Bewertung: 8
Brown, Dan

Inferno

Die heißesten Orte der Hölle sind reserviert für jene, die in Zeiten moralischer Krisen nicht Partei ergreifen.

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Inhalt

Völlig orientierungslos erwacht Robert Langdon in einem italienischen Krankenhaus und erfährt durch die Ärztin Sienna Brooks, dass er angeschossen und nur knapp dem Tode entkommen ist. Nur wenige Minuten später können sie einem weiteren Attentat entkommen. Was zwei Tage früher passiert ist, weiß Robert nicht mehr, ebenso wenig, wer es auf ihn abgesehen hat. Zudem plagen ihn Alpträume, in denen eine Frau ihn drängt, zu suchen und zu finden. Alles scheint mit Dantes "Inferno", der Verbildlichung des Todes und der Hölle aus der "Göttlichen Komödie", und einem kleinen Metallzylinder mit einer Botschaft zu tun zu haben. Obwohl Robert nicht weiß, wie das "BioTube" in seine Hände geraten konnte, entschlüsselt er die Nachricht und stellt schockiert fest, dass die Existenz der Menschheit auf dem Spiel steht.

Kritik

Nach "Das verlorene Symbol" geht es weiter mit dem berühmten Symbolforscher aus Harvard. Doch im Gegensatz zu den bisherigen Teilen rund um Robert Langdon schlägt Dan Brown diesmal eine etwas andere Richtung ein. Kirchenverschwörungen und alte Theorien waren gestern, heute stehen die Gegenwart und vor allem die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel. Auch wenn diesmal also keine Religionskriege oder sonstige Verschwörungen von mystischen Organisationen im Untergrund im Mittelpunkt stehen, ist sich Dan Brown seinem Schreibstil treu geblieben. Zudem bezieht sich Brown auf Dantes Werk "Inferno" inklusive Schnitzeljagden durch Metropolen und Symbolentschlüsselungen, doch das alles ist nicht ausschlaggebend, sondern führt am Ende zu einem unheimlichen, gerade zu weltbewegendem Ganzen.

Die detailreichen Beschreibungen der Gebäude in Florenz, Venedig und Istanbul sind beeindruckend, ziehen sich aber wie gewohnt etwas in die Länge. Das war aber auch in den letzten Bestsellererfolgen "Sakrileg", "Illuminati" und "Das verlorene Symbol" nicht anders. Immerhin handelt es sich um den bedeutsamen Kunsthistoriker und Symbolforscher Robert Langdon, bei welchem man seitenlange Beschreibungen über sich ergehen lassen muss.

Dies tut der Spannung aber keinen Abbruch. Besonders, da drei Handlungsstränge parallel laufen und am Ende der rote Faden erkennbar ist. Zudem bringt die Protagonistin Sienna Brooks frischen Schwung ins Geschehen und ist präsenter als alle bisherigen weiblichen Charaktere in den Robert-Langdon-Romanen. Man ergreift sofort Partei für sie und nicht selten sorgen ihre einfallsreichen Ideen für amüsante Szenen. Sie ist eine ebenbürtige Mitspielerin für Robert, was manchmal vergessen lässt, dass eigentlich Robert der Held des Romans ist.

Durch Roberts Gedächtnisverlust wird man genau so in ein perplexes Verfolgungsspiel hineingeworfen wir er selbst. Im Gegensatz zu den bisherigen Teilen hat man zu Beginn nicht den leisesten Schimmer, um was es wirklich geht. Stück für Stück setzt man mit Robert und Sienna das Puzzle zusammen und die kurzen Kapitel machen es dem Leser leicht, das Buch in fast einem Zug durchlesen zu wollen. Auch wenn es sich anfänglich etwas hinzieht, wird spätestens ab der zweiten Hälfte eine völlig neue Schiene gefahren und die Handlung bekommt unerwartete Wendepunkte. Spannung ist vorprogrammiert, genau so wie die erwartungsgemäß vielen Schockmomente. Erst am Ende des Buches wird man sich der vollen Bedeutung des geschilderten Ausmaßes bewusst. Es regt mehr zum Nachdenken an als seine Vorgänger und lässt den Leser schockiert und mit einer ungeheueren Zukunftsprognose zurück. Das Erschreckende und Faszinierende zugleich ist, dass Dan Brown es so logisch wie selbstverständlich schildert, dass es schon bald Wirklichkeit sein könnte.

Fazit

Robert Langdon ist zurück! Dan Brown enttäuscht nicht und setzt seine spannende Buchreihe fort. Diesmal jedoch mit einer sehr unerwarteten und schockierenden Handlung, die bis zum Schluss den Atem anhalten lässt.

Zur Rezension von Band 1 "Illuminati"
Zur Rezension von Band 2 "Sakrileg"

Tanya Sarikaya - myFanbase
15.08.2013

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