstert "We’re something special!", dann blitzt immer noch unsere Cordy durch diese böse Maske. Cordelias Stärke, ihr Herz, ihre Gabe, zu trösten, zu helfen, Gespräche zu führen, wird nun zu ihrer gefährlichsten Waffe. Keiner hätte Yasmines Pläne derart perfekt durchgeführt wie Cordelia. Laut TV Guide ist der Cordelia – Plot "one of TV’s best kept secrets!". Na, wenn das nichts ist!
Contra: Dass Cordy die ganze Zeit über von einem anderen Wesen kontrolliert wurde, nimmt natürlich einiges am Schock (auch wenn dieser trotzdem noch groß genug ist!). Wäre es doch viel schockierender, verstörender und wirksamer gewesen, hätte Cordelia aus vollem Bewusstsein all diese schrecklichen Dinge getan – doch natürlich lässt sich dieser mit der Logik innerhalb von ANGEL nicht richtig vereinbaren. Richtig enttäuschend ist aber Cordys Ende: Kaum ist Yasmine geboren, scheint Cordy vergessen. Paar mal ist uns noch gewährt, die im Koma liegende Cordelia zu Gesicht zu bekommen. Auch scheint es den anderen nicht recht viel zu kümmern, dass Cordy nun im Koma verweilt. Einen Abschlussfolge bekommt Cordy erst in der fünften Staffel – trotzdem hätte man sich für einen so wichtigen Charakter im Buffyversum, der eine noch größere Entwicklung als Wesley durchgemacht hat, einen fulminanteren Abschied gewünscht.
Platz 6 - Spike
"Great love is wild, and passionate and dangerous. It burns and consumes."
Es dauerte nicht lange, bis der durch den Chip gezähmte Spike ein unverzichtbares Mitglied der Scoobie Gang wurde. Buffy verfallen, war er bereit, seiner Traumfrau bis ans Ende der Welt zu folgen (was er schließlich buchstäblich auch tat). Er akzeptierte Buffy in der sechsten Staffel vielleicht als einziger der Gruppe so, wie sie war. Er war zwar die Art von Freund, der für eine junge Frau nicht gut ist, jedoch liebte er Buffy aus ganzem Herzen. Er ließ sich von ihr benutzen, ließ sich von ihr schlagen, nur um sie noch mehr zu lieben. Was in "Seeing Red" (sechste Staffel) seinen tragischen Höhepunkt nimmt: Spike kann ohne Buffys Nähe nicht mehr leben, verkraftet ihren Wunsch nach Trennung nicht, und will ihr auf abscheuliche Art "beweisen", dass sie ihn im Innersten noch immer begehrt. Mit letzter Kraft kann sich Buffy vor der Vergewaltigung retten. Mit Tränen in den Augen wirft sie ihn aus dem Haus: "Ask me again why I could never love you1"
Pro: BUFFY war stets eine Serie, die Grenzen überschritt, Tabus brach, Wagnisse einging – und mit dieser Vergewaltigungszene stellte Joss Whedon auch im sechsten Jahr unter Beweis, dass BUFFY einer der dunkelsten Serie in der TV – Landschaft ist. Kannte man zwar Spike, den Vampir, den blutrünstigen Killer, erschreckt diese Szene doch wie fast keine andere – denn Spike hat sich, nicht zuletzt wegen seiner Liebe zu Buffy, geändert, gehört nun zu den Guten. Mit dieser Handlung stellt er unter Beweis, dass er im Grunde seines Wesens noch immer ein Monster ist. Und erkennt, dass die Liebe zu Buffy auch für ihn zerstörerisch ist, grenzte diese als letztes doch an Besessenheit. Von sich selbst angeekelt, beschließt Spike, sich erneut eine Seele einpflanzen zu lassen – einer der wichtigsten Themen der finalen Staffel.
Contra: Vielen war diese Szene, wie die gesamte sechste Staffel, zu gewagt. Hatte man doch Buffy und Spike schon beinahe als zweites Traumpaar gesehen, Spike als neuen Helden ins Herz geschlossen, macht Joss Whedon mit dieser Handlung Spikes alles erneut zu Nichte. Gehört eine Vergewaltigung wirklich in eine Teenie – Serie?
