Bewertung
Barnes, Jonathan

Das Königshaus der Monster

"Brennt? Tot? Weg?"

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Inhalt

Henry Lamb führt ein ereignisloses Leben als staatlicher Archivar in London – bis sein Großvater ins Koma fällt. Plötzlich sieht sich Henry mit der Erkenntnis konfrontiert, dass seine Familie eine entscheidende Rolle in einem grotesken Bürgerkrieg spielt, der seit Jahrzehnten heimlich in London tobt. Ein Bürgerkrieg zwischen Agenten und dem britischen Königshaus! Um den Untergang Londons zu verhindern, muss sich Henry den Dominomännern, zwei der bösartigsten Lebewesen auf Erden, stellen. Dabei stößt er auf immer mehr erschreckende Wahrheiten, die sein gesamtes bisheriges Leben in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

Kritik

Schon nach wenigen Seiten wusste ich, dass es mir schwerlich gelingen würde, zu "Das Königshaus der Monster" eine bündige Inhaltsangabe zu verfassen, die wirklich verständlich macht, worum es in diesem Buch eigentlich geht. Ja, "Das Königshaus der Monster" zählt zu den Fantasyromanen, ist aber weit vom dem entfernt, was dieser Tage in der breiten Öffentlichkeit unter Fantasy verstanden wird. Es geht hier nicht um Vampire, Werwölfe, Hexen, Geister oder Engel. Jonathan Barnes hat vielmehr eine Geschichte kreiert, welche die Schale des Alltäglichen und Vertrauten immer weiter abschält, um langsam den grotesken Kern zu enthüllen.

Vor den Augen der Hauptfigur Henry und damit auch der Leser wandelt sich die Weltstadt London zum Schauplatz übernatürlicher Machtkämpfe. Das englische Königshaus, das berühmte Riesenrad "London Eye", das Haus des Premierministers in der Downing Street – alle diese bekannten Institutionen sind nicht genau das, was wir glauben, dass sie sind, und bergen unerwartete Geheimnisse. Immer wieder wird der Leser mit seltsam aussehenden und sich obskur verhaltenden Protagonisten konfrontiert, die wie fleischgewordene Witze wirken und grausame Pointen versprechen. Es gibt nicht viele Gewaltmomente, doch die vorhandenen sind drastisch und schockierend.

Wer von sich behauptet, er würde bereits in der Mitte des Romans oder auch nur fünf Seiten vor dem Schluss ahnen, wie alles zusammenhängt und auf welche Weise die Geschichte endet, ist ein Lügner – genau wie das Buch selbst immer wieder lügt. Nicht nur Henry berichtet uns, was passiert, sondern noch ein zweiter Erzähler, der sich immer wieder einschaltet, uns gegen Henry aufzubringen versucht und beschreibt, was auf der gegnerischen Seite passiert. Das klingt vielleicht verwirrender, als es ist. Der Leser verliert nie den Faden, aber kann eben auch nicht vorhersehen, wohin besagter Faden führt. Wer persönlich noch nie im dicken Londoner Nebel gesteckt hat, kann diese Erfahrung mit "Das Königshaus der Monster" metaphorisch nachholen.

Natürlich darf man diesen Roman auch getrost als eine satirische Auseinandersetzung mit der britischen Monarchie auffassen. Es treten zwar ein fiktiver Kronprinz namens Arthur und eine erdachte Königin auf, allerdings sind dabei die Anspielungen auf Prinz Charles und Queen Elizabeth II. unübersehbar. Außerdem trägt das fiktive Königshaus denselben Namen wie die echten britischen Monarchen: Windsor.

Fazit

"Das Königshaus der Monster" liest sich als spannende, faszinierende und originelle Lektüre, die nicht mehr viel mit Mainstream-Fantasy zu tun hat.

Maret Hosemann - myFanbase
30.12.2010

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