Bewertung: 6
Alexandra Monir

Lilienfeuer

Das geheimnisvolle Vermächtnis von Rockford Manor.

Foto: Copyright: Verlagsgruppe Random House GmbH
© Verlagsgruppe Random House GmbH

Inhalt

Imogen Rockford war gerade erst zehn Jahre alt, als ihre Eltern in einem geheimnisvollen Feuer ums Leben kamen. Seither sind sieben Jahre vergangen und noch immer schafft Imogen es nicht, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und hat dem Anwesen Rockford Manor seit jener Nacht den Rücken gekehrt. Aufgewachsen ist sie bei einer Pflegefamilie in New York und lebt dort ein behutsames Leben, umgeben von Freunden, die sie lieben. Doch wird Imogens Welt abermals auf den Kopf gestellt, als sie die Mitteilung erreicht, dass ihre Cousine Lucia auf tragische Weise verunglückt ist. Diese Nachricht bedeutet, dass sie nunmehr das Erbe als Herzogin von Rockford antreten und sich gezwungenermaßen ihrem schlimmsten Albtraum stellen muss. Imogen verlässt ihr behütetes Familienleben und zieht nach England, wo merkwürdige Vorkommnisse sie begleiten. Diese werfen die Frage auf, ob die Todesfälle ihrer Familie wirklich bloß Zufall waren oder ob viel mehr dahintersteckt.

Kritik

Alexandra Monir ist eine begnadete Schriftstellerin, die durch einen bezaubernden Schreibstil genau weiß, wie sie ihre Leser in ihren Bann ziehen kann. Auch in "Lilienfeuer" fließen die Worte nur so dahin und es dauert nicht lange, bis man vollends in der Geschichte gefangen ist. Zwar handelt es sich überwiegend um einen spannenden Mystery-Roman, dieser wird jedoch mit einem Hauch von Romantik gekoppelt.

Unter den Jugendbüchern ist dieses Genre in der Vergangenheit eine echte Seltenheit geworden, weshalb es umso schöner ist, dass Monir es mit "Lilienfeuer" gewagt hat, den Mystery-Roman wieder an den Mann zu bringen. Die Handlung ist relativ einfach gestrickt, sodass es nicht schwer fällt den Überblick über die Ereignisse zu behalten. Auch wenn der Prolog zunächst etwas verwirrend ist, so wird doch am Ende alles aufgeklärt.

Imogen ist eine interessante Protagonistin. Sie hatte nie vor, das Erbe als Herzogin von Rockford Manor anzutreten. Zwar hat sie ihr Leben lang eine Verbindung zu diesem Ort verspürt, nichtsdestotrotz ist das Adels-Dasein nicht ihre Stärke. Es braucht seine Zeit, bis sie sich daran gewöhnt, eine mächtige Frau zu sein, die in Besitz von vielen Ländereien ist und den Menschen ein Vorbild sein muss. Doch ist Imogen eigentlich noch ein Mädchen, das nicht so Recht weiß, wo ihr Platz auf der Welt ist. Im Laufe der Geschichte durchlebt sie eine einmalige und vor allem überzeugende Wandlung. Sie entwickelt sich von einem verunsicherten Mädchen zu einer starken jungen Frau.

Einer der Hauptgründe für die Veränderung von Imogen heißt Sebastian. Seit sie denken kann, ist sie in ihn verliebt, weshalb es für sie umso schöner ist, dass er nach all den Jahren ihre Liebe endlich erwidert. Monir gelingt es wirklich gut, die Balance zwischen Mystery und Romance zu wahren. Zwar kommt die Liebesgeschichte – wie es nur allzu oft in Jugendbüchern ist – etwas schnell daher, aber wenn man bedenkt, wie lange Sebastian und Imogen sich eigentlich schon kennen, kann man über dieses Tempo hinwegsehen.

Die Handlung von "Lilienfeuer" ist sehr gut durchdacht und der leichte Anflug von Magie gibt dieser noch das gewisse Extra. Monir hat hier neue Ideen einfließen lassen, wodurch sich das Buch aus der Masse hervorhebt. Über Elementarier, Menschen die in der Lage sind, die Elemente zu ihren Gunsten zu kontrollieren, liest man wenig. Wer sich also nach ein bisschen Abwechslung im YA-Bereich sehnt, der sollte zu diesem Buch greifen. Trotzdem ist "Lilienfeuer" nicht durchweg perfekt und bleibt nicht unbedingt lange im Gedächtnis verhaftet, da es einige Schwächen gibt. Die Story ist zwar neuartig, interessant und sehr spannend, doch zieht sich der mittlere Teil etwas in die Länge. Zugegeben, man erhält häppchenweise Puzzleteile für die große Auflösung des Mysteriums, doch sobald Imogen in ihren Ermittlungen etwas stockt, stocken auch die Handlung und der Lesefluss.

Das Ende ist ein weiteres Manko, da es zu plötzlich kommt. Es werden immer mehr Rätsel um die Todesfälle der Familie offengelegt, doch die Lösung des Ganzen wird etwas platt dargestellt und es kommt vor, dass der Leser den einen oder anderen Gedankengang von Imogen nicht ganz nachvollziehen kann. Dennoch schafft Monir es hier, einige interessante Wendungen einzubringen, mit denen man absolut nicht rechnet. So war ich ziemlich überrascht darüber, inwieweit alle Geschehnisse zusammenhängen und zum Schluss schlüssig aufgelöst werden.

Eigentlich bleibt nur eine einzige Frage offen: Wird es einen Folgeband geben? Bisher ist scheinbar keine Fortsetzung in Planung, allerdings gibt es noch einiges an Spielraum, um die Geschichte weiterzuführen. Es stört zwar nicht, wenn "Lilienfeuer" unter den vielen Fortsetzungsromanen ein Einzelband bleibt, je nach Erfolg wird es aber bestimmt weitere Bücher geben.

Fazit

Alexandra Monir schafft es, in ihrem Mystery-Roman eine spannende und düstere Atmosphäre zu kreieren, die den Leser sofort in den Bann zieht. Trotz einiger Schwächen kann "Lilienfeuer" mit einer interessanten Handlung und wunderbar ausgereiften Charakteren überzeugen.

Sanny Binder - myFanbase
06.10.2015

Diskussion zu diesem Buch