Doch vielleicht war Buffy gar keine Serie für Teenager mehr zu dem Zeitpunkt.
Platz 7 - Wesley Wyndham – Pryce
"Vengeance? Sounds good."
Wesley hat nie gegen einen seiner Freunde gekämpft. Hat nie einen von ihnen getötet. Doch hat er sie hintergangen, belogen, mit dessen Erzfeindin geschlafen und wäre auch jeder Zeit bereit gewesen, einen von ihnen zu töten, wäre dies der einzige Ausweg. Vom hilflosen, steifen Wächter in BUFFY zu einen knallharten Kämpfer in ANGEL, der vielleicht als einer der wenigen die Regeln des ewigen Kampfes Gut gegen Böse wirklich verstanden hat. Angefangen hat alles, als er Angels Sohn Connor entführte, um diesen vor dem Vampir zu schützen (der bezüglich einer Prophezeiung seinen Sohn töten soll). Noch dazu machte er gleichzeitig gemeinsame Sache mit Angels Erzfeind Holtz (einer von vielen). Stets glaubte er, im Dienste der Guten zu handeln, bis sich herausstellte, dass er die Prophezeiung falsch übersetzt hatte (was ihm übrigens schon einmal in der ersten Staffel von ANGEL passiert war).
Nun konnte er nicht mehr zurück, schuf sich seine eigene Kampfesgruppe, schlief mit Lilah Morgan, hielt Holtz‘ Partnerin Justin in Ketten gefesselt im Schrank gefangen, und rettete gleichzeitig Angel aus den unendlichen Tiefen des Ozeans. Aufgrund der schrecklichen Ereignisse während der vierten Staffel gelingt es Wesley langsam wieder, sich in die Gruppe zu integrieren. Doch ist er knallhart geblieben: Er war bereit, Angel und Cordelia zu töten, sollte es denn notwendig sein, half Fred bei ihrem persönlichen Rachefeldzug, und war die treibende Kraft hinter der Idee, Angel die Seele zu stehlen. Außerdem schlug er der toten Lilah den Kopf ab, um zu verhindern, von ihrer Vampir – Version heimgesucht zu werden. Reicht das?
Pro: Wesleys Veränderung gehört zu den stärksten im Buffyversum. Die Kälte und Entschlossenheit, mit der er vorgeht, ist schockierend, weiß man als Zuseher aber im Hinterkopf doch, dass er eigentlich Recht hat. Er zieht das durch, wovor die anderen zurück schrecken. Als er Connor entführte, glaubte er, richtig zu handeln, unterlag aber einem folgenreichem Irrtum. Er reichte dem Bösen die Hand, die jedoch gnadenlos abhackt wurde. Es tut weh zu sehen (gleichzeitig aber auch überragend faszinierend), wie Wesley glaubt, die richtigen Dinge zu tun, nur um sich noch mehr den Abgrund zu nähern. Er verletzt Fred tief, als diese erfährt, dass er mit Lilah eine sexuelle Beziehung hatte. Das Vertrauen der andern zu Wesley wird wohl nie wieder so sein, wie es war. Noch nie war ein Charakter so sehr in der Grauzone gefangen – und dies nicht nur ein paar Folgen lang.
Contra: Bei so einer genialen Charakterentwicklung wäre es eine Schande, etwas Negatives suchen zu wollen.
Platz 8 - Buffy Summers
"At some point, someone has to draw the line, and that is always going to be me. (...) There’s only me. I am the law.”
Dass Buffy Summers von Anfang an eine Heldin mit Ecken und Kanten war, bemerkten wir bereits in der ersten Staffel. Dass sie als Jägerin sehr stark mit der dunklen Seite verbunden ist, und ihre Kräfte sogar bösen Ursprungs sind, erfuhren wir in der fünften Staffel. Auch wenn Buffy beinahe die gesamte Serie lang bloß ein normales Mädchen sein wollte, hat sie irgendwann gelernt, ihre Berufung zu akzeptieren. Vielleicht war dies, als sie sich für die Welt opferte, vielleicht war dies auch erst im Laufe der finalen Staffel. Denn da hat sie endgültig gelernt, was es heißt, eine Jägerin zu sein. Dass, wenn man die Welt beschützen musste, auch persönliche Opfer bringen muss.
