Bewertung: 4
Kushner, Rachel

Flammenwerfer

"I'd been listening to men talk since I arrived in New York City. That's what men like to do. Talk. Profess like experts. When one finally came along who didn't say much, I listened."

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Inhalt

Eine junge Kunststudentin, die von allen nach ihrem Geburtsort nur Reno genannt wird, verschlägt es Mitte der 1970er Jahre nach New York. Schnell knüpft sie erste Kontakte zur hiesigen Kunstszene in SoHo und lernt den älteren, bereits etablierten Künstler Sandro Valera kennen und lieben. Sandro stammt aus einer reichen italienischen Familie, die Motorräder und Reifen produzieren lassen. Reno, selbst begeisterte Motorradfahrerin, landet mit ihrem Freund Sandro Valera auf einigen Umwegen in Italien, wo sie im Auftrag seiner Firma auf Promotionstour gehen soll. Doch die Entführung eines Teamkollegen durch die Roten Brigaden macht dem Plan ein Strich durch die Rechnung. Reno findet sich plötzlich in der linksradikalen Szene in Italien wieder.

Kritik

Die Mischung klingt erfolgsversprechend: Kunst, Politik, New York, Italien und die 1970er Jahre. Leider beweist Rachel Kushner, dass selbst mit solch spannenden Themen ein Roman langatmig werden kann. Die Autorin bedient sich zwar einer schönen, poetischen Sprache, aber trotzdem ist die Lektüre von "Flammenwerfer" streckenweise sehr zäh.

Kushners Figuren in dem Roman sind stereotyp gezeichnet: Reno ist das typisch naive Mädchen aus dem amerikanischen Niemandsland, das durch New York stolpert und sich Hals über Kopf in den ebenfalls holzschnittartig dargestellten Macho Sandro verknallt. Sandros Kunstfreunde sind selbstverliebte und selbstreferenzielle Narzissten, die viel reden und wenig zuhören. Wäre das als Satire auf die Kunstszene gemeint, es wäre genial. Leider versucht "Flammenwerfer" aber, cool zu sein und diese gewollte Coolness spiegelt sich in den unsympathischen Charakteren wider. Und so sind die interessantesten Kapitel die, die in der gewaltbereiten autonomen Szene Italiens spielen. Auf diesen Seiten glänzen nämlich Sandro und die Künstler mit Abwesenheit und auch Reno stellt nicht mehr als eine teilnehmende Beobachterin dar.

Der Roman war in den USA übrigens sehr erfolgreich: Dort gab es größtenteils positive Kritiken, er wurde von Jonathan Franzen hochgelobt und schaffte es in die finale Runde des National Book Awards 2013.

Fazit

"Flammenwerfer" ist ein Roman mit interessanten Aspekten und Themen, der viel will und wenig kann – er ist zu artifiziell, um sein Potential zu entfalten. Die Charaktere sind zumeist unerträglich und unglaubwürdig. Wirklich zu begeistern weiß Rachel Kushners Werk nur dann, wenn die Protagonisten in den Hintergrund treten und temporären Figuren Platz machen.

Wer sich für Kunst und New York interessiert, dem wird die Lektüre unter Umständen Spaß machen. Wer den Roman nicht liest, verpasst auch nicht viel.

Isabella Caldart - myFanbase
01.04.2015

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