Bewertung: 9
Roth, Veronica

Die Bestimmung

"Ich bin nicht selbstlos. Ich bin mutig."

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Inhalt

Beatrice steht kurz vor ihrem Eignungstest, der ihr Leben verändern wird. Das Ergebnis wird ihr die Entscheidung erleichtern, welcher Fraktion sie künftig angehören will. Ihre Familie gehört den Altruan, den Selbstlosen, an. Dort ist sie aufgewachsen, die Werte sind ihr bekannt: niemals an sich selbst denken. Doch nicht immer schafft sie es, sich so zu verhalten, wie es der Kodex ihrer Faktion vorgibt. Wird der Eignungstest ihr womöglich doch eine andere Fraktion zuschreiben? Es gäbe da noch die Ferox, die Furchtlosen, die Candor, die Freimütigen, die Ken, die Wissenden, und die Amite, die Friedfertigen. All diese Fraktionen leben unter sich nach ihren eigenen Werten und Regeln. Jede Fraktion hat eine Aufgabe, die der Allgemeinheit zu Gute kommt. Doch für welche Aufgabe ist Beatrice bestimmt? Muss sie ihre Familie verlassen, um in einer anderen Fraktion ihre Stärken auszuleben? Oder bleibt sie und muss dafür lernen, sich voll und ganz wie eine Altruan zu verhalten? Der Eignungstest sagt es all denen, die in das Alter kommen, sich für den Rest ihres Lebens für eine Fraktion zu entscheiden. Er wird auch Beatrice sagen, wozu sie bestimmt ist. Doch der gefürchtete Eignungstest macht sie zu einer Unbestimmten. Unwissend, was das zu bedeuten hat, beginnt ein spannendes Abenteuer für Beatrice.

Kritik

Meine anfängliche Reaktion auf das mir hier präsentierte Gesellschaftsbild war Verwirrung. Wie sollte das funktionieren? Wie sollte das gut gehen die Menschheit nach einzelnen Werten zu kategorisieren? Von einem Menschen zu erwarten, dass er immer selbstlos oder immer ehrlich sein muss? Und nicht nur, dass es schwer genug wäre, den Werten der eigenen Fraktion nachzukommen, häufig widersprechen sich die Werte der Fraktionen und somit ist es eigentlich nicht erlaubt, neben dem Wert der eigenen Fraktion irgendwelche anderen Eigenschaften an den Tag zu legen. Das klingt unmöglich und verschroben. Doch schon bald stellt sich heraus, dass genau das ja das Problem der Gesellschaft ist und dass die Menschen ihr eigentlich gut gedachtes System, das den Frieden bewahren sollte, falsch auslegen und beginnen untereinander zu konkurrieren.

Eigentlich ist es nichts Neues: Ein undenkbares Gesellschaftssystem, in erster Linie dem Sinn und Zweck nach aufgebaut, ein friedliches und geregeltes Miteinander zu gewährleisten. Eine Heldin, die in kein konventionelles Rollenbild passt und genau deswegen an die Grenzen dieser Gesellschaft stößt. Ein bevorstehender Umbruch. Eine Liebesgeschichte. Da stellt sich mir die Frage: Warum wird das nie langweilig?. Anscheinend weil es funktioniert. Immer wieder steigen beim Lesen Erinnerungen an andere Bestseller wie die "Tribute von Panem" von Suzanne Collins oder Anne Aguires "Die Enklave" auf. Das stört aber nicht. Trotz einiger sich ständig wiederholender Parallelen, die wohl einfach dem aktuellem Jugendbuch-Trend zu zuschreiben sind, ist "Die Bestimmung" unterhaltsam, spannend und mitreißend. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und die aufgebaute Welt ist zum Greifen nah.

Die Hauptfigur Beatrice, später Tris genannt, trieb mich während des Lesens schon mal in den Wahnsinn. Sie ist manchmal so verbohrt und schwer von Begriff. Dinge, die mir als Leserin schon zu Beginn klar waren, will sie einfach nicht verstehen und sie macht immer wieder die gleichen Fehler. Auf der anderen Seite macht es genau das spannend, wenn man sich immer wieder fragt: Wann versteht sie es?, und es macht den Charakter sympathisch, denn durch und durch perfekte Heldinnen haben wir in der Literaturgeschichte eigentlich genug. Insgesamt ist Tris aber ein sehr angenehmer Charakter. Ihre Unbestimmtheit eint viele verschiedene Werte und sobald sie das selbst versteht und akzeptiert, ist sie ein funktionierender Mensch, mit Vorbildfunktionen aber auch mit Fehlern.

Das Beste am Buch ist wohl Tris' Ausbilder Four und die obligatorische Liebesgeschichte, die sich zwischen ihm und Tris anbahnt. Für ihn hegt man von Beginn an eine gewisse Sympathie und die wächst Seite für Seite. Auch er ist ein Unbestimmter. Er weiß jedoch schon besser, was das bedeutet und wie er damit umgehen möchte. Er scheint der einzige zu sein, der den ursprünglichen Gedanken des Gesellschaftsbildes versteht und man ärgert sich sehr, dass er die Führungsposition, die ihm eigentlich zustand, ausgeschlagen hat. Doch anders wäre es wohl kaum soweit gekommen, wie es schließlich kommt. Die Liebesgeschichte ist schön inszeniert. Sie steht nicht im Mittelpunkt, sondern entwickelt sich heimlich nebenher. Sie drängt sich nicht auf und doch oder gerade deswegen will man mehr davon.

Die Charaktere sind nicht einfach nur hübsch und groß und klug, sie haben ihre Fehler und immer wieder zeigt sich, dass sie sich auch eben wegen diesen ineinander verlieben. Wichtig ist vor allem, dass es nicht zu kitschig wird. Die beiden mögen sich, aber sie streiten auch, sie reden aneinander vorbei, haben Verlangen aber auch Angst, sich nah zu sein. Die Liebe zwischen den Beiden entwickelt sich ein bisschen wie im echten Leben und vermutlich ist sie daher auch so angenehm zu verfolgen.

Dieses Buch schafft es wie kaum ein anderes von Anfang bis Ende Spannung aufzubauen. Gerade meint man, es müsse gleich mal wieder langweilig werden, da geschieht schon das nächste unvorhergesehene Ereignis, mit weitreichenden Konsequenzen. Tatsächlich ist das Buch während des letzten Viertels nicht mehr aus den Händen zu legen. Die Entwicklungen sind in jeder Hinsicht erschütternd, aufregend, unerwartet und vor allem logisch durchdacht. Von der harmlosen Schulabschlussfeier bis zur gesellschaftlichen Apokalypse ist es ein weiter Weg, der von haarsträubenden Geschehnissen aber auch von tollen Freundschaften und einer mitreißenden Liebe begleitet wird.

Fazit

"Die Bestimmung" befasst sich mit menschlichen Werten und den erschütternden Konsequenzen, die selbst der beste Grundgedanke mit sich bringen kann, wenn er falsch verstanden wird. Die wahnsinnig spannende Handlung wird von gut durchdachten Charakteren getragen. Drei Dinge geistern mir durch den Kopf: Respekt vor dieser Leistung, ein klein wenig Neid um die Worte, die diese Welt erbauen, und das bitterliche Warten auf Teil 2. Absolute Leseempfehlung; das Buch wird euch unterhalten: Bestimmt!

Janina Funk - myFanbase
06.09.2012

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