Doch dies lernte Buffy bereits sehr früh, das erste Mal, als sie Angel, ihre ganz große Liebe, zum Finale der zweiten Staffel töten musste. Und gegen wie viele ihrer Freunde sah sich Buffy im Laufe der Jahre gezwungen, gegen sie anzutreten, und wenn es sein musste, auch bis zum Äußersten zu gehen: Faith, Willow, Anya, Spike (als dieser eine Seele hatte) und natürlich Angel(us) – alle diese Leute hatte sie geliebt, gegen alle musste sie antreten. Doch dies musste sie tun, als Jägerin hatte sie keine Wahl – sie wollte ihre Freunde nie von sich aus töten, sie wollte nur die anderen vor ihnen beschützen.
Eine Ausnahme stellt hier die geniale Folge "Normal Again" (sechste Staffel) dar, als Buffy von einem Dämonen infiziert wurde, und demnach glaubte, Sunnydale und dessen Bewohner seien nichts mehr als Lügen, Einbildungen, die sie daran hinderten, in ihre "normale" Welt zurückzukehren. So hetzte sie also den Dämon auf ihre Freunde und ihre Schwester, nur um bei der Meuchelei zuzusehen. Sie schaffte es aber, gegen das Gift anzukämpfen und ihre Freunde in letzter Sekunde zu retten.
Pro: Dass Buffy sich im Laufe der Jahre stets gezwungen sieht, gegen ihre eigenen Freunde anzukämpfen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Serie, und verleiht nicht nur Buffy zusätzliche Tragik. Folgen, die Buffy gegen einen ihrer Mitstreiter zeigt, gehören zu den besten der ganzen Serie.
Contra: "Normal Again" ist eine brilliante Folge, und auch die Gefühllosigkeit, mit der Buffy den Dämon auf ihre Freunde hetzt, erschreckt. Jedoch weiß man stets, dass dies nicht wirklich Buffy selbst ist, die hier handelt, sondern sie das Gift des Dämons dazu zwingt. Man kann dies also Buffy nicht vorwerfen, deshalb verliert diese Tat wieder einiges an ihrem Schrecken.
Platz 9 - Anya(nka) Jenkins
"I’m not even sure there’s a me to help."
Anya, oder besser ihr dämonisches Alter – Ego Anyanka, war für die Scooby Gang nie wirklich eine Gefahr, stoß sie doch erst zur Gruppe, als sie bereits wieder ein Mensch war, und lernen musste, mit menschlichen Gefühlen umzugehen. Als sie dann aber von ihrer großen Liebe vorm Traualtar stehen gelassen wird, entscheidet sie sich wieder fürs Rachegeschäft und wird erneut zum Rachedämon. Was eine Staffel darauf folgt, ist eine der besten und beeindruckensten Kampfszenen, die man je in BUFFY gesehen hat: Anyanka gegen Buffy ("Selfless"). Und Buffy gelingt es sogar, ihr ein Schwert ins Herz zu rammen – nicht wissend, dass man so Rachedämonen nicht töten kann. Danach wird Anyanka von D’Hoffryn wieder zu Anya gemacht.
b]Pro: Anya gegen Buffy – spannender geht es kaum noch. Hatten die beiden doch bis zum Kampf nur bedingt etwas miteinander zu tun, geht es nun plötzlich ums Ganze. Xander hat Buffy nie ganz verziehen, dass sie seine große Liebe töten wollte. Und auch ihr selbst fiel das nicht leicht. Endlich erlebt man Anyanka auch so richtig in Action, war sie doch bisher nur eher passiv zu sehen. Sehr schön ist auch der Schmerz, den Anyanka nicht gelingt zu verstecken, war sie doch viel zu lange Mensch, um einfach so wieder ins Rachegeschäft einsteigen zu können. Zu viel hat sie erlebt, zu viel Schmerz erlebt. "Selfless" gehört eindeutig zu den Top – Episoden der Serie.
Contra: Buffy entscheidet sich ein bisschen zu schnell, Anya zu töten – blitzt da die bis zu letzt nicht ganz verschwindende Antipathie mit? Außerdem wird danach nie wieder auf den Kampf eingegangen – man hätte mit diesem Konflikt viel anfangen können, auch bzgl. Xanders Charakter.
Platz 10 - Xander Harris
"Come on, Slayer, I like it when you scared. The more I scare you...the better you smell."
Xander durfte nicht oft böse sein. Stets war er die Seele der Gruppe, sah Dinge, Gefühle, die anderen verborgen blieben. Er war stets der good guy unter den Scoobies. Doch bereits in der sechsten Folge der ersten Staffel ("The Pack") durfte er beweisen, dass er auch anders kann. Xander wurde, wie vier andere Schüler schon vor ihm, Opfer des Geistes afrikanischer Hyänen. So verwandelte sich auch Xander in eine menschliche Hyäne: Er wurde rücksichtslos, brutal, gemein. Und hielt sich natürlich für den Größten. Natürlich blieben auch Xanders damalige Gefühle für Buffy nicht außer Acht, und so kam es fast zur Vergewaltigung von Xander an Buffy (somit also erlitt Buffy beinahe zwei Vergewaltigungen: Xander, und fünf Jahre danach, Spike. Schon damals griff BUFFY Themen auf, die anderen Serien zu heiß waren). Xander kommt erschreckend gefährlich und kaltblütig rüber. Besonders hart: Xander meint zu Willow, er brauche sie nun nicht mehr für Mathe, er wolle ihr dummes Gesicht nicht mehr sehen. Es schmerzt, anzusehen, wie für die schüchterne, unsichere, völlig in Xander verliebte kleine Willow eine Welt zusammenbricht. Damals konnte sie noch nicht wissen, was für Schmerzen ihr das Universum noch entgegen schleudern würde.
In der siebenten Staffel ("End of Days") entführt er auf Geheiß von Buffy Dawn, um diese vor der großen Schlacht zu schützen. Dies tut er zwar im Namen des Guten, die Skrupellosigkeit erschreckt aber trotzdem.
Pro: Er war der erste der Scoobies, der böse sein durfte. Es war erfrischend, einen der Guten mal in einer völlig anderen Rolle zu sehen. Es ist überraschend, wie böse Xander tatsächlich ist. Im Vergleich zu den späteren BUFFY – Jahren ist Xander hier zwar kein ernst zunehmender Gegner, jedoch kann man ihn getrost als Vorreiter der Frenemies bezeichnen. Wenn Xander Willow nur durch Worte verletzt, bekommen wir einen ersten Eindruck, dass die größte Gefahr nicht zwangsweise von Dämonen ausgehen muss.
Die Szene der vorletzten BUFFY- Folge mag zwar im Großen nicht sehr wichtig gewesen sein, zeigt aber kurz vor dem Finale noch einmal Xanders Charakterentwicklung, die vielleicht manchmal Gefahr läuft, übersehen zu werden. Die Entführung Dawns ist zwar nur von kurzer Dauer, und noch dazu erfolglos, gehört jedoch zu den besten Xander – Szenen der ganzen Serie.
Contra: Im Kontext der Serie ist Xanders Verwandlung in eine menschliche Hyäne natürlich nicht weiter wichtig, beinahe unbedeutend. Noch dazu weiß man als Zuseher von Anfang an, dass Xander am Ende dieser Folge wieder der brave, normale Junge sein wird, was natürlich ein bisschen an Spannung nimmt. Verwandlungen in Dämonen, um den Charakter die Möglichkeit zu geben, mal völlig anders zu agieren, ist in Mystery – bzw. SciFi – Serien nichts Außergewöhnliches.
Manuel - myFanbase
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